Terror-Verdacht in Düren: Jetzt spricht Reul über „islamistische Gefährder“

Sieben jungen Männern aus Düren wird vorgeworfen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat geplant zu haben. Dabei sollen sie sich an Propaganda-Material des Islamischen Staates (IS) orientiert haben.
Innenminister Herbert Reul
Jetzt spricht CDU-Mann und NRW-Innenminister Herbert Reul über die Terror-Vorwürfe Foto: Oliver Berg/dpa

Donnerstagmittag in Düren: 350 Polizeibeamte sichern das Gelände rund um die Wohnungen der fünf Verdächtigen, dringen ins Hausinnere ein und durchsuchen die Wohnräume akribisch. Die Sepzialeinsatzkräfte der Kriminalinspektion Staatsschutz sichern Beweismaterial – darunter fällt auch Propagandamaterial des Islamischen Staates (IS).

Den jungen Männern zwischen 16 und 22 Jahren wird vorgeworfen, eine an den IS angelehnte „terroristisch motivierte Tat“ vorbereitet zu haben. Die Männer, die mitunter deutsche, türkische und russische Staatsangehörigkeit haben, werden allerdings nicht vorläufig festgenommen.

Düren: Terrorverdächtige Jungs nicht festgenommen

Grund: Teils sind sie jugendlich, teils fehlen „Voraussetzungen zur Anordnung der Untersuchungshaft“, heißt es von der Polizei. Zudem gelte bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

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In einer Polizeipressekonferenz am Donnerstag, den 28. Oktober 2021, äußert sich nun auch NRW-Innenminister Herbert Reul: „Es gab den Verdacht, dass islamistische Gefährder in Deutschland einen Anschlag vorbereiten könnten. Im Zentrum der Ermittlungen steht eine siebenköpfige Gruppe aus dem Raum Düren, die sich zu einem islamistisch-terroristischen Netzwerk zusammengeschlossen hat.“

Dürener Jungs haben Kontakt zur radikal-islamistischen Szene

Die sieben Männer sind zwischen 16 und 22 Jahre alt und haben laut Reul landes- und bundesweite Kontakte zu Mitgliedern der radikal-islamistischen Szene. Sechs der Beschuldigten haben eine deutsche Staatsbürgerschaft, zwei von ihnen haben zusätzlich die russische Staatsangehörigkeit, einer hat einen türkischen Pass. Sechs Männer seien sogar als „islamistische Gefährder“ eingestuft, einer gelte als sogenannte „relevante Person des islamistischen Spektrums“.

Vereinzelt sei es zu Treffen im europäischen Ausland gekommen, sagte Reul weiter. Die Gruppe habe „wohl so eine Art islamistische Trainingsstunde im Wald“ durchgeführt und dort mit Hieb- und Stichwaffen trainiert. Schusswaffen waren laut Innenminister nicht im Spiel.

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Düren: Beamte sichern Material am Einsatzort. Mit einem Großaufgebot sind Spezialeinheiten der Polizei am Donnerstagmorgen in Nordrhein-Westfalen gegen fünf junge Männer vorgegangen, die unter Terrorverdacht stehen. Foto: Vincent Kempf/dpa

Es habe Anhaltspunkte dafür gegeben, dass sich die Männer mit „Anschlagsplanung befasst“ hätten. „Allerdings konkrete Anschlagspläne gab es nach unseren bisherigen Erfahrungen nicht“, sagte Reul. Nicht zuletzt gab es auch keine Festnahmen oder Haftbefehle.

Düren: Terror-Verdächtige hatten Äxte und Macheten parat

Alle sieben Verdächtigen, die am Morgen von dem Polizeieinsatz offensichtlich völlig überrumpelt wurden, sind den Angaben zufolge in ihren Wohnungen angetroffen und zu erkennungsdienstlichen Behandlung mitgenommen worden. Bei dem Einsatz sei es vor allem um das Auffinden und die anschließende Sicherung von weiteren Beweismittel gegangen, sagte der Innenminister.

Man habe eine Machete, Pfefferspray, Äxte, Messer, einen Teleskopschlagstock sowie digitale Geräte gefunden, die nun ausgewertet werden müssen.

NRW-Innenminister Reul zufrieden mit Staatsschutz-Ermittlungen

Reul zeigte sich zufrieden mit dem Einsatz. Der Fall zeige einmal mehr, „dass man bei solchen Terrorismusverfahren einen langen Atem“ brauche. „Den haben unsere nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden gehabt, denn in diesem Fall sind wir fast ein Jahr schon intensiv am Ermitteln.“ Man sei sehr wachsam: „Wir handeln bevor es zu spät ist. Wir lassen nicht zu, dass auf deutschem Boden Terror gesät wird und dort seine Wurzeln schlägt.“

Geleitet und koordiniert wird das noch längst nicht abgeschlossene Ermittlungsverfahren von der Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen (ZenTer NRW).

mit dpa