2G-plus-Regel: Düsseldorfer Gastronomen schlagen Alarm

Ab Donnerstag sollen die Corona-Regeln in NRW verschärft werden: Dann gilt 2G-plus in der gesamten Gastronomie. Essen gehen können demnach nur noch Geboosterte sowie Geimpfte und Genesene mit Test. Gleiches gilt für den Bar-, Kneipen- oder Brauhausbesuch. Was sagen die Düsseldorfer Wirte zur neuen Verordnung?
Coronavirus 2G-plus-Regel in der Gastronomie
Corona-Regeln in der Gastronomie: In diesem Restaurant gilt 2G-plus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Auch nach zwei Jahren Corona-Pandemie ist kein Ende in Sicht – im Gegenteil. Die Inzidenz steigt, Düsseldorf erreicht gerade neue Höchstwerte. Und so haben Bund und Länder am Freitag eine bundesweite 2G-plus-Regel für die Gastronomie beschlossen. Die NRW-Verordnung dazu ist jetzt raus und gilt ab dem 13. Januar. Für die besonders arg gebeutelte Branche eine Katastrophe. Auch in Düsseldorf sind Frust und Existenzängste groß.

>> Verschärfte Corona-Regeln NRW: Ab Donnerstag gilt in weiten Bereichen 2G-plus <<

Für die einen ist es der Todesstoß für die Gastronomie, andere sehen in der 2G-plus-Regel einen „versteckten Lockdown“. Nach dem eher schlechten Weihnachtsgeschäft mit vielen abgesagten Feiern befürchten die Düsseldorfer Wirte jetzt noch mehr ausbleibende Kundschaft.

Kerstin Rapp-Schwan gehören fünf Lokale in Düsseldorf und Neuss. Das Restaurant am Burgplatz ist aktuell schon geschlossen, die anderen Betriebe noch geöffnet. „Ob das so bleibt, kann ich aber nicht sagen“, erklärt die Unternehmerin frustriert mit Blick auf die Verordnung. Schon in den letzten Tagen waren die Gäste verunsichert oder blieben aus. „Am Wochenende hatten wir an einem Tag allein 45 Stornierungen für das Frühstück“, erzählt die Düsseldorferin.

 

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Rapp-Schwan befürchtet, dass das erst der Anfang ist. Ungeimpfte können schon seit Dezember nicht ins Restaurant. Doch mit der Einführung der 2G-plus-Regel könnte noch mehr Kundschaft wegbleiben – das sogenannte Impulsgeschäft fällt weg. „Spontane Besuche, bei denen die Gäste mal eben ein Schnitzel essen oder einen Kaffee trinken, sind so viel weniger möglich.“

Die erfahrene Gastronomin ist in den Vorständen des Leaders Club und der FBMA (Food & Beverage Management Association) sowie seit 2020 Partnerin bei Tellerrand Consulting – der Gastro-Beratungsfirma um TV-Koch Tim Mälzer. Dieser hat gerade auf Instagram angekündigt, in Anbetracht steigender Corona-Zahlen und der bevorstehenden 2G-plus-Regel in einen dreiwöchigen Betriebsurlaub zu gehen.

2G-Plus in der Gastronomie: Branche als Druckmittel für die Impfkampagne?

Auch Rapp-Schwan gehen verschiedene Szenarien für ihre Lokale durch den Kopf. Sie denkt dabei vor allem auch an ihre Mitarbeiter – denn die brauchen Sicherheit und eine Perspektive. Genau das wünscht sich die Düsseldorferin auch von der Politik. Und eine Anpassung der Corona-Hilfen, weil die finanzielle Unterstützung insgesamt eher mangelhaft und „wenig bedarfsorientiert“ sei. Für die Unternehmerin steht fest: „Mit der neuen Regel ist der ‚Problembereich‘ Gastronomie für die Poltiker das Mittel zum Zweck. Hier sollen die Booster-Impfungen unterstützt werden.“

Ähnlich sieht es der Besitzer der Grand Pu Bar in der Witzelstraße. „Unsere Branche dient als Druckmittel, damit sich die Leute impfen lassen“, meint Daniel Kroschinsky. Der Düsseldorfer öffnet ab Mittwoch (12. Januar) sein Lokal nach der Winterpause zwar wieder, rechnet aber mit deutlich weniger Gästen durch die neue Regelung. Trotzdem freue er sich, endlich wieder hinter der Bar zu stehen und leckere Drinks zu mixen.

Dehoga NRW: 2G-plus ein Schlag ins Kontor der gesamten Branche

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW sieht die bundesweite Verschärfung auf 2G-plus kritisch, bewertet diese „als Schlag ins Kontor für der nordrhein-westfälischen Branche“. Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig: „Spontanbesuche im Restaurant, im Café oder der Pizzeria würden damit zumeist ausbleiben und das insbesondere dort, wo die Testinfrastruktur nicht ausreiche.“

 

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Großgastronom Walid El Sheikh hat gleich mehrere Betriebe in Düsseldorf. In den geöffneten Altstadt-Locations Sir Walter und Boston Bar gilt schon länger 2G-plus – und ein Tanzverbot. „Die Gäste kommen trotz der Einschränkungen gerne zu uns“, erklärt Walid El Sheikh. Und fügt hinzu: „Wirtschaftlich ist das Ganze nicht. Aber es geht auch darum, dass wir unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen.“ El Sheikh gehört außerdem das Restaurant Paradise Now im Hafen, das im Sommer 2021 die Türen öffnete. Und wie sieht es hier aus? Der Unternehmer schätzt, dass von der neuen Verordnung etwa zehn Prozent der Besucher betroffen wären und sich testen lassen müssten. „Die meisten Gäste bei uns sind aber schon geboostert.“

Paradise Now Restaurant Düsseldorf

Das Paradise Now im Düsseldorfer Hafen wurde im Sommer 2021 eröffnet. Foto: Paradise Now

Der Geschäftsmann ist trotz der Einschränkungen durch Corona zufrieden. Gleichzeitig weiß er um die schwierige Lage der Gastronomie. „Im Paradise Now haben wir viele Besucher auch aus anderen Städten und Regionen. Doch ein neu eröffnetes Restaurant ist sicherlich nicht mit einem normalen Betrieb zu vergleichen, der beispielsweise auf Laufkundschaft angewiesen ist.“ Trotzdem bleibt seine Kritik an der Politik nicht aus. Schon zweimal hatte der Gastronom gegen Corona-Verordnungen geklagt und ist sich sicher: „Was hier abläuft, ist der Tod auf Raten einer gesamten Branche!“

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Manche Restaurants haben übrigens schon vorher freiwillig auf 2G-plus umgestellt: Das Restaurant Dr. Kosch an der Roßstraße empfängt seit dem 7. Januar nur noch Gäste, die geimpft oder genesen sind und zusätzlich einen negativen Antigenschnelltest vorweisen können.

mit Agenturmaterial / dpa