Rheinpegel: Experte schlägt Alarm – Fischarten in Lebensgefahr

Das Niedrigwasser im Rhein hat diverse Folgen für Schifffahrt, Gastronomie und auch die tierischen Bewohner des Flusses, der vom Bodensee bis in die Schweiz fließt.
Köln Rheinpegel niedrig
Ein Mann am ausgetrockneten Rheinufer in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Köln Rheinpegel niedrig
Ein Mann am ausgetrockneten Rheinufer in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

„Oh, leever Jott, jev uns Wasser…“ sangen bereits 1983 die „Bläck Fööss“ in ihrem Kulthit „Dat Wasser vun Kölle“. Und den Song dürften momentan auch die Fische im Rhein anstimmen. Denn Aale und Lachse sind aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers vom Aussterben bedroht.

Die hohen Temperaturen lassen den Rhein immer mehr verdunsten, der Sauerstoffgehalt im Wasser schwindet und gleichzeitig wächst die Gefahr, dass die im Rhein lebenden Fische in der verengten Fahrrinne von Schiffsschrauben verletzt oder getötet werden. Denn bei Niedrigwasser haben die Tiere kaum noch eine Ausweichmöglichkeit.

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Bereits im Jahr 2003 und im Jahr 2018 war es aufgrund von extremen Dürrephasen zu massivem Fischsterben gekommen. 2022 haben die Fische die Hitzeperioden überlebt – bis jetzt! Die Temperaturen sollen jedoch steigen. In Köln stehen Tage mit über 30 Grad bevor.

Rheinpegel in Köln: Aale und Lachse in Lebensgefahr

Marc Daniel Heintz, Geschäftsführer der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) zur „Kölnischen Rundschau„: „Die kritische Wassertemperatur von 25 Grad wird im Rhein bereits regelmäßig überschritten.“  Prof. Dr. Jost Borcherding vom Zoologischen Institut der Universität Köln erklärt dem Blatt: „Die Mehrzahl der Fische im Rhein fühlt sich bei Sommertemperaturen um 23 Grad am wohlsten. Andere Arten wie der Lachs mögen es kühler. Wird das Wasser zu warm, geraten die Fische in Stress. Schwächere Tiere sterben.“

Der Experte, der seit über 20 Jahren die Fische im Rhein erforscht, ist sich sicher, dass bei Niedrigwasser mehr Tiere durch Schiffsschrauben sterben. Insbesondere Aale seien gefährdet. Borcherding: „Ab September, Oktober ziehen die Aale aus den Nebenflüssen in den Rhein, weiter in die Nordsee und von dort bis in die Sargassosee in der Karibik, wo sie sich vermehren. Falls zu Beginn dieser Wanderung noch immer extremes Niedrigwasser herrschen sollte, haben die Tiere ein Riesenproblem. Denn die Aale schwimmen mit der fließenden Welle in der Fahrrinne und somit ganz in der Nähe der Schiffe.“

Auch für Lachse, die im Meer leben und zum Laichen über den Rhein in die Sieg kehren, werde es aufgrund des niedrigen Wasserpegels jetzt eng. Borcherding: „Die Lachse vermehren sich im Winter und beginnen jetzt mit dem Aufstieg in die Sieg. Das ist bei Niedrigwasser äußerst schwierig. Bei meinen Kollegen in der Fangstation in Buisdorf kommen kaum noch Lachse an.“ Und weiter: „Der Lachs leidet besonders unter niedrigen Wasserständen. Generell sind alle Wanderfischarten betroffen, die weite Wege zurücklegen und bei denen der Mensch diese Wege durch Stauwehre und Wasserkraftanlagen verbaut hat.“

Dass Aale und Lachse für immer aussterben, hält der Biologe jedoch für unwahrscheinlich. Laut dem Experten erholen sich die Populationen nach einem großen Fischsterben rasch wieder – wenn die Lebensbedingungen für die Tiere verbessert würden. Borcherding dazu: „Nachdem man die Mündung der Lippe in den Rhein bei Wesel fünf Meter tiefergelegt und renaturiert hat, sind die Fischbestände dort innerhalb kürzester Zeit explodiert.“