Düsseldorfer Rosenmontagszug: Jüdische Gemeinde stinksauer auf CC

Erst sorgte das Düsseldorfer CC mit der Rosenmontagsplanung in Köln für Empörung. Jetzt ist auch die jüdische Gemeinde auf dem Baum.
Corona Rosenmontag Düsseldorf 7
Ein Mottowagen mit einer Bischofsfigur, die eine Mitra in Form einer Eichel eines männlichen Gliedes sowie einen Bischofsstab und einen Weihrauchkessel trägt, und dem Schriftzug „Das Kernproblem der katholischen Kirche“ fährt durch die Altstadt.
Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Comitee Düsseldorfer Karneval (CC) macht sich aktuell mehr Feinde als Freunde. Die Entscheidung, den Rosenmontagszug vom 28. Februar auf den 8. Mai 2022 zu vertagen, sorgte nicht nur bei den anderen Karnevalshochburgen Köln, Bonn und Aachen für Empörung. Auch die jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland sind auf dem Baum. Denn über die historische Bedeutung des 8. Mais hat das CC sich offensichtlich keine Gedanken gemacht.

Zur Erinnerung: Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg, bei dem 6 Millionen Juden ermordet wurden. Dass das CC ausgerechnet an diesem Datum einen Rosenmontagszug plant, stößt bei vielen Juden auf Unverständnis. „Richtig gelesen, 8. Mai – Ich kapituliere vor diesem Feingefühl und Geschichtsbewusstsein“, twitterte etwa Andrea Löw, Vize-Leiterin des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München:

Düsseldorfer Rosenmontagszug: Jüdische Gemeinde sauer wegen des Datums

Auch bei der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf selbst sorgt die Planung des CC für Fassungslosigkeit. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf Oded Horowitz etwa nannte das Vorhaben des CC „unsensibel und problematisch“, wie dei „Rheinische Post“ berichtet. Das erklärte er wie folgt: „Für diese Menschen ist es ein Tag von hoher Symbolkraft, der in ihrem Leben immer sehr ernst genommen wurde.“ Und weiter: „Aber Karneval als etwas Belustigendes, Leichtes und Profanes passt nicht zu diesem Tag, an dem auch an Millionen Kriegstote erinnert wird.“ Weiter sagte Horowitz, er würde es begrüßen, wenn der Umzug noch einmal verschoben werden könnte.

Zu den Bedenken der Juden hat sich auch das Comitee Düsseldorfer Carneval mittlerweile geäußert. Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann argumentiert mit dem Jahreskalender: „In den April wollten wir unter anderem wegen der Osterferien nicht gehen, am 1. Mai ist Tag der Arbeit, am 15. Mai die Wahl und dann startet auch das Sommerbrauchtum.“ Dass der 8. Mai von vielen mit dem Kriegsende assoziiert werde, halte er mit dem Karneval für absolut vereinbar: „Dieser Tag markiert ja das Ende von Schrecken und Leid. Und man kann es doch positiv sehen, dass dieser furchtbare Krieg endlich vorbei war.“

Düsseldorfer Rosenmontagszug: Termin wird nochmal besprochen

Auch Kult-Wagen-Bauer Jacques Tilly äußerte sich in gegenüber der „Rheinischen Post“ zum Streit um die Zoch-Verschiebung: „Angesichts von Millionen Toten kann das an sich kein Freudentag sein, auf der anderen Seite steht aber die gute Nachricht, dass ein menschenverachtender Krieg – wenn auch viel zu spät – beendet wurde.“ Über das weitere Vorgehen soll kommende Woche beraten werden.

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