2G in Köln: „Fühle mich wie KVB-Kontrolleur“ – so geht es Ehrenfelder Einzelhändlern

Seit dem 4. Dezember gilt auch in Köln 2G im Einzelhandel. Ausgenommen sind nur Geschäfte des täglichen Gebrauchs. Wie geht es Ladenbetreibern damit?
Isabell-Internicola
Isabell Internicola betreibt „Kitsch Deluxe“ seit 2004. Foto: Ristau

Nach dem Corona-Gipfel in Berlin und der neuen Schutzverordnung des Landes NRW mussten auch die Kölner Einzelhändler ihre Türen für Ungeimpfte schließen. Seit Samstag (4. Dezember) gilt: „Nicht Immunisierte“ müssen draußen bleiben, dürfen auch nicht mehr mit einem Testnachweis shoppen gehen – und das mitten in der Vorweihnachtszeit! Verhagelt die Neuregelung Ladenbetreibern das Adventsgeschäft? Tonight News hat sich in Ehrenfeld umgehört.

2G-Shoppen in Köln: So läuft es bei „La Griserie“ auf der Körnerstraße

Während Großkonzerne wie Ernsting’s Family Klage gegen die 2G-Regelung einreichen und laut eigenen Angaben 30 Prozent weniger Umsatz machen, scheint die Ausgrenzung der Ungeimpften die Einnahmen einiger kleiner Läden nicht zu beeinflussen. Franziska Gebel, die „La Griserie“ auf der Körnerstraße 32 in Ehrenfeld betreibt, kann sich nicht beschweren: „Am Samstag war es noch rappelvoll. Die Kunden haben mir am Eingang alle freiwillig brav ihren Impfnachweis gezeigt.“ Lediglich ein kleiner Mehraufwand komme für die Unternehmerin hinzu. „Klar, ich muss jetzt jeden am Eingang kontrollieren. Das reißt einen natürlich immer ein bisschen aus dem Verkaufsmodus heraus.“

Franziska Gebel von „La Griserie“ hat kein Problem mit 2G im Einzelhandel. Foto: Ristau

2G-Shoppen in Köln: So läuft es bei „Mori Cologne“ auf der Körnerstraße

Auch bei Schmuck-Designerin Gülten Mori laufe das Geschäft nach wie vor gut. „Ich habe meine Stammkunden, die regelmäßig kommen und die sind alle vernünftig und geimpft“, sagt sie. Einbußen gebe es bis jetzt nicht. Mori weiter: „So viel kann ich dazu aber auch noch nicht sagen, da ich bis jetzt nur den Samstag bewerten kann.“ Denn „Mori Cologne“ ist nur von Mittwoch bis Samstag geöffnet. Für Montag und Dienstag liegen daher gar keine Vergleichswerte vor.

Gülten Mori

Gülten Mori von „Mori Cologne“. Foto: Ristau

2G-Shoppen in Köln: So läuft es bei „Kitsch Deluxe“ auf der Körnerstraße

Bei „Kitsch Deluxe“ gehe es hingegen seit der ganzen Pandemie-Periode eher bergab. Isabell Internicola (im Foto oben), die den Second-Hand-Shop seit 2004 erfolgreich betreibt, ist trotzdem dankbar: „Letztes Jahr hatten wir bei einer Inzidenz von 100 einen Lockdown. Jetzt haben wir eine Inzidenz von 400 und dürfen immerhin noch öffnen. Dafür muss man ja leider heutzutage schon dankbar sein.“ Seit der 2G-Regel sei es bei ihr noch ruhiger geworden. „Klar, die ganze Pandemie über ist es ruhiger“, sagt sie, „aber jetzt erleben wir eine so ruhige Vorweihnachtszeit, wie es sie noch nie gegeben hat.“ Zwischendurch habe sie sogar Leute abweisen müssen, die keinen 2G-Nachweis hatten, von der Regel noch gar nichts wussten. „Das tut natürlich weh“, so die Unternehmerin.

 

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2G-Shoppen in Köln: So läuft es bei „Die Garderobe“ auf der Körnerstraße

Thekla Schaaf von der „Garderobe“ hat noch keine Vergleichswerte, beklagt sich allerdings über den insgesamt rückgängigen Umsatz während der Pandemie: „Die Leute kaufen generell mehr online. Ich kann nur an die Kölner appellieren, uns mehr zu unterstützen.“ In der 2G-Regelung sieht die Kölnerin, die selbst geimpft ist, wenig Sinn: „Die Geimpften und Genesenen können das Virus genauso übertragen und treffen sich dann nachmittags mit Ungeimpften zum Kaffee. Das ist eigentlich reine Schikane und Willkür gegen die Ungeimpften. Das ist doch ganz klar.“

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Thekla Schaaf betreibt „Die Garderobe“ in Ehrenfeld. Foto: Schaaf

Außerdem fühle die Boutique-Betreiberin sich in der kontrollierenden Rolle nicht ganz wohl: „Ich sehe mich als Ladenbetreiberin eigentlich nicht in der Position, meine Kunden auf ihren Gesundheitsstatus zu kontrollieren. Es wäre schön, wenn das Ordnungsamt das übernehmen könnte. Ich fühle mich dabei wie ein KVB-Kontrolleur“, so Schaaf.

Garderobe

„Die Garderobe“ auf der Körnerstraße. Foto: Ristau

Dazu komme der erhebliche Mehraufwand durch die Kontrollen: „Wenn der Laden denn mal voll werden sollte, etwa an einem Samstag, dann muss ich eigentlich eine zweite Kraft engagieren, die mir dann bei den Kontrollen hilft. Das ist alleine dann nicht mehr zu schaffen. Aber das kann ich mir aufgrund der Einbußen durch die Corona-Pandemie wiederum nicht leisten.“ Bleibt zu hoffen, dass sich das 2G-Dilemma zeitnah auflöst.

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