Corona-Warn-App
Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn

Die Menschen in Deutschland sehnen sich in der Coronakrise nach einer Normalisierung ihres Alltags – und eine Tracing-App soll dabei helfen. Hat die Corona-Warn-App das Potenzial, diese Hoffnungen zu erfüllen? Und welche Nachteile sind damit verbunden?

Nach einer monatelangen Diskussion und einer 180-Grad-Wende der Bundesregierung ging es dann doch sehr schnell: Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes steht seit Dienstagmorgen zum Download bereit. Die App soll dabei helfen, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen.

Wie kommt man an die Corona-Warn-App?

Die App kann im Google Play Store für Android-Smartphones und im App Store von Apple für iPhones heruntergeladen werden. Wenn man danach sucht, muss man den Begriff „Corona-Warn-App“ eingeben, nicht „Covid-19“ oder andere Suchworte. Startpunkt für eine Suche nach der offiziellen App kann auch die Homepage der Bundesregierung sein. Dort sind die Apps verlinkt. Vor einer Installation sollte man überprüfen, ob die Systemvoraussetzungen erfüllt sind.

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Wie sehen die Mindestanforderungen aus?

Beim iPhone muss das aktuelle Betriebssystem iOS 13.5 installiert sein. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Die älteren iPhones 5, 5s oder 6 reichen nicht aus, weil auf ihnen die aktuellste Version von iOS nicht mehr läuft. Bislang sind rund 80 Prozent aller iPhones, die weltweit im Einsatz sind, mit iOS 13 oder neuer ausgestattet. Ein Teil der iPhones, die bislang mit iOS 12 oder älter laufen, könnte noch auf iOS 13 geupdatet werden, aber erst ab dem iPhone 6S, das im Herbst 2015 auf den Markt kam.

Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier ist Android 6 und die Unterstützung von Bluetooth LE Mindestvoraussetzung. Zudem müssen auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Nutzer eines freien Android-Systems ohne Google-Services können die App nicht installieren. Für die aktuellen Huawei-Modelle, die wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China die Google-Dienste nicht nutzen dürfen, will der chinesische Hersteller die notwendigen Schnittstellen nachbauen. Das wird aber noch etwas dauern.

Was passiert, wenn ein Anwender positiv getestet wurde?

In diesem Fall trägt man diesen Status selbst in die App ein. Das Meldesystem will dabei verhindern, dass versehentlich oder absichtlich eine falsche Infektionsmeldung in das System gelangt. Um einen Missbrauch oder Irrtum zu verhindern, muss der Positiv-Status offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. Im Infektionsfall erhalten die betroffenen Kontakte einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen.

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Kann man zur Verwendung der App gezwungen werden?

Die Bundesregierung hat mehrfach betont, dass die Installation und Verwendung der App absolut freiwillig sind und dass es keinen App-Zwang geben darf. Auch positive Anreize wie Steuererleichterungen oder andere Vergünstigungen hat die Koalition ausgeschlossen. „Klar ist: Ein Zwang zur Nutzung der App würde dem Vertrauen maximal schaden“, sagt Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs. „Nach unserer Kenntnis plant das zurzeit auch niemand.“

Die Grünen und Linken, Verbraucherschützer und Organisationen wie Amnesty International fordern aber, dass der Einsatz der App durch ein Gesetz geregelt wird. So müsse nicht nur die Installation der App freiwillig sein. Es dürfe auch keine Verpflichtung geben, ein Smartphone mit laufender App mit sich zu führen und bei Restaurantbesuchen, beim Einkaufen oder Veranstaltungen vorzuzeigen.

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Müssen tatsächlich 40 Millionen User die App installieren, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten kann?

Diese Zahl geht auf eine britische Studie zurück, wonach der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Die Forscher aus Oxford sagen aber auch: „Selbst bei einem geringeren Anteil gehen wir davon aus, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle sinkt.“ Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Montag auf inzwischen veränderte Rahmenbedingungen: „Das war eine vollkommen andere Zeit mit einem viel, viel höheren Reproduktionsfaktor.“ Die Berechnungen aus Oxford gingen auch von der Annahme aus, dass es gar keine anderen Mittel des Kampfes gegen die Pandemie gebe. Der Nutzen der App wird aber umso größer sein, je mehr Nutzer sie habe. „Deswegen hoffen wir, dass viele Menschen sich überzeugen lassen. Aber sie hat ihren Nutzen bereits weit unterhalb dieser Marke von 60 Prozent.“

Wie sicher kann die Warn-App gegen Fehlalarme sein?

Da die Bluetooth-Technik nicht für das Messen von Abständen entwickelt wurde, wird es sicherlich auch Fehlalarme geben. Es kann zum Beispiel sei, dass sich Infizierte hinter einer Glaswand befunden haben und einen Alarm auslösen, obwohl durch den Kontakt keine Infektionsgefahr ausging. Daher verweisen selbst die Entwickler darauf, dass die App nur einen begrenzten Beitrag zur Normalisierung liefern kann. Wer sich und andere vor einer Infektion schützen will, sollte auch mit der App Abstand wahren und eine Maske tragen.

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Wie teuer ist die App?

Für die Anwender ist die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts (RKI) kostenlos. Auch der Datenverkehr, den die App beim Abgleich der Infektionslisten auslöst, wird von den Providern nicht berechnet.

Die Entwicklerfirmen SAP und Deutsche Telekom erhalten 20 Millionen Euro für die Programmierung der App und das Management des Open-Source-Beteiligungsprozesses. Dazu kommen 2,5 Millionen bis 3,5 Millionen Euro im Monat für die laufenden Betriebskosten der Server und für zwei Hotlines. Insbesondere die hohen Kosten für die Callcenter sind umstritten. Kritiker meinen, es sei nicht notwendig, diese Kapazitäten rund um die Uhr vorzuhalten.

Quelle: dpa