Ein Gericht in Griechenland hat eine wegen eines vorgetäuschten Grundschulabschlusses zu zehn Jahren Gefängnis verurteilte Putzfrau vorerst aus der Haft entlassen. Das Gericht in Larissa ordnete nach Angaben ihres Anwalts am Mittwoch an, die 53-Jährige bis zu einer Entscheidung des Obersten Gerichts über ihren Berufungsantrag auf freien Fuß zu setzen.

Die städtische Bedienstete verließ die Grundschule nach der fünften Klasse. Sie erhielt ihre Anstellung 1997, nachdem sie ein gefälschtes Zeugnis vorgelegt hatte, das den Abschluss der sechsten Klasse bescheinigte – in Griechenland die Mindestanforderung für staatlich angestellte Reinigungskräfte. Ursprünglich war sie zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, später wurde die Strafe auf zehn Jahre verringert.

Das Urteil gegen die in einem Kindergarten tätige Putzfrau war auf breite Kritik gestoßen. Der Staatsanwalt am Obersten Gericht leitete daraufhin eine Überprüfung der Entscheidung der unteren Instanz ein. Er sei zuversichtlich, dass das Oberste Gericht der Berufung stattgeben werde, sagte der Anwalt der Frau, Giorgos Sinelis. Die Putzfrau habe ihre Arbeit erledigt, deshalb spiele es keine Rolle, ob sie die fünfte oder die sechste Klasse abgeschlossen habe.

Die Frau selbst sagte dem Privatsender Skai TV, ihre dreiwöchige Inhaftierung sei ein großer Schock gewesen. Sie werde eine Weile brauchen, sich davon zu erholen. Das Zeugnis habe sie gefälscht, weil sie arbeitslos gewesen sei und nicht gewollt habe, dass ihr ihre beiden Kinder weggenommen würden.

Sie sei selbst in einem Waisenhaus aufgewachsen, „und ich wollte nicht, dass meine Kinder das auch durchmachen“. Inzwischen habe sie die sechste Klasse nachgeholt, sagte sie.

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(dpa)