Foto: Daniel Hecht
Foto: Daniel Hecht

Das ist neu: Erstmals soll die Gamescom nicht nur mit einem politischen Diskurs eröffnet werden, sondern auch mit waschechten Games-Weltpremieren.

Als politisch wenig interessierter Gamer von Welt schaut man gerne „nur mal schnell“ über die jährlichen „Gamescom“-Pressemitteilungen hinüber, überliest dabei mehr als die Hälfte, und gähnt sich bei der anderen Hälfte müde ins Fäustchen. Mit dem gewaltigen Wachstum der Messe über die letzten Jahre, wurde das Thema „Videospiele“ halt nicht nur immer populärer, sondern geriet auch immer weiter in die Klauen von geldgeilen Manager-Typen, ahnungslosen Politikern, welche das Thema gerne zum schnellen Wahlkampf nutzten, und jeder Menge Leute mit akuter Profilierungsneurose.

Einen großen Haufen dieser Leute trifft man gerne bei der Eröffnungszeremonie der Gamescom. Jetzt wo Videospiele den großen Reibach machen und praktisch jeder Deutsche in irgendeiner Form „spielt“ –  und sei das Thema noch so weit weg vom klassischen Videospiel (Online-Poker, Sportwette) – gehören Games halt auch auf die To-Do-Liste der Politiker.

Im Falle der diesjährigen Gamescom sind das: Dorothee Bär von der CSU, Staatsministerin für Digitalisierung, und Armin Laschet von der CDU, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Laschet hatte sich bereits im Mai auf dem ersten „Games Gipfel“ im Landeshaus in Düsseldorf für das Medium und seine Vorzüge stark gemacht.

Weltpremieren auf der Gamescom?

Wer nicht richtig aufpasst, hätte es fast überlesen: Ja,  die letzte Pressemitteilung des „game“ (Verband der deutschen Games-Branche) spricht tatsächlich von Weltpremieren zur Eröffnung der Gamescom 2018.

Nach dem Sterben der großen Pressekonferenzen von Sony und Microsoft, ist die Gamescom in den letzten Jahren meist eher ein Ort zum „Spielen“, als zum „Vorstellen“ gewesen. Im Schatten der großen Ankündigungen der E3 in Los Angeles, halten sich die meisten Publisher für den Auftritt in Köln meist noch ein „kleines“ Leckerli für die Fans zurück, wirkliche „OMG!“-Momente liegen hier aber bereits etliche Jahre zurück.

Jetzt ist natürlich die Frage: Wovon reden die? Unsere Antwort: Wir wissen es nicht. Klar, wir könnten jetzt etliche Spiele aufzählen, die noch in der Gerüchteküche vor sich her köcheln. Prominenteste Beispiele hierfür sind ein neues Splinter Cell von Ubisoft, die heiß erwarteten Nintendo-Titel „Metroid Prime 4“ und „Bayonetta 3“, das von Square Enix bereits 2017 genannte „The Avengers Project“…

Kurz: Es könnte alles sein, oder nichts. Was es garantiert nicht sein wird ist Mortal Kombat 11.

Die wichtigsten Infos zur Gamescom

Das Gamescom-Motto 2018: „Vielfalt gewinnt“

Das Leitthema lautet in diesem Jahr „Vielfalt gewinnt“ und stellt die große Vielfalt und Vielseitigkeit von Games als Unterhaltungsmedium, Kulturgut und wichtigem Türöffner zur Digitalisierung für Millionen Menschen in den Mittelpunkt.

Tatsächlich sind „Games“ so vielfältig wie nie zuvor: Ganz egal ob globaler Blockbuster (gerne auch „Triple A“ oder „Tribble Ääääj“ genannt) oder überraschender „Indie“-Titel, ob ein Smartphone-Spiel für zwischendurch oder aufwendige Spiele-Welten in der virtuellen Realität, die Bandbreite lässt selbst alte Spiele-Hasen immer wieder überrascht innehalten. 

Da ist die Frage nicht mehr „wer soll das alles spielen?“, als vielmehr „wer spielt eigentlich was?“. Der BIU, kurz für „Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware“, kam bereits im Mai mit neuen Zahlen um die Ecke, welche uns staunen ließen: Insgesamt sollen 34,1 Millionen Menschen allein in Deutschland „spielen“ – darunter fallen sowohl die Hardcore-Zocker an der PlayStation 4, als auch die Gelegenheitszocker am Handy.

Noch überraschender ist der Fakt, dass das Durchschnittsalter mittlerweile so weit gestiegen ist, dass man wirklich nicht mehr von einem Jugend-Phänomen reden kann: Der deutsche Gamer ist durchschnittlich 35,5 Jahre alt, die Tendenz steigend. Die Generation „50 Plus“, also die Jungs und Mädels, für die es bereits kaum noch eigene Motto-Partys gibt, kommt auf einen Anteil von 25 Prozent an der Gesamtmenge, will heißen: Jeder vierte Gamer hat die 60er Jahre mitbekommen, oder wurde mindestens im Jahr 1968 geboren – das Jahr, indem die Apollo 8 Rakete gen Mond startete und der ASCII Zeichensatz eingeführt wurde.

Ebenfalls überraschend ist der Anteil an Frauen: Mittlerweile stellen die Mädels die Hälfte der Spielerschaft. In Sachen Spiele-Entwicklung ist es leider noch anders: Keine einzige Frau findet sich in einer Führungsposition in einem Gaming-Unternehmen in Deutschland. 

Partnerland der Gamescom 2018 ist Spanien

„Deja que comience el juego“ – Lasset die Spiele beginnen! In diesem Jahr bekleidet Spanien die Rolle des Partnerlands der Gamescom, der Gemeinschaftsstand im Fachbesucherbereich umfasst 120 Quadratmeter.

Neu hingegen ist, dass sich das Partnerland auch in der „Entertainment Area“, also den frei zugänglichen Hallen präsentiert: In Halle 10.1 könnt ihr euch alle ein Bild von der spanischen Gastfreundschaft und deren Spielen machen. 

Fun Fact: Mit einem erwarteten Umsatz von 1,7 Milliarden Euro für das aktuelle Jahr folgt Spanien auf dem vierten Platz hinter Deutschland, Großbritannien und Frankreich. 

In Sachen Studios anwesend sind Altered Matter, Badland Games Publishing, Blade, Estudio Ábrego, Gammera Nest, Gato Salvaje Studio, Herobeat Studios, Localsoft, Plastic SCM, Playcom, PlayGiga, Playstark Games, Raiser Games, Sila Games, Stage Clear Studios und Therion Games. 

Insgesamt erwarten euch in der Business Area übrigens 28 Pavillons aus 25 Ländern.