Foto: Mooneye Studios
Foto: Mooneye Studios

Von Marco Mainz

Das Transparent hängt provisorisch und schief zwischen zwei Fahnenstangen. Der Boden ist ausgelegt mit lockerem Teppich. Dazu zwei flauschige Sitzsäcke, eine Zimmerpflanze und voilà: ein Messestand! Die Hamburger Entwickler „Mooneye Studios“ verzichten auf einen pompösen Messeauftritt und kreieren auf der Gamescom gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Wir haben sie in Halle 10 besucht und durften ihr Vorzeigeprojekt “Lost Ember” anspielen – den Gewinner des diesjährigen Gamescom Indie Awards!

Dass in Videospielen mehr als nur geballert werden kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Großartige Titel wie “Gone Home”, “The Journey” oder “Flower” kommen gänzlich ohne Gewalt aus und legen Wert auf das Entdecken und Interagieren mit der Umwelt. So auch das deutsche Abenteuer “Lost Ember”. In dem Titel, der bereits seit 2014 in Entwicklung ist, steuern wir als Spieler unterschiedliche Tiere, um Hindernisse zu überwinden und unser noch unbekanntes Ziel zu erreichen.

Der mit dem Wolf tanzt

Das preisträchtige Werk spielt in einer Welt ohne Menschen. Ob unsere Kultur der Zweibeiner ausgestorben ist, oder es sich in Lost Ember um eine reine Fantasywelt handelt, bleibt vorerst unbeantwortet. In unserer Demo-Session beginnen wir in Gestalt eines Wolfes, den wir aus der Third-Person-Perspektive steuern. Wir haben die besondere Gabe in die Körper anderer Lebewesen zu schlüpfen, was es uns möglich macht an die unterschiedlichsten Orte zu kommen.

Wenn wir also vor einer engen Felsöffnungen stehen, durch die wir als Wolf nicht durchpassen, dann wechseln wir fix in die Haut eines knuddeligen Wombats und bahnen uns so unseren Weg. Ob nun Unterwasser oder in der Luft: Überall gibt es tierische Genossen, durch deren Fähigkeiten wir die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven entdecken können. Stets geführt von einer Stimme aus dem Off, die uns den Weg in Gestalt eines funkelnden Lichts zeigt.

Ist das noch Indie?

Am Messestand konnten wir mit Produzentin Sinikka Compart sprechen. Sie ist seit einem Jahr an Bord und unterstützt die vier Entwickler und Gründer in Sachen PR. Sie bezeichnet sich selbst als Indiespiel-Liebhaberin. Auf dem Indie-Arena-Booth wollte das Team aber bewusst nicht stehen: “Wir glauben, dass wir mit einem eigenen Stand auch Leute erreichen können, die nicht nur auf Indies fixiert sind”, erzählt sie. Dass sich ihr Stand ausgerechnet gegenüber des Indie-Arena-Booth befindet, sei aber nur glücklicher Zufall.

Doch ist „Lost Ember“ überhaupt noch ein Indieprojekt? Immerhin, allein über Kickstarter wurden dem fünfköpfigen Team rund 325.000 Euro gespendet, womit es nach Everspace (420.000 €) das zweiterfolgreichste deutsche Gamingprojekt aller Zeiten wurde. Verglichen mit den monetären Möglichkeiten einiger Hobbytüftler auf dem Indiebooth sind das Welten.

Und dennoch, oder gerade deshalb, halten die Hamburger am Self-Publishing fest: “Nur so können wir unsere künstlerische Freiheit behalten. Wir haben auch von Anfang an gesagt, dass man mit den Tieren nicht kämpfen kann. Die Spieler sollen in die Welt eintauchen und es genießen”, sagt Sinnika.

Diese Einstellung und mehrere Jahre Entwicklung wurden am Gamescom-Samstag mit dem begehrten “Indie Award” belohnt. Die Kickstarterkampagne ist bereits vorbei. Wer das Studio weiterhin bei ihrem Projekt unterstützen möchte, kann dies über die offizielle Webseite www.lostember.com tun.

Das finale Spiel soll dann im Herbst 2019 für PC, PS4 und Xbox One erscheinen. Hier der Link zur Steam-Seite.