„Fühle mich aussätzig“: Kölnerin (45) erzählt aus dem Alltag einer Ungeimpften

Knapp 60 Millionen Deutsche haben sich bereits gegen das Coronavirus impfen lassen. Der Druck auf die Ungeimpften wächst und das Verständnis der "Immunisierten" für jene, die sich nicht impfen wollen, ist klein. Was hält diese Menschen vom "kleinen Piks" ab? Tonight News sprach mit einer Ungeimpften.
Mobbing am Arbeitsplatz
Das Bild zeigt eine klassische Szene von Mobbing am Arbeitsplatz. (Symbolbild). Foto: Andrey Popov/Shutterstock
Mobbing am Arbeitsplatz
Das Bild zeigt eine klassische Szene von Mobbing am Arbeitsplatz. (Symbolbild). Foto: Andrey Popov/Shutterstock

Vittoria K. (45, Name geändert) ist ungeimpft. Seit Monaten ist die gebürtige Kölnerin mit italienischen Wurzeln im Lockdown, hat nur noch Zugang zu Supermärkten, Drogerien und Apotheken. „Die meisten wissen das gar nicht. Die sind schon so in ihrer 2G-Gesellschaft angekommen, dass die gar nicht mehr wahrnehmen, dass alle, die sich nicht impfen lassen wollen, davon ausgeschlossen werden.“ Restaurant- oder Kinobesuche etwa sind für die Mutter seit Mitte November 2021 tabu.

Auch ihre Tochter (18) leidet zunehmend unter der Situation. Denn auch sie ist ungeimpft, möchte sich nicht gegen das Coronavirus „immunisieren“ lassen. Die beiden vertreten einen klaren Standpunkt: „Wir sind seit zwei Jahren kerngesund und es kann nicht sein, dass wir in der ganzen Zeit noch nie mit dem Virus in Berührung gekommen sind. Wir fahren Bahn, arbeiten im Büro beziehungsweise gehen zur Schule.“ Das Mutter-Tochter-Gespann geht davon aus, bereits immun zu sein und ist sich sicher, dass sich Antikörper im Blut gebildet haben.

Ungeimpfte Kölnerin erklärt Impfstatus: „Lasse mich nicht freiimpfen“

Doch warum freiwillig das Martyrium eines Lockdowns mitmachen, wenn man sich auch „freiimpfen“ könnte? „Das ist genau der Punkt“, sagt K., „Ich sehe es nicht ein, dass ich mich quasi freiimpfen muss. Die Impfung hält meiner Meinung nach nicht, was sie verspricht. Es ist nicht solidarisch, sich zu impfen, weil man weiterhin andere anstecken kann. Bei mir im Büro haben gerade welche Corona, die teilweise dreifach geimpft sind. Wenn man das Gesundheitssystem nicht belasten will, müsste die Regierung zum Beispiel auch Alkohol und Zigaretten verbieten.“

Doch es ist nicht nur der Lockdown, der den Alltag der 45-Jährigen prägt. Es sind auch die täglichen Coronatests, die Mutter und Tochter durchführen müssen, um ihr Leben zu leben. Beide müssen sich allein für die Bus- und Bahnfahrten testen lassen. Denn selbst im ÖPNV gilt mittlerweile 3G. K. echauffiert sich: „Da sitze ich als negativ Getestete neben einem ungetesteten Geimpften, der eventuell Corona hat.“

Auf der Arbeit gehe der „Corona-Wahnsinn“ dann weiter, so die Büroangestellte im Gespräch mit Tonight News. „Mein Chef macht mir indirekten Druck, dass ich mich doch impfen soll. Schließlich seien bei uns in der Firma doch alle geimpft. Ich bin die einzige, die im Büro mit Maske herumlaufen muss. Da fühle ich mich jeden Tag wie eine Aussätzige. Es ist unfair, weil alle anderen auch Corona haben könnten – was sich aktuell auch noch bestätigt.“

Todesfall nach Impfung sorgt für panische Angst bei ungeimpfter Kölnerin

Doch woher rührt die dogmatische Ablehnung einer Coronaimpfung? Immerhin fordert das Virus auch zahlreiche Todesopfer, die mit einer Impfung eventuell hätten verhindert werden können. „Meine Nachbarin ist zwei Wochen nach der Zweitimpfung verstorben. Sie hat nachts plötzlich schlecht Luft bekommen, hat noch ein letztes Mal eingeatmet und ist dann in den Armen ihres Mannes gestorben. Die Ärzte haben eine Lungenembolie diagnostiziert. Einen Zusammenhang mit der Impfung haben sie nicht bestätigt.“ K. weiter: „Sie war erst 59 und ansonsten völlig gesund. Ich habe einfach Angst vor möglichen Nebenwirkungen wie Augenthrombose, Lähmung oder einem plötzlichen Herzstillstand. Die Impfung sollte meiner Meinung nach freiwillig bleiben.“

RKI empfiehlt Impfstoffe gegen Covid-19

Aus wissenschaftlicher Sicht sei eine Impfung jedoch absolut empfehlenswert, weil die Impfstoffe bei Infektion mit Delta eine sehr hohe Wirksamkeit von etwa 90 % gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung (z. B. Behandlung im Krankenhaus) und eine gute Wirksamkeit von etwa 75 % gegen eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion bieten.

Das RKI stellt auf einer Informationsseite klar: „Wenn der Anteil der Geimpften in der Population steigt, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren bzw. erkranken, mitunter Geimpfte betroffen sein können.“ Bei den aktuell hohen Infektionszahlen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auch als Mensch mit vollständigem Impf-Grundschutz mit dem Virus in Kontakt zu kommen.

Generell gilt demnach: Impfdurchbrüche stellen den Nutzen der Impfung nicht infrage. Sie verdeutlichen vielmehr, wie stark sich das Virus verbreiten kann.

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