„Wollen niemanden ausgrenzen“: Corona-Revolution in Kölner Kult-Lokal

Während die Gesellschaftsspaltung durch die Corona-Pandemie in vollem Gange ist, beschäftigt sich das Kölner Südstadt-Lokal "Bagatelle" lieber mit der Versöhnung zwischen Kölnern und Düsseldorfern und schenkt jetzt Altbier aus. Rheinland-Mentalität wie sie im Buche steht.
Altbier
Gäste stoßen an einem Tisch im Außenbereich eines Düsseldorfer Lokals mit Altbier an. Foto: David Young/dpa

Corona spaltet die Gesellschaft. Das Lokal „Bagatelle“ in der Kölner Südstadt möchte dem entgegenwirken – und erweitert seine Produktpalette um ein in der Domstadt eigentlich verpöntes Getränk.

„Wir möchten auch diesen (…) Schlag Mensch nicht länger ausgrenzen“, heißt es in einem Post des Kultlokals „Bagatelle“ in der Kölner Südstadt auf Facebook. Das sind ja ganz neue Töne. Wer ist mit „diesem Schlag Mensch“ gemeint? Etwa Ungeimpfte? Nein! Es sind Düsseldorfer und Altbier-Fans, die in der „Bagatelle“ ab jetzt willkommen sind. Doch wie kommen die Betreiber des Lokals plötzlich auf den Sinneswandel – wo Kauf und Konsum von Altbier in Köln schon immer als absolutes No-Go gelten?

Daniel Rabe klärt Tonight News auf: „Meine Frau und ich waren in Düsseldorf unterwegs, das darf man in Köln gar nicht sagen, aber wir waren auf der Ratinger Straße in mehreren Brauhäusern und fanden die Kneipenkultur und die Atmosphäre dort sehr schön. Wir sind dann später sogar noch einmal dahin gefahren.“ Der Verkauf von Altbier sei in Köln auf ein Minimum zurückgegangen, erklärt der kölsche Wirt und findet das „sehr schade“. Tatsache: Lediglich die Brauerei Hellers bietet in Köln noch Altbier an – neben der „Bagatelle“, die Alt-Fans ab sofort mit dem dunklen Gerstensaft der Marke „Schlösser“ lockt.

Weiter heißt es in dem Post bedeutungsschwanger: „Wir müssen aufeinander zugehen und alten Ballast an Streit, Missgunst und Vorurteile überwinden.“ Denkanstoß für die aktuelle Gesellschaftsspaltung oder banale Köln-gegen-Düsseldorf-Leier? Leider Letzteres. Der Gastronom ergänzt, was doch eigentlich selbstverständlich sein sollte: „Wir haben uns auch für Flüchtlinge eingesetzt, weil bei uns jeder willkommen ist, egal welche Hautfarbe.“ Und: „Sogar“ Personen jedweder sexuellen Orientierung oder Konfession seien in der „Bagatelle“ gern gesehen. Wow – Respekt für so viel „Toleranz“!

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