Über 50 Prozent weniger Umsatz wegen 2G: Kölner Einzelhandel schlägt Alarm

Haben sich die Umsätze des Einzelhandels seit der 2G-Regelung signifikant verändert? Und wie lief das Weihnachtsgeschäft mit nur zwei Dritteln der Bevölkerung? Tonight News hat sich in Köln umgehört.
Marianna A. von „Malut Outlet“ klagt über extreme Umsatzeinbußen seit der 2G-Regelung. Foto: Ristau/Tonight News

Seit dem 4. Dezember müssen die ohnehin schon von der Pandemie gebeutelten Einzelhändler in Deutschland ihre Kunden auch auf 2G kontrollieren – ein Teil ihrer potenziellen Kundschaft hat damit keinen Zugang. Und so geht vielen Händlern bares Geld durch die Lappen, das sie nach zwei Jahren Corona-Pandemie und mehreren Lockdowns gut gebrauchen könnten. Dazu kommt das Timing. Denn die 2G-Regelung im Einzelhandel hat die Bundesregierung Anfang Dezember, kurz vorm Weihnachtsgeschäft, eingeführt. Während die einen die Regel sinnlos und unlogisch finden, befürworten andere die Maßnahmen der Regierung – trotz Umsatzeinbußen!

So etwa das Wäschehaus Köln auf der Apostelnstraße. Eine Verkäuferin, die namentlich nicht genannt werden möchte, zu Tonight News: „Wir stehen voll und ganz hinter der Impfung, auch wenn die Leute sich ja trotzdem weiter anstecken können. Selbst wenn die Regierung die 2G-Regel nicht mehr verpflichtend machen würde, würden wir hier, glaube ich, weiter 2G verlangen.“ Allerdings habe der Laden unter der Regelung auch nicht so viel zu leiden wie andere Geschäfte. Die Angestellte: „Unsere Kundinnen müssen zu uns kommen, weil sie in der Regel Unterwäsche anprobieren wollen. Da muss man gucken, wie das sitzt. Das kann man nicht gut online bestellen.“

Kölner Einzelhändler: 40 Prozent weniger Umsatz dank 2G

Anders sieht das nebenan bei Wohnart City aus. Ladeninhaber Peter Schwalen: „Dieses Weihnachtsgeschäft war noch schlechter als das im Vorjahr, obwohl wir da ab dem 15. Dezember Lockdown und somit geschlossen hatten!“ Laut dem Einzelhändler, der hochwertige Haushaltsgegenstände anbietet, fehlen seit der 2G-Regelung einfach die Menschen, die spontan bummeln oder auf den Weihnachtsmarkt gehen und dann im Laden vorbeischauen. Denn: Wie Tonight News berichtete, galt auch auf allen Kölner Weihnachtsmärkten 2G.

Heißt: Ein Drittel der Bevölkerung fuhr gar nicht erst in die Stadt. Peter Schwalen: „Dazu kommt auch, dass die Leute total verunsichert sind, auch wenn sie geimpft sind. Die wägen dann ab, ob das wirklich sein muss, dass man jetzt in die Menschenmasse in die Stadt fährt, womöglich noch mit Bus und Bahn, wo es stickig ist. Dann bleiben die lieber zu Hause auf der Couch und bestellen online.“ Der Geschäftsmann schätzt, dass er seit der 2G-Regelung im Einzelhandel 40 Prozent weniger Umsatz macht.

Die Regelung an sich kritisiert er aus finanziellen, nicht aber aus moralischen Gründen: „Ich finde es nicht richtig, dass dieser Impfdruck auf dem Rücken des Einzelhandels ausgeübt wird – zumal das Infektionsgeschehen ja wohl nicht im Einzelhandel stattfindet. Wir müssen darunter leiden, dass sich nicht einfach alle impfen lassen.“

Mittwochabend bei Wohnart City: kein einziger Kunde. Foto: Ristau/Tonight News

„Malut Outlet“ in Köln macht über 50 Prozent weniger Umsatz seit 2G

Auch „Malut Outlet“-Verkäuferin Marianna A. schlägt Alarm: „Unser Weihnachtsgeschäft war so schlecht wie noch nie. Wir haben hier seit der 2G-Regelung weit über die Hälfte weniger Umsatz als vorher.“ In der Corona-Maßnahme sehe die Angestellte zudem überhaupt keinen Sinn: „Das ist doch total unlogisch. Die Geimpften können das doch hier genauso verbreiten. Man weiß doch inzwischen, dass sich auch Geimpfte und Genesene anstecken und das Virus andauernd weitergeben. Diese Regelung ist einfach nur Diskriminierung und Schikane gegen die Ungeimpften und ein Impfzwang durch die Hintertür.“ Die Verkäuferin auf der Ehrenstraße weiter: „Wenn man hier wirklich Menschen schützen wollen würde, müsste man 3Gplus machen. Das heißt, alle müssten sich testen, egal ob geimpft, genesen oder ungeimpft.“

Ein paar Meter weiter auf der Apostelnstraße ist die Stimmung besser. Lanius-Verfäuferin Samura N.: „Wir haben genauso viel Kundschaft wie vorher. Das Weihnachtsgeschäft lief auch gut. Kann ich nicht anders sagen.“

Samura N. zeigt ein Oberteil aus Hanffasern. Foto: Ristau/Tonight News

Auch die Eigentümerin des „Tee-Tempels“ nebenan beklagt sich nicht, obwohl seit der 2G-Regel gefühlt weniger Menschen in der Stadt unterwegs seien. Urnaa Freiburg, die mit ihrem Tee-Laden nicht von den 2G-Regeln betroffen ist: „Mein Weihnachtsgeschäft war wie immer gut. Im Moment ist es ruhiger, aber das ist im Januar normal. Die Leute müssen jetzt sparen.“

Die sympathische Mongolin Urnaa Freiburg freut sich über ein gutes Weihnachtsgeschäft. Foto: Ristau/Tonight News

Kölner Boutique „Prego“ hätte gerne 2G-Bändchen

In der italienischen Nobel-Boutique „Prego“ war das Weihnachtsgeschäft „schwierig“ und „kein Vergleich zum Vorjahr“, erklärt Verkäuferin Alex I. Dennoch freue sie sich über die 2G-Regelung: „Ich finde es toll, dass weniger Menschen auf einmal herein stürmen, weil sie ja am Eingang durch die QR-Code-Kontrolle ausgebremst werden. Das ist sehr angenehm.“ Ihre Kollegin Christin K. findet lediglich die Kontrollen lästig und beklagt: „Ich finde es total blöd, dass die Stadt Köln es nicht hingekriegt hat, diese Bändchen zu organisieren, die es zum Beispiel in Düsseldorf gibt.“

Christin K. freut sich über die 2G-Regel, hätte aber gerne eine Kennzeichnung der Kunden durch Armbänder. Foto: Ristau/Tonight News

Thorsten Modrau, Inhaber des Schuhgeschäfts Desperado, ebenfalls Apostelnstraße, ist ganz zufrieden mit seinem Weihnachtsgeschäft – trotz 2G. Der Geschäftsmann: „Ich bin einfach froh, dass es keinen Lockdown gab. Damit hatte ich ehrlich gesagt schon gerechnet.“ An seine ungeimpften Kunden aus Vor-Pandemie-Zeiten hat er noch eine ganz persönliche Message im Gepäck: „Corona-Leugner will ich hier sowieso nicht haben!“

Thorsten Modrau möchte keine Ungeimpften in seinem Laden haben. Foto: Ristau/Tonight News

In der „Garderobe“ in Ehrenfeld laufen die Geschäfte seit der 2G-Regelung zunehmend schleppend. Thekla S.: „Nach einem Monat 2G muss ich sagen, es ist deutlich weniger geworden. Auch mein Weihnachtsgeschäft lief eher schlecht.“ Und: In der Boutique auf der Körnerstraße fehlen nicht nur die ungeimpften Kunden, die den Laden nicht mehr betreten dürfen. „Viele Geimpfte gucken nur durchs Schaufenster, haben dann aber keine Lust, ihr Smartphone und ihren Ausweis heraus zu kramen und gehen lieber weiter“, so S. Überraschend: Die Geschäftsfrau findet die 2G-Regelung trotzdem gut. „So kann man den Druck auf die Ungeimpften noch mehr erhöhen.“

 

Thekla-Schaaf

Thekla Schaaf ist selbst geimpft. Foto: Schaaf

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