Foto: Toadman Interactive
Foto: Toadman Interactive

Die Dark-Souls-Reihe ist wundervoll! Das dachten sich auch die schwedischen Entwickler Toadman Interaktiv. Denn ihr erstes Spiel „Immortal: Unchained“ spielt sich wie ein Shooter-Ableger der berüchtigten Spiele-Serie.

Bevor es losgeht, erstellt ihr euch in der Charakterauswahl euren maßgeschneiderten Helden. Frisur, Tattoos, Hautfarbe – eben all das heutzutage übliche Zeugs. Darüber hinaus wählt ihr eine von sechs verfügbaren Klassen. Diese reichen vom Fährtenleser bis zum Scharfschützen. Wenn ihr fertig seid, erwacht eure Charakter mit Ketten gefesselt in einem dunklen Raum, sprengt diese und ohne Erklärung geht es los.

Spannende Handlung? Fehlanzeige!

Kaum Vorgeschichte, einfach ins kalte Wasser: Ihr merkt schnell, wie genau sich Toadman Interaktive an der Dark-Souls-Reihe von From Software orientiert hat. Leuchtende Hinweise auf dem Boden, die euch das Spiel erklären; Seelen, beziehungsweise „Bits“, die ihr nach dem Tod wieder einsammeln könnt, eine große Halle, von der aus ihr in die verschiedenen Bereiche reisen könnt und Obelisken, die als Pendant zum Lagerfeuer als Checkpoint funktionieren. Auf eurem Weg durch den „Kern“ sammelt ihr Ausrüstung und neue Waffen, frischt die Munition auf und ballert euch durch Horden von Gegnern.

Beim Kämpfen gilt allerdings Vorsicht: Gegner schalten euch mit nur wenigen Angriffen aus. Die Rambo-Methode funktioniert nicht. Stattdessen weicht ihr aus, schießt aus weiter Entfernung oder benutzt Bomben um die Feinde auszuradieren. Dabei fällt auf, so geschmeidig wie bei Dark-Souls funktioniert der Kampf nicht. Eine Wumme ist nunmal kein Schild und Schwert, das schnelle, präzise Zielen fällt schwer. Dafür gibt es zwar eine Autofokus-Taste, Kopfschüsse sind dann aber Geschichte.

Apropro Geschichte – die lässt lange auf sich warten, Spannung sucht ihr Vergebens. Die Welt steht vor der Zerstörung, euer Hauptcharakter leidet an Gedächtnisverlust und weitere Charaktere – die erst nach einiger Zeit auftauchen – sind und bleiben farblos.

Ideenlose Umgebung und eintönige Musik

Die Optik ist ein zweischneidiges Schwert. Die Charaktere und die Umgebung sehen gut aus, allerdings gibt es auch nur sehr wenig zu bestaunen. Oft lauft ihr durch dieselben dunklen Gänge, die durch zahlreiche helle Lichter auf dem Boden und an den Wänden an Science-Fiction erinnern soll. Das wirkt leider oft befremdlich, steril und ideenlos. Nach wenigen Minuten wird es sehr eintönig.

Auch die Musik hat Probleme. Zwar hört ihr kaum etwas, was ihr dann aber auf die Ohren bekommt, erinnert an Fingernägel auf einer Tafel. Immerhin gelingt es dem Spiel dadurch, eine düstere, drückende Atmosphäre zu erschaffen. Bei jedem Gang in einen neuen Raum schaut ihr ängstlich in alle Richtung, auch dank dem immer wiederkehrenden „Tafel-Soundeffekt“. Darüber hinaus sorgen die engen, kaum übersichtlichen Räume für unterbewussten Druck.

Fazit

Wie schon gesagt: Die Dark-Souls-Reihe ist wunderbar. „Immortal: Unchained“ ist es nicht. Zu uninteressant die Geschichte, zu farblos die Nebencharaktere, die ohnehin kaum eine Rolle spielen. Und mein großes Problem: das Kampfsystem. Es fühlt sich einfach nicht rund an. Eine Steuerung, die präzise Bewegungen und perfektes Timing verlangt, sollte auch präzise Bewegungen und perfektes Timing erlauben.

Die Spiele von From Software, in denen mit Schwert und Schild gekämpft wird, tun das – das Spiel von Toadman Interaktiv hingegen nicht. Zu nervös und unsauber ist die Steuerung mit der Wumme, zu schnell rasen Gegner auf euch zu, verzeihen dabei keinen Fehler. Frust ist vorprogrammiert. Was dem Spiel jedoch gelingt: Dark-Souls-Gefühl kommt auf. Dennoch: Ein bisschen kopieren ist ganz nett, aber man kann es auch übertreiben.

Unchained: Immortal bekommt von uns 52 von 100 nervigen Soundeffekten und fünf von zehn langweiligen Nebencharakteren.