Christian Drosten
Foto: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland ist er omnipräsent – Virologe Christian Drosten berät nicht nur die Bundesregierung, sondern informiert auch die Bevölkerung über die Pandemie. Nun könnte er sich aber aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Seit Ende Februar steht der Institutsdirektor der Charité in Berlin wochentags dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) zu einem Podcast zur Verfügung, um die Bevölkerung über das Coronavirus zu informieren.

Gerade in der Zeit kurz nach Ausbruch des Virus in Deutschland war der 47-Jährige zudem häufig bei öffentlichen Auftritten an der Seite von Gesundheitsminister Jens Spahn oder in Talkshows zu sehen, um die Risiken zu erläutern und zu warnen.

Virologe Christian Drosten – Deutschlands Instanz in Coronavirus-Zeiten

Doch nicht nur bei Politikern und Fernsehmachern ist Drosten gefragt: Auch die Bevölkerung hat den Virologen, der die Pandemie mit für den Laien verständlicher Sprache erklären kann, ins Herz geschlossen und hängt täglich an seinen Lippen.

Anfang März folgten ihm auch Twitter noch rund 4000 User, mittlerweile hat Drosten die Marke von 200.000 Followern geknackt – solche Entwicklungen kennt man sonst nur von A-Promis oder Social-Media-Schönheiten…

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Damit könnte aber nun Schluss sein! In einer aktuellen Ausgabe des NDR-Podcasts hat Drosten über einen möglichen Rückzug aus der Öffentlichkeit gesprochen, damit reagiert er unter anderem auf Anfeindungen.

So berichtete der 47-Jährige, dass er in einer E-Mail für den Selbstmord des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer persönlich verantwortlich gemacht worden sei. „Wenn solche Dinge passieren, dann ist das für mich schon ein Signal dafür, nicht, dass wir nah an der Grenze sind, sondern, dass wir über eine Grenze von Vernunft schon lange hinaus sind“, sagte er dazu.

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Darüber hinaus machte er auch seinem Ärger über die öffentliche Darstellung von ihm oder auch Wissenschaftskollegen Luft: „Ich bin wirklich wütend darüber, wie hier Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren. Das muss wirklich aufhören.“

Entsprechend habe Drosten bereits Schlüsse gezogen – er habe es vermieden, weitere Interviews zu geben oder Fernsehauftritte zu haben und spricht von einer „Überzeichnung“ und „Talkshows, wo absichtlich dann Leute nebeneinandergesetzt werden, von denen man erhofft, dass sie sich bekämpfen, weil sie aus unterschiedlichen Wissenschaftsfächern kommen.“

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„Ich muss wirklich sagen, ich fühle mich immer unwohler bei dieser Entwicklung“, erklärt der 47-Jährige. Sollte diese Entwicklung nicht aufhören, müsse die Wissenschaft in geordneter Weise den Rückzug antreten – dieser Schritt würde dann mit ziemlicher Sicherheit dafür sorgen, dass die Bevölkerung nicht mehr so detailliert über die Entwicklungen der Pandemie informiert werden könnte.