Jahr für Jahr sehnen sich die Fans der FIFA-Reihe den neuen Teil herbei, in der Hoffnung, dass EA Sports aus den Fehlern der vergangenen Versionen gelernt hat und ein abwechslungsreiches und realistisches Spiel auf den Markt bringt. Doch auch in diesem Jahr wurden die Zocker wieder enttäuscht. Wir analysieren die Fehler:

Release:

Dass der neue FIFA-Teil Jahr für Jahr vor dem ursprünglichen Release beim Händler seines Vertrauens erhältlich ist, ist alles andere als unüblich. Bei FIFA 19 hatte aber der Großteil der Community das Spiel schon einige Tage vor dem offiziellen Start in den Händen – ein Schlag ins Gesicht für jeden Vorbesteller, der sich diesen Bonus für 20 beziehungsweise 30 Euro gesichert hat. Zudem berichteten einige frustierte Zocker, dass sie die vorbestellte „Champions Edition“ nicht starten können.

Gameplay:

Maßgeblich für die Beurteilung von FIFA ist das Gameplay, das im neuesten Teil noch viele Probleme aufweist. Gerade in der Geschwindigkeit, dem wichtigsten Kriterium eines Spielers auf dem virtuellen Rasen, lassen sich kaum mehr Unterschiede feststellen. In diesem Video beweist Twitter User @RobTGF_, dass der langsamste Spieler des Spiels, Aaron Hughes, ein 38-jähriger Innenverteidiger aus Nordirland, mit einem Pace-Wert von 24, beinahe mit Jungstar Kylian Mbappe mit einem Wert von 96 mithalten kann:

Diese Tempounterschiede sind leider alles andere als realistisch und mindern maßgeblich den Spielspaß. Hat man einen Spieler freigespielt, wird dieser in der Regel schnell eingeholt, sodass man wieder abkippen und neu aufbauen muss, was sich auch auf das geringe Tempo im Spielgeschehen auswirkt. Spielzüge wirken langsam, die Akteure oft träge, was es schwierig macht, sich Chancen herauszuspielen. Steht der Gegner kompakt in der Verteidigung, bleibt dem Spieler oft nur der Quer- und Rückpass, gerade weil Tempo der entscheidende Faktor in direkten Duellen ist.

Gewöhnungsbedürftig sagen die einen, verbesserungswürdig die Anderen. Fakt ist: Am Passspiel hat EA noch zu tun. Steilpässe bleiben oft liegen, erreichen häufig alles, nur nicht den gewünschten Mitspieler und wenn, hapert es zumeist an einer Ballannahme, die man sogar in der Kreisliga tadeln würde. Ganz absurd wird es aber, wenn die Spieler ihre Pässe mit Fallrückziehern und Seitfallziehern ansetzen, die auch gefühlt nach jeder zweiten Flanke für den Torabschluss benutzt werden.

Der Abschluss im neuesten Fifa-Teil ist neben den fehlenden Tempounterschieden die größte Schwäche im Gameplay. Auch Stürmer mit einem hohen Abschluss-Wert leisten sich zum Teil katastrophale Abschlüsse, die nicht selten das Ziel um einige Meter verfehlen. Besonders wütend machen vor allem Schüsse mit dem Innenrist, gerade wenn man bei einem Distanzschuss in aussichtsreicher Position eine Rakete loslassen will, dann aber doch wieder ein geschaufelter Ball in die Arme des gegnerischen Torwarts herausspringt.

Frustrierend wird es auch aufgrund kleinlicher Spielführung des Unparteiischen. Zunächst schien es so, als würden die Schiedsrichter im Vergleich zu FIFA 18 vieles durchgehen lassen, nach mehreren Tagen muss man aber festhalten, dass EA weitere Schiedsrichter eingeführt hat, die dem fast schon legendären Matthew Mzizi ähneln. Für Rempler, kleinste Vergehen und eigentlich normale Zweikämpfe wird Freistoß gepfiffen, häufig garniert mit einer Verwarnung, die natürlich auch selten allein kommt.

Taktiken:

Grundsätzlich sind die neuen Taktiken, die EA bei FIFA 19 eingeführt hat, als gut und innovativ zu bewerten. Allerdings drücken diese im 1 vs. 1 gegen Freunde mächtig den Spielspaß. Gerade in Online-Freundschaftsspielen bleiben den Spielern nur 60 Sekunden, um das Team zu managen – zu wenig, um für jede Mentalität eine eigene Aufstellung zu finden. Wechselt man im Spiel dann von „Ausgeglichen“ auf „Defensiv“ ändert sich die Aufstellung wieder zur Standard-Taktik und Spieler nehmen völlig andere Positionen ein, sodass man erneut ins Team-Management muss, um seine Mannschaft an die neue Ausrichtung anzupassen.

Fazit:

Für mächtig Frust hat EA Sports bei der Community im Gameplay gesorgt, doch auch abseits des Platzes muss sich der Spielehersteller Kritik gefallen lassen. Die Grafik wurde im Gegensatz zu FIFA 18 überhaupt nicht verbessert, im Karrieremodus sind keinerlei Neuerungen zu finden und auch in EA’s Cashcow, dem Ultimate Team, sind Dinge wie die eher biedere Pack-Animation zu kritisieren. Ein erster Patch, der ironischerweise nur die Bugs beheben soll, wurde für PC angekündigt und wird wohl auch bald für die Konsolen folgen, doch fragen muss man sich schon, warum die Kritikpunkte im Gameplay nicht schon vorher korrigiert wurden – genug Zeit war ja vorhanden. Allzu viel Zeit bleibt EA nicht, um das Spiel wieder attraktiver für die Community zu machen. Ende Oktober erscheint mit Red Dead Redemption 2 von Rockstar das Spiel des Jahres. Die Schnittmenge beider Spiele ist groß, sodass dem Spielehersteller vor dem Weihnachtgeschäft und der lukrativsten Zeit über den Winter der Verlust vieler Zocker droht.