„Das bedeutet das Aus“: Kasalla mit trauriger Prognose

Die Kölschrockband Kasalla blickt nicht wirklich zuversichtlich in die Zukunft. Laut den Musikern haben Künstler es derzeit besonders schwer.
Band aus Köln: Kasalla
Seit Jahren zählen sie zu den beliebtesten Bands aus Köln: Kasalla. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
Band aus Köln: Kasalla
Seit Jahren zählen sie zu den beliebtesten Bands aus Köln: Kasalla. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Nach zwei Jahren Konzertabstinenz dank Corona feierten Kasalla im Juni 2022 ihren zehnten Geburtstag im RheinEnergie-Stadion nach. Das Konzert gilt als Peak der Karriere der Kölschrockband („Stadt met K“). Doch so steil es nach der Pandemie bergauf ging, so steil ging es auch wieder bergab. Denn nur kurze Zeit später mussten Kasalla ihre Tour absagen. Der Grund: Es wurden zu wenig Tickets verkauft. Dabei dürften die Kölner eigentlich genug Fans haben. Gerade performten sie noch beim Parookaville, wo ihr Auftritt wegen des viel zu großen Andrangs vor der Bühne gecancelt werden musste.

Wieso kaufen die Fans dann keine Konzertkarten? Frontmann Bastian Campmann hat eine Idee: „Es ist ein Konglomerat aus Gründen. Zum einen ist Corona noch nicht vorbei, so gerne wir das auch alle hätten. Und ich glaube, dass es noch immer einen gewissen Anteil an Menschen gibt, die vorsichtig sind, was Indoorveranstaltungen im Herbst angeht.“ Der Sänger und Bandgründer gegenüber „RND“ weiter: „Zweitens ist das Geld aktuell weniger wert. Die Leute fragen sich: Wie hoch wird meine Gasrechnung? Worauf kann ich verzichten? Auch das ist Fakt. Und drittens sind einfach die Kühlschränke noch vollgepinnt mit alten Konzerttickets und Einladungen für verschobene Hochzeiten und runde Geburtstage. All das spielt eine Rolle.“

Inflation, Corona und Co.: Kasalla und andere Bands in der Krise

Auch wenn Inflation und Co. Geschichte sind, glaubt der Sänger, dass Menschen weniger Geld für Konzerte ausgeben als vor Corona. Campmann: „Ich denke, das Sozialverhalten vieler Menschen hat sich durch das Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-sein dauerhaft und permanent verändert. Das betrifft eine ganze Generation, und es erinnert mich an meine Großmutter, die den Krieg erlebt hat und sich die Butter auch viele Jahrzehnte später noch immer daumendick aufs Brot geschmiert hat – von Zeiten der Not geprägt. Diese Jahre haben sie verändert. Und ich fürchte, so ähnlich ist es im Hinblick auf Kultur auch. Damit müssen wir als Kulturschaffende rechnen.“

Mit den schleppenden Ticketverkäufen ist die Band überraschend offen umgegangen. Andere Bands, so Campmann, würden ihre Tourabsage mit „produktionstechnischen Gründen“ rechtfertigen. Campmann zum RND: „Das ist geschönter Branchensprech für leere Säle. Wir haben auch lange diskutiert, ob wir den Grund klar kommunizieren. Denn wir hatten Angst, es könnte nach außen so wirken, als würde uns keiner mehr sehen wollen. Aber wir versuchen immer ehrlich zu sein und die Situation so zu beschreiben, wie sie ist. Außerdem kommen wir direkt aus einem vollen Stadionkonzert, mussten unser Konzert gerade beim „Parookaville“-Festival wegen Überfüllung abbrechen und haben ein Album in den Top Ten.“

Vorm dritten Corona-Winter hat der Sänger Angst: „Das bedeutet das Aus für viele, viele Künstlerinnen und Künstler, aber auch für Kulturstätten. Ich fürchte, der dritte Corona-Winter wird noch schlimmer als die ersten beiden. Im ersten Winter waren wir in Schockstarre, aber viele hatten noch etwas Speck um die Hüften und konnten von Rücklagen leben. Im zweiten Winter halfen die Förderprogramme. Jetzt steht der Kaiser nackt da.“