Macarena auf den Tischen und mehr: So sieht das „Tanzverbot“ in Köln aus

Seit zwei Jahren sind in Köln alle Clubs aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie geschlossen. Der Grund: ein Tanzverbot zur Eindämmung der Ansteckungen. Kneipen sind hingegen geöffnet. Dass hier weniger Aerosole im Umlauf sind, darf allerdings angezweifelt werden.
Ein Kneipenbesuch in Köln während der Corona-Pandemie
Pandemie-konformes Feiern? Im Monkeys in Köln wird jedes Wochenende richtig Gas gegeben. Foto: Ristau/Tonight News
Ein Kneipenbesuch in Köln während der Corona-Pandemie
Pandemie-konformes Feiern? Im Monkeys in Köln wird jedes Wochenende richtig Gas gegeben. Foto: Ristau/Tonight News

Club-Betreiber in NRW befinden sich noch immer in der Corona-Hölle, haben bis auf zwei Monate Ausnahme 2021 seit zwei Jahren geschlossen. Durch das Club- und Tanzverbot wolle man die Pandemie eindämmen, Ansteckungen vermeiden. Kneipen und Bars dürfen jedoch öffnen – natürlich unter 2G-plus-Regeln, die man auch in Clubs und Diskotheken umsetzen könnte. Tonight News hat sich am Wochenende in nur zwei Kölner Bars umgeschaut und schockierende Zustände erlebt. Denn weil die Clubs geschlossen sind, konzentrieren sich nun alle feierfreudigen Kölner auf wenige angesagte Szene-Bars wie etwa die kleine „Forelle“ auf der Rückseite der „Barracuda“-Bar oder das „Monkeys“ am Hans-Böckler-Platz.

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Im Monkeys in Köln wurde am Freitagabend auf den Tischen Macarena getanzt. Vom Tanzverbot war nichts zu sehen. Foto: Ristau/Tonight News

Bewegungsfreiheit und Abstandsmöglichkeiten: Fehlanzeige! Gäste knubbeln sich dicht an dicht, das Bar-Personal kommt wegen des erhöhten Andrangs nicht mehr mit den Getränken hinterher. Die Luft ist zudem extrem schlecht. Dass hier weniger Aerosole herumschwirren als in Clubs wie etwa dem Gewölbe, das eine Lüftungsanlage installiert hat, die die gesamte Club-Luft innerhalb von drei Minuten komplett austauschen kann, darf angezweifelt werden. Und: Auch das vom Land NRW verhängte Tanzverbot wird bei einer Durchschnitts-Promillezahl von gefühlt 3,5 natürlich nicht eingehalten. Im Gegenteil: Gegen 3 Uhr nachts tanzt im „Monkeys“ die halbe Kneipe auf den Tischen „Macarena“ oder performt den uralten „Ketchup-Song“.

 

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MAGS verteidigt Club- und Tanzverbot in NRW

Tonight News hat beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS), das für das Tanz- und Clubverbot in NRW verantwortlich ist, nachgefragt. Sind die Verantwortlichen sich über diese Unverhältnismäßigkeit eigentlich bewusst? „Dem Ministerium ist bewusst, dass sich die verschiedenen Nutzungsformen von Gastronomie schwer abgrenzen lassen und sich solche Nutzungen ohne zu große generelle Einschränkungen für die Gastronomie insgesamt kaum vermeiden lassen. Es ist zu bedenken, dass sich dort nur Personen aufhalten dürfen, die voll immunisiert und geboostert oder getestet sind.“

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Auch in der Forelle ging es heiß her. Hier knubbelten sich die Gäste dicht an dicht. Foto: Ristau/Tonight News

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Allerdings könnte man auch in Clubs eine 2G-plus-Regel verhängen. Doch das MAGS sieht noch ein anderes Problem: „Der Unterschied zwischen der Gastronomie und Diskotheken ist, dass in Diskos die erheblichen Aerosolbelastungen sowie Infektionsrisiken beim Tanzen untrennbar mit dem eigentlichen Hauptzweck der Einrichtung verbunden sind, während es in der Gastronomie eher das Ergebnis von Grenzfällen einer möglichen Nutzung sind.“ Und weiter: „Ein in der aktuellen Infektionslage wichtiger Unterschied zwischen diesen Grenzfällen im Bereich der normalen Gastronomie und den Diskotheken liegt dabei auch in der quantitativen Masse, die sich gleichzeitig einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzt.“

Dennoch gibt es jetzt einen Lichtblick. Denn Hendrik Wüst kündigte bereits an, dass Clubs aller Wahrscheinlichkeit nach schon Anfang März 2022 wieder öffnen dürfen. Tonight News hat mit Kölner Party-Veranstaltern gesprochen und erfahren, welche Probleme bei der spontanen Entscheidung der Politik nun aufkommen.