„Ganz wenig Arbeit“: Kölns Kult-Gastronomen in der 2G-plus-Krise

Die Corona-Pandemie hält ganz Deutschland in Atem. Während die einen von den Maßnahmen profitieren (z.B. Drogerien, Online-Handel), steuern andere gerade auf die Pleite zu. Tonight News hat sich in der Kölner Gastro-Szene umgehört und erschreckende Antworten bekommen.
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Das sizilianische Kult-Restaurant "Bar Celentano" in der Maybachstraße 148. Foto: Bar Celentano
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Das sizilianische Kult-Restaurant "Bar Celentano" in der Maybachstraße 148. Foto: Bar Celentano

Während die Gastronomen im Corona-Jahr 2020 zeitweise noch komplett schließen mussten und Speisen nur noch to go anbieten durften, dürfen sie 2022 zwar öffnen, müssen aber extreme Anforderungen an ihre Gäste stellen. Zuletzt musste man geimpft oder genesen sein, um ein Restaurant betreten zu dürfen (2G). Jetzt hat das Land NRW die Regeln noch einmal verschärft. Seit dem 13. Januar 2022 gilt im Freizeitbereich flächendeckend 2G-plus! Das heißt, dass sich Geimpfte und Genesene zusätzlich auch noch testen müssen. Ungeimpfte dürfen auch mit negativem Test nicht ins Restaurant. Durch die 2G-plus-Regel muss die Gastro-Szene also knapp auf ein Drittel der potenziellen Gäste (die Ungeimpften) verzichten. Aber auch beim großen geimpften Teil der Gesellschaft breche ein großer Brocken weg, wie Tonight News von diversen Gastronomen erfuhr.

„Daikan“ Köln: Ein Drittel weniger Umsatz in japanischer Tapas-Bar

„2G-plus macht einen spontanen Restaurantbesuch unmöglich!“, beklagt Oguzhan Taskiran. Der Restaurantleiter des Szene-Lokals „Daikan“ im Belgischen Viertel weiter: „Früher war man mit Freunden in der Stadt unterwegs und konnte spontan irgendwo einkehren. Heute brauchen alle erst einen Coronatest – bis auf eine bestimmte Personengruppe, die davon ausgenommen ist (Geboosterte, Anmerkung der Redaktion).“ Der Restaurant-Manager schätzt, dass sich Zulauf und somit auch Umsatz um ein Drittel verringert haben seit die 2G-plus-Regel gilt.

 

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„Bagatelle“ in der Kölner Südstadt läuft auch mit 2Gplus gut

Anders sehe das bei Daniel Rabe in der „Bagatelle“ aus. Der Südstadtwirt könne sich nicht beklagen: „Hier sind alle geboostert. Die brauchen keinen Test. Ich merke nicht, dass ich weniger Gäste habe.“ Zuletzt machte der Kölner mit einem unkölschen Novum von sich reden: In der „Bagatelle“ gibt es neben Kölsch jetzt auch frisch gezapftes Altbier! Von der 2G-Regel hält Daniel Rabe übrigens viel: „Die Ungeimpften sollen sich doch einfach impfen lassen.“

„Bar Celentano“-Boss am Limit: „Viel weniger Arbeit seit 2G“

Salvatore Santamaria vom Kult-Italiener „Bar Celentano“ am Hansaring hat sein beliebtes Restaurant seit Anfang des Jahres wegen eines Wasserschadens zwar geschlossen, klagt aber über die Umsatzeinbußen, die bereits Ende 2021 durch die Einführung der 2G-Regel entstanden sind: „Wir haben viel weniger Arbeit. Viele Reservierungen sind weggebrochen. Wir machen nächste Woche wieder auf, aber ich glaube, dass es mit 2G-plus noch schlimmer wird.“

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Dehoga Nordrhein: „Die Gastronomie ist kein Pandemietreiber“

Und: Auch die Dehoga Nordrhein kann nicht nachvollziehen, weshalb die Regierung sich immer zuerst auf die Gastronomie stürzt, wenn es um Verschärfungen geht. Ein Sprecher zu Tonight News: „Mir fehlt eine gute Erklärung. Wir sind keine Pandemietreiber und das bekommen wir von Fachleuten, auch vom RKI, immer wieder bestätigt. Vor allen Dingen gibt es noch einen weiteren Aspekt, den man immer bedenken sollte, wenn man uns einschränkt: Das, was bei uns verboten oder stark eingeschränkt ist, findet häufig im privaten gänzlich unkontrollierten Raum statt. Dann doch lieber kontrolliert in unseren Betrieben!“

Auch der Mehraufwand, der in der Gastronomie durch die 2G-plus-Kontrollen entsteht, ist der Dehoga Nordrhein ein Dorn im Auge: „Besondere Schwierigkeiten bestehen auf jeden Fall immer dann, wenn Maßnahmen personalintensiv sind, weil sie damit teuer werden und wir unsere Beschäftigten lieber an anderer Stelle im Betrieb einsetzen. Dazu gehören Zugangskontrollen von Gästen beispielsweise. Von Diskussionen mit Gästen in diesem Zusammenhang einmal ganz zu schweigen.“

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