Foto: Guryanov Andrey/Shutterstock.com
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Egoistisch, selbstverliebt und empathielos – so sind Narzissten. Und Narzissmus und Beziehung, das passt eigentlich nicht zusammen. Doch die Liebe überwindet alle Hindernisse – oder etwa doch nicht?

Was ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Narzissmus – dieser Begriff wird vielen Personen schnell vorgeworfen. Eine echte narzisstische Persönlichkeitsstörung haben jedoch die Wenigsten. Unter 0,5 Prozent der Bevölkerung sollen es sein, meistens Männer. Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung sind selbstverliebt, arrogant und egoistisch. Die Welt kreist um sie.

Doch nicht jeder Mensch mit einem gesunden Selbstbewusstsein und etwas Egoismus hat gleich eine Persönlichkeitsstörung. Und bei Männern und Frauen mit narzisstischen Tendenzen kann die Ausprägung stark schwanken. In der Fachsprache wird die Störung als narzisstische Persönlichkeitsstörung (kurz NPS) oder als narcisstsic personality disorder (kurz NPD) bezeichnet.

Menschen mit einer narcisstic personality disorder zeigen teilweise extreme Verhaltensweisen. Sie sind arrogant, selbstsüchtig und rücksichtslos. Dabei zerstören sie ihre Beziehungen und verletzen vor allem nahestehende Personen. Das Schlimme an dieser Persönlichkeitsstörung: Der Narzisst ist sich keiner Schuld bewusst.

Denn eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eben genau das: eine ernste Störung der Persönlichkeit. Der Narzisst möchte immerzu bewundert werden. Er glaubt, ihm stehe alles zu. Lebt er in einer Partnerschaft, muss sich sich sein Partner anpassen und zurückstecken können. Ansonsten kommt es schnell zu einer Trennung.

Hinter der selbstbewussten Fassade steckt in den meisten Fällen ein geringes Selbstwertgefühl. Dieses versuchen Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung durch ihre Erhabenheit zu kompensieren. Auf Kritik reagieren sie deswegen sehr empfindlich.

Wie verhält sich ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?

Narzissten können sehr charmant sein – solange sie ihr Gegenüber als nützlich ansehen und sie nicht kritisiert werden. Auf Kritik reagieren sie mit extremer Wut oder mit Gefühlskälte. Sie gestehen sich keine Fehler ein und sehen die Schuld immer bei der anderen Person.

Einige Menschen zeigen nur eine leichte Ausprägung der narzisstischen Störung. Sie sind beispielsweise egozentrische und ehrgeizige Menschen, die sich mit einem besonderen Kleidungsstil von der Masse abheben möchten und gerne ihre Erfolge betonen.

Bei einer stärkeren Ausprägung ziehen sich die narzisstischen Züge durch das ganze Leben: Betroffene überschätzen ihre Leistungen, verhalten sich arrogant und manipulieren ihre Mitmenschen. Entweder um Bewunderung zu erfahren oder um den eigenen Status aufzubessern.

Pathologischer Narzissmus wird überwiegend bei Männern diagnostiziert. Diese verkörpern das Bild des erfolgreichen, selbstverliebten und arroganten Mannes. Frauen werden dagegen häufiger mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

Frauen mit Borderline zeigen unberechenbare und extreme Gefühlsausbrüche, die sie nicht kontrollieren können. Im Gegensatz zum Narzissten ist den Borderlinern bewusst, dass ihr Verhalten anderen Personen schadet. Generell können sowohl Männer als auch Frauen eine narzisstische Störung oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickeln.

Wie entsteht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Wie Narzissmus entsteht, ist nicht genau bekannt. Experten vermuten, dass sowohl erbliche als auch soziale Faktoren eine Rolle spielen. In der frühen Kindheit wird meist der Grundstein für die Störung gelegt: Die Eltern narzisstischer Menschen waren entweder abweisend oder idealisierten ihr Kind.

Dabei gibt es kein spezielles Gen, das voraussagt, wer eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt. Es wird jedoch vermutet, dass einige Menschen eher dazu neigen, eine Persönlichkeitsstörung zu entwickeln. Etwa, weil ihr Gehirn empfindsamer auf traumatische Ereignisse reagiert.

Narzissten erlebten emotionalen Missbrauch oft als kleines Kind. Dieser Missbrauch zeigte sich durch fehlende Liebe oder sogar zu viel Anerkennung. Wurde der Narzisst als Kind vernachlässigt, sucht er im Erwachsenenalter noch immer nach Liebe und Anerkennung. Als Kind hat er jedoch nie gelernt, eine gesunde und stabile Bindung zu einer Bezugsperson aufzubauen.

Es ist aber auch möglich, dass ein Narzisst als Kind von den Eltern bewundert wurde. Anstelle von echtem Interesse an seinen Gefühlen und der eigenen Wahrnehmung, schufen die Eltern ein idealisiertes Bild von ihrem Kind, welches das Kind für sich selbst übernahm.

Durch diese Erziehung konnten Betroffene kein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Verwöhnte Kinder stehen in dem Konflikt, Bewunderung zu erwarten, aber immer mit der Angst, dieser Bewunderung nicht zu genügen.

Wie erkenne ich Narzissmus in einer Beziehung?

Einen Narzissten erkennen Sie meist nicht sofort. Anfangs verhält er sich charmant und liebevoll. Haben Sie Ihren Zweck jedoch erfüllt oder wagen Sie es, Kritik an ihm auszuüben, schwankt sein Verhalten schnell in das genaue Gegenteil: Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit kommen ans Tageslicht.

Natürlich bedeutet das nicht, dass jedes Fehlverhalten Ihres Partners ihn gleich als Narzissten enttarnt. Viele Menschen haben narzisstische Anteile, die mehr oder weniger ausgeprägt sind. Haben Sie jedoch das Gefühl, in einer toxischen Beziehung gefangen zu sein, hinterfragen Sie das narzisstische Verhalten Ihres Partners.

Einige Narzissten sind durch ihre Verhaltensweisen leicht erkennbar. Die offenen Narzissten weisen gerne auf ihre großartigen Leistungen hin. Einen verdeckten Narzissten erkennen dagegen nicht so einfach auf den ersten Blick.

Diese Narzissten verhalten sich zunächst bescheiden und ruhig. Sie verbergen rücksichtslose und empathielose Verhaltensweisen, indem sie sich selbst als Opfer sehen. Erst hinter geschlossenen Türen zeigen sie ihren wahren Charakter. Verdeckter Narzissmus ist von außen nur schwer erkennbar.

Ist Ihr Partner wirklich ein Narzisst, hilft die offene Ansprache wenig. Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestehen sich keine Fehler ein. Noch seltener ist der Gang zum Therapeuten. In den Augen eines Narzissten liegen alle Fehler sowieso immer bei anderen. Achten Sie deswegen lieber auf mögliche narzisstische Verhaltensweisen Ihres Partners.

Die folgenden zehn Merkmale sind Anzeichen für Narzissmus:

1. Er ist charmant.

Ein Charmeur alleine macht zwar noch keinen Narzissten, doch besonders ein Mann mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wickelt seine Opfer spielend einfach um den Finger. Vielleicht führt er Sie zum Essen aus, überrascht Sie mit einem romantischen Wochenende in Paris oder macht Ihnen außergewöhnliche Geschenke. Dazu himmelt er Sie an, macht Ihnen Komplimente und idealisiert Sie, bis er Sie erobert hat. Er möchte Sie beeindrucken und Sie dabei in seinen Bann ziehen.

2. Er hält sich für überdurchschnittlich attraktiv, talentiert und erfolgreich.

Kurz gesagt, er hält sich für ein Geschenk Gottes. Das eigene Leben ist perfekt, er gibt sich erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst. Dabei neigt er nicht selten dazu, seinen Erfolg übertrieben darzustellen. Um in seinem sozialen Umfeld Bewunderung zu erfahren, sind ihm alle Mittel recht. Lügen erzählt er gerne. Das gilt auch für Ihre Beziehung: Vor gemeinsamen Freunden sind Sie die große Liebe für ihn, auch wenn er Sie hinter geschlossenen Türen nur abwertet.

3. Der Narzisst wirkt arrogant – und ist es auch.

Er hält sich für etwas Besonderes und gibt sich deswegen ungerne mit Menschen ab, die „unter ihm stehen“. Lieber sucht er den Kontakt zu erfolgreichen und besonderen Menschen und spricht mit ihnen am über sein Lieblingsthema: sich selbst.

4. Ein Narzisst verträgt keine Kritik.

Er erwartet stets, bewundert zu werden. Auf Kritik reagiert er extrem. Entweder er zieht sich wochenlang zurück oder er wird aggressiv. Die Schuld liegt natürlich immer an dem Gegenüber. Vor allem in der Partnerschaft braucht er einen Partner, der sich ihm unterwirft und jeden Wunsch von seinen Lippen abliest.

5. Er empfindet keine Empathie und verhält sich rücksichtslos.

Ein Narzisst kann sich nicht in die Sorgen und Ängste anderer Menschen einfühlen. Dafür ist er zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Nur wenn andere Menschen einen gewissen Nutzen für den Narzissten haben, zeigt er sich interessiert und rücksichtsvoll. Dies zeugt jedoch nicht von ehrlichem Interesse. Der Narzisst möchte den anderen Menschen nur zu seinen Gunsten manipulieren.

6. Er ist neidisch.

Neidisch auf den Erfolg und das Glück anderer. Gleichzeitig nehmen Menschen mit einer narzisstischen Störung an, dass die Anderen auch neidisch sind. Kritik von anderen ist für den Narzissten der Beweis, dass diese Menschen neidisch sind.

7. In Beziehungen verhält er sich manipulativ.

Ein Narzisst nutzt die emotionale Abhängigkeit des Partners gnadenlos aus. Er erwartet, dass sich der Partner oder die Partnerin immer perfekt verhält. Ist das nicht der Fall, bearbeitet er das Verhalten des Partners durch Manipulation. Auf das sogenannte Fehlverhalten des Partners reagiert ein Narzisst aggressiv oder zutiefst beleidigt. Schon bei Lappalien lässt er sich zu endlosen Diskussionen hinreißen, bis der Partner seinen angeblichen Fehler eingesteht.

8. Er führt oberflächliche Beziehungen.

Geht die alte Beziehung in die Brüche, wird der Ex-Partner schnell ausgetauscht. Bei Trennungen zeigen sich Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung gefühlskalt und stürzen sich schnell in eine neue Beziehung. Es scheint, als bedeute dem Narzissten die Beziehung nichts. Vor allem nach der schönen Anfangsphase kommt es schnell zu einer Trennung, wenn sich der neue Partner oder die neue Partnerin nicht den Erwartungen des Narzissten unterordnet.

9. Er sucht keine gleichgestellten Beziehungen.

Ein Narzisst sucht gezielt nach Menschen, die ihn bewundern und sich ihm unterwerfen. Gerade Frauen, die die Bedürfnisse anderer über die eigenen Bedürfnisse stellen, geraten eher an einen Mann mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

10. Er hat ein geringes Selbstwertgefühl.

Hinter der selbstbewussten Fassade von narzisstischen Männern und Frauen steckt oft ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Ein Narzisst braucht andere Menschen, die ihn bewundern. Nur dann fühlt er sich wertvoll. Zugeben würde er diese Schwäche allerdings niemals. Deswegen ist dieses Symptom der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nur schwer erkennbar.

Was sind die Phasen einer narzisstischen Beziehung?

Die Beziehung mit einem Narzissten verläuft in drei Phasen. Sie beginnt mit der Idealisierung der neuen Partnerschaft. Dann folgt der Schock: Der narzisstische Partner zeigt sein wahres Gesicht. Ordnet sich der andere Partner unter, wird die Beziehung fortgeführt. Ansonsten folgt eine Trennung.

Narzissten führen entweder oberflächliche Beziehungen oder suchen gezielt nach Menschen, die sich ihnen unterordnen. Die Leidtragenden einer solchen Beziehung sind nicht die betroffenen Narzissten, sondern ihre Partner. Gehen diese nicht rechtzeitig den Schritt zur Trennung, können sie an dieser Beziehung regelrecht zerbrechen.

Diese drei Phasen sind typisch für eine Beziehung mit einem Narzissten:

Phase 1 – die Idealisierung: In dieser Phase ist alles wunderschön. Der Narzisst umgarnt Sie, überhäuft sie mit Geschenken, romantischen Gesten und Komplimenten. Als „Love Bombing“ wird dieses Verhalten auch bezeichnet. Für ihn sind Sie die große Liebe. Diese Phase endet, wenn Sie Ihren neuen Partner oder die neue Partnerin lieben gelernt haben.

Phase 2 – die Abwertungsphase: Sobald Sie der Narzisst für sich gewonnen hat, wird er sein wahres Gesicht zeigen. Der Wechsel von der schönen Anfangsphase zur harten Realität ist oft ein großer Schock für betroffene Partner von Narzissten. Plötzlich kritisiert Sie der Narzisst, lässt aber selbst keinen Raum für Kritik an der eigenen Person. Der Narzisst erwartet, dass Sie sich ihm gegenüber perfekt verhalten und seine Wünsche erfüllen. Zeitweise wechselt sich sein abwertendes Verhalten noch mit Liebesbekundungen und -erklärungen ab. Teilweise sucht er nebenher auch schon nach einem neuen Opfer.

Phase 3 – die Trennung: Vor allem, wenn Sie sich Ihrem narzisstischen Partner nicht unterwerfen wollen, wird sich dieser schnell nach Ersatz umsehen. Die Trennung ist vorprogrammiert. Passen Sie sich jedoch Ihrem narzisstischen Partner an, wird er die Partnerschaft noch weiter führen. Solange er die ersehnte Anerkennung erfährt, haben Sie noch einen Nutzen. Partner von Narzissten, die nicht rechtzeitig den Absprung zur Trennung schaffen, wird diese Beziehung an ihre psychischen Grenzen bringen.

Wie gehe ich mit einem narzisstischen Partner um?

Mit Narzissten haben wir im täglichen Leben zu tun: Sie begegnen uns im Fernsehen als Präsidenten, als Kollegen, Mütter oder Partner. Daher ist es wichtig, den Narzissmus anderer Menschen zu erkennen und sich selbst vor Manipulation und Abhängigkeit zu schützen.

Haben Sie bereits Erfahrung mit Narzissmus gemacht, sollten Sie vor dem Eingehen einer neuen Beziehung aufmerksam sein: Lassen Sie sich nicht von dem beeindruckenden Verhalten Ihres neuen Partners blenden und hören Sie auf Ihre Intuition.

Verändert sich das Verhalten Ihres Partners schlagartig, ist Vorsicht geboten. Wenn er sie plötzlich kritisiert oder abwertet, schieben Sie dieses Verhalten nicht auf Stress oder andere Umstände. Gehen Sie stattdessen lieber auf Abstand und sprechen Sie mit Freunden oder Familie über das Verhalten Ihres Partners.

Oft hilft die Meinung Außenstehender, die Situation objektiv zu betrachten. Die schlechte Laune des Partners oder Streit in der Beziehung kann nicht allein Ihre Schuld sein, auch wenn Ihr Partner Ihnen das so sagt.

Lassen Sie es nicht zu, dass Ihr Partner Sie von sozialen Kontakten fernhält. Achten Sie stattdessen auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Das wird Ihrem Partner nicht gefallen. Für Ihr eigenes Wohlbefinden ist es jedoch wichtig, dass Sie sich nicht in dieser Beziehung verlieren. Und auch wenn Sie Ihren Partner lieben: Wird der Leidensdruck zu groß, ist eine Trennung der beste Tipp für Sie.

Empfehlenswert für Menschen von narzisstischen Partnern sind die Bücher von Bärbel Wardetzki. Die Psychotherapeutin und Autorin hat schon mehrere Bücher über das Thema Narzissmus geschrieben. Darunter das Buch „Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können“, „Und das soll Liebe sein?: Wie es gelingt, sich aus einer narzisstischen Beziehung zu befreien“ und „weiblicher Narzissmus“.

Haben Sie eher im Alltag oder Beruf mit Narzissmus zu tun, bietet sich der Ratgeber des Psychologen Rainer Sachse an. In seinem Buch „Selbstverliebt – aber richtig: Paradoxe Ratschläge für das Leben mit Narzissten“ gibt er unterhaltsame und realitätsnahe Tipps für den Umgang mit narzisstischen Kollegen und Bekannten. Diese Tipps erleichtern den Umgang und das gemeinsame Leben mit diesen Menschen.

Wie therapiert man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Jeder Mensch mit narzisstischen Charakterzügen kann eine Therapie beginnen. Es gibt nur ein Problem: Die meisten Narzissten leiden nicht unter ihrem narzisstischen Verhalten. Das Umfeld und vor allem enge Bezugspersonen leiden. In den Augen des Narzissten liegen die Probleme bei den anderen.

Narzissten beginnen deswegen nur selten freiwillig eine Therapie. Nimmt ein Narzisst doch einmal professionelle Hilfe in Anspruch, geschieht dies meist aus anderen Gründen. Beispielsweise könnte eine persönliche Krise oder ein Trauma sie zu einer Psychotherapie bringen.

Geschulte Therapeuten erkennen neben psychischen Problemen wie Burn-out oder Depression schnell die narzisstischen Züge ihres Patienten. Dieses Wissen hilft dem Therapeuten jedoch eher zum Selbstschutz vor Manipulation.

Versucht ein Therapeut dem Narzissten die Gründe für seine Selbstüberschätzung und Überheblichkeit zu verdeutlichen, stößt dieser schnell auf Ablehnung und es kommt zum Abbruch der Therapie. Da der Narzisst keine Fehler bei sich sieht, ist Narzissmus nur schwer behandelbar.

Ist eine Partnerschaft mit einem narzisstischen Partner möglich?

Eine Partnerschaft mit einem Narzissten ist schwierig. Passt sich der Partner dem Narzissten nicht an, kommt es schnell zur Trennung. Unterwirft sich der neue Partner dem Narzissten, bleibt die Beziehung bestehen. Der Partner leidet jedoch stark unter dem narzisstischen Verhalten.

Eine langjährige Beziehung mit einem Narzissten unterliegt also einer gewissen Dynamik. Auf der einen Seite befindet sich der Narzisst, der von seinem Partner bewundert und umsorgt werden möchte, weil er denkt, dass ihm dies zusteht. Er gibt nichts zurück und wertet den Partner bei vermeintlichen Fehltritten rigoros ab.

Auf der anderen Seite steht der Co-Narzisst, der sich seinem narzisstischen Partner unterwirft. Er glaubt, diesen zu lieben und freut sich schon über die kleinsten Gesten. Tatsächlich steckt hinter dem unterwürfigen Verhalten oft eine massive emotionale Abhängigkeit.

Langjährige Partner von pathologischen Narzissten leiden oft unter einem geringen Selbstwertgefühl. Meist sind es Frauen, die einen Mann mit einer narzisstischen Störung lieben und ihm jeden Wunsch erfüllen möchten. In der Partnerschaft mit ihrem Mann fühlen sie sich gebraucht.

Bei dieser Dynamik kommt es zu einer narzisstischen Kollusion: Beide Partner brauchen sich. Der Narzisst, um seinen Wunsch nach Anerkennung zu befriedigen und der Co-Narzisst, um das Gefühl zu haben gebraucht zu werden.

Co-Narzissten drohen mit der Zeit an dieser Dynamik zu zerbrechen. Sie hoffen stetig auf Liebe und erfahren doch nur Ablehnung. Mit seinem egoistischen und abwertenden Verhalten zerstört der Narzisst die Beziehung ohne Rücksicht auf die Gefühle des Partners.

Doch trotz des emotionalen Missbrauchs fällt es vielen Partnern von Narzissten schwer, sich zu lösen. Sie werden manipuliert und fühlen sich gefangen. Führt die Belastung der Narzissmus-Beziehung bei dem Partner bereits zu psychischen Problemen, ist die Trennung dennoch der einzig logische Schritt.

Wie kann ich eine narzisstische Beziehung nach der Trennung verarbeiten?

Abwertungen und Kränkungen sind an der Tagesordnung in narzisstischen Beziehungen. Trotzdem fühlen sich gerade langjährige Partner von Narzissten in ihrer Partnerschaft gefangen. Gehen sie den Schritt der Trennung, dauert es oft noch lange, bis sie die Beziehung verarbeitet haben.

Plötzlich ist es der ausgelaugte Partner, der sich im Therapiezimmer wiederfindet. Nicht der Ex-Partner mit der Persönlichkeitsstörung. Nach den schlechten Erfahrungen, die Partner von Narzissten erfahren haben, ist eine Therapie jedoch der richtige Weg, die Beziehung nach der Trennung zur verarbeiten.

Gemeinsam mit einem Therapeuten können Betroffene die destruktiven Muster des Narzissten erkennen. Oft haben sie der Kritik des Partners jahrelang Glauben geschenkt und die Fehler für Streits bei sich selbst gesucht.

Eine Therapie hilft außerdem, die eigenen Beziehungsmuster zu analysieren und schädliche Muster aufzulösen. Gerade Ex-Partner von Narzissten neigen dazu, sich mehr als einmal in Männer oder Frauen mit narzisstischen Anteilen zu verlieben. Bei einer Therapie können sie lernen, diesen Zyklus zu durchbrechen.

Ist eine Therapie nicht möglich, hilft es, sich mit Literatur zum Thema Narzissmus zu befassen oder Selbsthilfegruppen mit dem Schwerpunkt Narzissmus in der Partnerschaft aufzusuchen. Je mehr die Opfer eines Narzissten das zerstörerische Verhalten ihres Ex-Partners erkennen, desto eher können sie aufhören diesen zu lieben und sich schneller von ihm lösen.

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