Foto: Marko Drobnjakovic/dpa
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Wer trägt Schuld an dem Schiffsunglück mit mindestens sieben Toten auf der Donau in Budapest? Die Ermittler haben den Kapitän des an dem Unfall beteiligten Flusskreuzfahrtschiffs festgenommen.

Angehörige aus Südkorea bangen um die Menschen, die immer noch vermisst werden. Am Tag zwei nach dem Schiffsunglück mit mindestens sieben Todesopfern auf der Donau in Budapest haben Helfer ihre Suche nach den immer noch 21 Vermissten fortgesetzt. Da es sich bei den meisten Opfern um südkoreanische Touristen handelte, reiste Außenministerin Kang Kyung Wha aus Seoul an. Mit ihrem ungarischen Kollegen Peter Szijjarto besichtigte sie am Freitag den Unglücksort an der Margaretenbrücke im Zentrum der ungarischen Hauptstadt.

Am Donnerstagabend war der ukrainische Kapitän des am Unfall beteiligten Flusskreuzfahrtschiffs „Viking Sigyn“ verhaftet worden. Was die Behörden ihm konkret vorwerfen, wurde vorerst nicht mitgeteilt. Zu dem Unglück war es am Mittwochabend gekommen, als das kleine Ausflugsschiff „Hableany“ („Nixe“) mit der wesentlich größeren „Viking Sigyn“ zusammenstieß. Videoaufnahmen des Unglücks ließen darauf schließen, dass wohl nicht das kleine Schiff auf die „Viking Sigyn“ zugesteuert sei, sagte der Vorsitzende des Verbands der Binnenschifffahrt, Attila Bencsik, am Freitag im ungarischen Staatsfernsehen.

Vielmehr habe wohl das Flusskreuzfahrtschiff die kleine „Hableany“ zwischen den Pfeilern der Margaretenbrücke, wo die Strömung besonders stark sei, in ihren Sog gezogen, sagte Bencsik. Die Aussicht, weitere Überlebende zu finden, galt als gering. Der hohe Wasserstand, starke Strömungen und schlechte Sicht erschwerten die Arbeit der Einsatzkräfte. Die Polizei berichtete, dass eine Leiche kilometerweit flussabwärts vom Unglücksort gefunden worden sei.

Nach dem Zusammenstoß mit dem Kreuzfahrtschiff sank die „Hableany“ mit den Südkoreanern an Bord binnen Sekunden. Sieben Passagiere waren bereits unmittelbar nach dem Unglück gerettet worden. Passagiere von Schiffen, die gerade in der Nähe waren, hatten sie spontan aus dem Wasser gezogen. Die Überlebenden wurden mit Unterkühlungen in Krankenhäusern behandelt. 

Auf dem unter Schweizer Flagge fahrenden Flusskreuzfahrtschiff wurden weder Gäste noch Besatzungsmitglieder verletzt, wie eine Sprecherin des Unternehmens Viking am Donnerstag mitgeteilt hatte. Angehörige der aus Südkorea stammenden Todesopfer und Vermissten reisten nach Ungarn. Am Freitag seien die ersten Mitglieder von betroffenen Familien nach Budapest abgeflogen, berichteten südkoreanische TV-Sender.

Im Laufe des Tages sollten mehr als 30 weitere Angehörige folgen. Rettungskräfte des ostasiatischen Landes, darunter Spezialtaucher, sollten die Suche am Unglücksort unterstützen. Pioniersoldaten begannen mit der Konstruktion einer Tauchplattform. Speziell ausgebildete Taucher sollen zum Wrack des gesunkenen Schiffs vordringen und dessen Bergung vorbereiten. „Die Bergung des Wracks kann noch Tage, ja sogar eine Woche dauern“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur MTI den Geschäftsführer einer darauf spezialisierten Firma.

Die Donau fließt mitten durch Budapest und trennt die beiden Stadthälften Buda und Pest voneinander. Ausflugsfahrten per Schiff sind bei Touristen sehr beliebt, weil sich dabei schöne Ausblicke auf Sehenswürdigkeiten wie die Burg von Buda und das Parlamentsgebäude bieten. In den Stunden nach Sonnenuntergang übt die prächtig beleuchtete Architektur eine besondere Anziehung auf Stadtbesucher aus.

In letzter Zeit führte dies zu einem erheblichen abendlichen Verkehrsaufkommen auf der Donau. Einige Experten sprachen von einer Katastrophe, die nicht völlig unerwartet kam.

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