„Spielball der Politik“: Kölner Veranstalter schimpfen über Karnevals-Entscheidung

An den tollen Tagen heißt es wieder: Schunkeln, Bützen, Saufen – und das ist ganz legal. Wie Stadtdirektorin Andrea Blome mitteilte, darf der Straßen-, Sitzungs- und Kneipenkarneval stattfinden. Clubs müssen jedoch weiterhin geschlossen bleiben – ein Aufreger bei Kölns Party-Veranstaltern.
Kölner Dreigestirn - Karnevalsprinz mit positivem Corona-Test
Das Kölner Dreigestirn. Foto: Marius Becker/dpa
Kölner Dreigestirn - Karnevalsprinz mit positivem Corona-Test
Das Kölner Dreigestirn. Foto: Marius Becker/dpa

Nachdem die Traditionstanzkorps alle ehrenamtlich organisierten Sitzungen und Bälle für die Session 2022 auf Anraten des Landes NRW abgesagt hatten, war lange unklar, wie es um die tollen Tage (Weiberfastnacht bis Aschermittwoch) steht. Denn auch der Rosenmontagszug darf wegen der pandemischen Lage nicht in gewohnter Form stattfinden. Auch Diskotheken in NRW sind noch immer geschlossen. Der Grund: Tanzen ist in der Pandemie verboten. So wolle man Ansteckungen verhindern.

Umso überraschender war das Statement von Stadtdirektorin Andrea Blome, die am Mittwoch, 9. Februar, auf einer Pressekonferenz verkündete, dass sowohl Straßen- als auch Kneipenkarneval in gewohnter Manier stattfinden dürfen. Der einzige Unterschied: Es gilt 2G-plus. Zudem finden in der Karnevalszeit auch kommerzielle Großveranstaltungen wie „Humba Tätärä“ des Karnevalsriesen Deiters oder „Sartory Alaaf“ in den Sartoy Sälen statt.

Kölner Club-Manager David Hasert irritiert wegen Karnevals-Plänen

Kölner Club-Betreiber, die ihre Läden seit Anfang Dezember geschlossen halten müssen, sind auf dem Baum. David Hasert, der die Events im Reineke Fuchs managt: „Diese Entscheidung wurde doch in einer Nacht- und Nebelaktion getroffen. Da sieht man mal wieder, wie tief der Karneval in Politik und Wirtschaft verwurzelt ist und was dadurch möglich ist.“ Der Club auf der Aachener Straße, der einst fast täglich feierfreudige Kölner lockte, ist nun übergangsweise ein Corona-Testzentrum.

Hasert: „Wir haben jetzt hier ein Testzentrum und etwa im Sartory wird mit Hunderten geschunkelt und gesoffen, alle Kneipen sind voll und auf den Straßen knutschen die Besoffenen rum. Bei uns im Club könnten wir strenge 2G-plus-Kontrollen durchführen oder einfach weniger Menschen herein lassen.“ Dass Tanzen aufgrund von Corona noch immer verboten sei, aber Schunkeln erlaubt, hält der Kölner für eine Farce: „Wir Clubs sind ein Spielball der Politik. Das ist einfach unverhältnismäßig, das eine zu erlauben und das andere zu verbieten.“

 

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Gewölbe-Chef regt sich über Karnevals-Pläne der Stadt Köln auf

Auch Marcel Janovsky, der das Gewölbe leitet, ist stinksauer auf die Politik. In einem Facebook-Post macht er seinem Ärger Luft und spricht dabei ganz direkt Gesundheitsminister Karl Lauterbach an: „Hey Karl, Clubs bleiben zu, weil nicht ‚getanzt‘ werden soll, aber erlaubt sind Karnevalspartys, beispielsweise im schönen Sartory, mit Bühnenprogramm, dazwischen spielt (Zitat Veranstaltungstext) ‚DJ Borys beste Karnevalsmusik‘, vermutlich mit Schunkeln, kräftigem Mitsingen, Kölsch-Pötten und so weiter.“ Der Kölner holt aus: „Ob im Sartory auch die Fenster geöffnet sind, so wie an der Schule meiner Tochter, die über Monate den Winter durch mit Jacke in der 4. Klasse am Unterricht teilnehmen muss?“

Mit einem Apell an die Politik rundet er sein Statement ab: „Ich gehöre nicht zu den ‚wenn ich nicht, dann die auch nicht‘-, sondern, ‚wenn die, dann wir auch bitte‘-Typen. Wir haben eine neue Lüftung, die in drei Minuten die komplette Luft im Club austauschen kann, eine fähige Tür, DJ Sanitizer all night long und ziemlich Bock.“

Auch in Düsseldorf regen sich die Clubbetreiber auf: Allen voran Nachtresidenz-Chef Marcel Oelbracht, der sich auch in den sozialen Kanälen geäußert hat.

Aktuell zieht das Land NRW einige Lockerungen wie etwa den Wegfall der 2G-Regel im Einzelhandel oder das Verzichten auf Erfassung von Corona-Fällen in Betracht. Bleibt zu hoffen, dass auch die Club-Szene schon bald bei den Lockerungsplänen berücksichtigt wird.