Cloud statt Konsole: Google Stadia im Test
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Zocken ohne Konsole und auf jedem verfügbaren Bildschirm: Mit seinem neuen Spiele-Streamingdienst Stadia schürt der US-Technologiekonzern Google hohe Erwartungen in der Gamerszene. Doch was steckt eigentlich hinter dem Dienst und welche Kosten kommen auf die Zocker zu? Wir haben die Antworten für euch.

Statt teure Hardware zu Hause zu haben, streamen Spieler nur noch das Videobild auf TV, PC oder Smartphone: Das ist das Prinzip von Googles Cloud-Gaming-Dienst Stadia. Am Dienstag ist das Angebot in 14 Ländern in Europa und Nordamerika zu haben, dann gibt es auch das Abo „Stadia pro“ für 9,99 Euro im Monat. Ein kostenloses Angebot soll 2020 hinzukommen – dann allerdings mit Abstrichen bei Qualität und Technik.

Das Abo enthält einige wenige kostenlose Spiele und den Zugang zu allen anderen kostenpflichtigen Angeboten. Am Anfang bietet Stadia 22 Titel an, darunter Assassin’s Creed Odyssey, Red Dead Redemption 2 und Tomb Raider, bis zum Jahresende sollen es rund 30 Spiele sein. Auch eigene Produktionen sind geplant.

Aber wie läuft das Ganze eigentlich ab? Stadia kommt im weißen Pappkarton bei euch an. Also Packung auf, Controller raus, Chromecast Ultra in den Fernseher stecken, installieren, fertig? Leider nicht ganz. Denn zunächst muss man das Konto einrichten und Nutzername sowie Avatar wählen. Dann müssen Konto und Chromecast Ultra verknüpft werden, schließlich noch der Controller und der Fernseher. Aber wie?

Stadia im Test – so startet ihre die Spiele-Plattform

Ein erster Test zeigt: Erst beim zweiten Versuch findet sich in den Chromecast-Einstellungen die richtige Option. Nun erscheint auch der Anmeldecode auf dem Bildschirm. Einmal rechts, X, B, einmal links auf dem Controller drücken. Wer halbwegs technisch versiert ist, wird daran nicht verzweifeln. Es beschleicht einen aber der Gedanke: Das geht doch bei Google sonst einfacher.

Am Smartphone ist es das auch. App starten, Controller per USB-Kabel verbinden, loslegen. Ebenso am PC mit Chrome-Browser. Moment, USB? Ja, kabelloses Spielen wird jenseits von TV und Chromecast Ultra erst später möglich sein.

Und dann sind da noch drei Besonderheiten. Zwar läuft die App auf allen iPhones und Androiden. Spielen kann man aber vorerst nur auf Googles Pixel 3, 3a und 4. Und: Wer schon einen Chromecast Ultra hat, kann damit bis zu einem Software-Update noch nicht Stadia empfangen. Das können nur die in der Vorbesteller-Edition („Founders Edition“) mitgelieferten Geräte.

Im Online-Shop gibt es dann zum Start die bereits erwähnten 22 Titel. Im Vergleich zu den gut gefüllten Spiele-Bibliotheken von Sony, Microsoft oder Steam ist das noch etwas dürftig, aber Stadia steht ja auch erst am Anfang. Zwischen 20 und 60 Euro kostet ein Spiel, wobei es Ermäßigungen für Nutzer mit bereits erwähntem Pro-Abonnement für knapp 10 Euro im Monat gibt. Ein Abo-Dienst für Spiele ist Stadia somit nicht. Abonnenten erhalten zwar ausgewählte Spiele ohne Zusatzkosten. Die meisten muss man aber kaufen.

Ladezeiten und Grafik können sich sehen lassen – auch in 4K

Aber genug mit Einrichtung und Shop gehadert, ab zu den Spielen. Und hier klotzt Stadia mächtig rein. Ein etliche Gigabyte großer Titel wie „Red Dead Redemption“ ist sofort spielbar. Stadia heißt hier: kaufen und loslegen.

Auch Ladezeiten und Grafik können sich sehen lassen. Die Wüstenweiten von „Red Dead Redemption 2“ wirken auf dem Wohnzimmer-TV fantastisch, Lara Crofts tempogeladene Hüpfpartie durch den Dschungel Perus in „Shadow of the Tomb Raider“ läuft extrem flüssig in 4K-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel). Kleine Bildstörungen gibt es nur selten.

Damit das klappt, ist natürlich ein guter Internetanschluss ab mindestens 50-Megabit pro Sekunde nötig. Es muss allerdings auch nicht zwangsläufig 4K sein. Für Streams in HD-Auflösung (1280 zu 720 Pixel) oder Full HD (1920 zu 1080 Pixel) reichen schon 10 und 20 Megabit pro Sekunde. Ob die Verbindung gut genug ist, ermittelt Googles Geschwindigkeitstest, den ihr hier findet.

Neben den Spielen soll Stadia auch noch alles erhalten, was Spieledienste heutzutage ausmacht. Also Freundeslisten, Verdienste, Streaming und Co. Auch Dienste wie Discord sollen sich einbetten lassen. Ein Familienmodus soll dann 2020 folgen, ähnliches gilt für Stream Connect oder Crowd Play. Dabei können sich im aktuellen Spiel Streams von Freunden anzeigen lassen, oder man springt per Knopfdruck aus dem Spiel eines Streamers direkt ins Spiel.

Offen ist zudem noch die Cross-Plattform-Frage: Können Stadia-Spieler eines Tages mit ihren Playstationfreunden spielen oder Titel auf Playstation und Stadia spielen? Man arbeite dran, erklärten die Entwickler jüngst in einer Fragerunde auf der Plattform „Reddit“. Zu tun, gibt es also noch genug.

Quelle: dpa/AFP