Seit zwei Wochen brennt ein Moor in Niedersachsen. Die Bundeswehr hat das Feuer mit Raketentests ausgelöst. Jetzt rücken von weither zusätzliche Einsatzkräfte an. Denn die Gefahr wächst.

Im Kampf gegen den Moorbrand auf einem Testgelände der Bundeswehr bei Meppen haben Behörden den Katastrophenfall ausgerufen. Der Landkreis Emsland erwog am Freitag eine Evakuierung der Gemeinden Groß Stavern und Klein Stavern mit rund 1000 Einwohnern. „Mit den Wetterbedingungen, die jetzt auf uns zukommen, ist es möglich, dass der Brand von den Winden angefacht werden kann“, sagte der Leiter des Krisenstabes im niedersächsischen Innenministerium, Hanko Thies.

Der großflächige Moorbrand war vor mehr als zwei Wochen infolge von Raketentests der Bundeswehr ausgebrochen. Der Rauch zog zeitweise zu Gegenden, die mehr als 100 Kilometer vom Brandort entfernt liegen. Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums hatte das Feuer vorübergehend zu höheren Feinstaubwerten etwa in Süd-Oldenburg geführt.

Der Landkreis sei gut vorbereitet und wolle keine Unruhe erzeugen, sagte Landrat Reinhard Winter. „Da der Schutz der Bevölkerung für uns an erster Stelle steht, möchten wir aber die Staverner frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist“, sagte Winter am Freitag.

Am Freitagvormittag verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Raum Meppen Sturmböen von bis zu 85 Kilometern pro Stunde. Zum Wochenende solle der Wind abnehmen, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Regenschauer könnten etwas Entspannung bringen. Am Freitagvormittag fiel zunächst nur leichter Nieselregen.

Die Auswirkungen der Wetterlage auf das Feuer bleiben für die rund 1000 Einsatzkräfte vor Ort allerdings schwer zu berechnen. Deshalb will die Feuerwehr im Emsland mit 500 weiteren Feuerwehrmännern verhindern, dass der Brand sich über das Bundeswehrgelände hinaus ausbreitet. Die Kräfte würden in der Nähe postiert, um sofort reagieren zu können, sollte der Brand auf zivile Flächen übergreifen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Freitag in Hannover.

Ein Bundeswehr-Regiment der Spezialpioniere aus Husum soll unter anderem die Wasserversorgung für den Löscheinsatz sicherstellen und andere logistische Aufgaben übernehmen. „Das Feuer ist unter Kontrolle, aber der Druck auf die Einsatzkräfte ist nach wie vor hoch“, sagte eine Bundeswehr-Sprecherin.

Treten Unwetter, Überschwemmungen oder andere Naturgewalten auf, ist das nicht automatisch ein Katastrophenfall. Von einer Katastrophe sprechen Behörden erst, wenn die Bedrohung von vielen Menschen, umfangreichen Sachwerten oder natürlichen Lebensgrundlagen so gravierend ist, dass die betroffene Kommune allein überfordert ist.

Das bedeutet, dass die Lage nur beherrscht werden kann, indem überregional Einsatzkräfte alarmiert werden und ein Krisenstab eingerichtet wird. Ist das der Fall, wird der Katastrophenfall ausgerufen. Der Katastrophenfall ist dabei gleichlautend mit Katastrophenalarm.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kommt zum Moorbrand

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich selbst ein Bild von dem Moorbrand machen. Sie komme am Samstag nach Meppen, sagte ein Sprecher ihres Ministeriums am Freitag in Berlin. Zuvor hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ über den geplanten Besuch von der Leyens berichtet. Wann genau die Ministerin eintreffen werde, sei noch nicht klar, sagte der Sprecher.

Stichwort Katastrophenalarm

Katastrophenalarm kann bei drohenden schweren Schäden etwa bei verheerenden Unglücken oder Naturereignissen ausgelöst werden. Damit können einige Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, so das Recht auf Freizügigkeit und Unverletzlichkeit der Wohnung. Im Notfall können die Behörden dann Gebiete absperren und räumen, Einwohner als Helfer verpflichten, fremde Gebäude oder Autos nutzen. Außerdem kann unter anderem die Bundeswehr für den Einsatz im Inland angefordert werden. So wurde etwa im Juni 2013 in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg wegen des Hochwassers an der Elbe Katastrophenalarm ausgerufen. In Niedersachsen sind die Landkreise und kreisfreien Städte für Katastrophenschutz zuständig.

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(dpa/AFP)