Bahnhof Voerde Zug
Foto: Martin Gerten/dpa

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus: Eine Frau wird in Voerde völlig unvermittelt vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Sie wird überrollt und stirbt. Jetzt beginnt die juristische Aufarbeitung.

Warten auf den Regionalzug nach Oberhausen, an jenem Samstagmorgen im Juli 2019. Es ist ein kleiner Regionalbahnhof im niederrheinischen Voerde mit nur zwei Bahngleisen. Alles ist ruhig – bis um 8.45 Uhr der Regionalzug nach Oberhausen einfährt.

In diesem Moment geht laut Staatsanwaltschaft ein 28-Jähriger von hinten auf eine wartende Frau zu – und stößt sie wortlos vor den einfahrenden Zug ins Gleisbett. Die 34-jährige Mutter einer heute 14-jährigen Tochter wird überrollt und stirbt noch im Gleisbett.

Gegen den Beschuldigten, einen in Deutschland geborenen Serben, beginnt an diesem Donnerstag vor dem Landgericht Duisburg der Prozess. Zum Prozessauftakt sind nach Angaben einer Gerichtssprecherin sechs Zeugen geladen. Der letzte von vier terminierten Verhandlungstagen soll am 31. Januar stattfinden.

Die Staatsanwaltschaft geht von heimtückischem Mord aus. Der 28-Jährige wollte laut Staatsanwaltschaft einen Menschen sterben sehen, wie das Gericht schon zuvor mitgeteilt hatte. Es hätte offensichtlich auch jeden anderen Wartenden am Bahnsteig treffen können: Der mutmaßliche Täter und das Opfer kannten sich nach früheren Angaben nicht.

Der Mann soll sich aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit befunden haben. Auch eine gänzliche Schuldunfähigkeit ist nach Gerichtsangaben nicht ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund hat die Staatsanwaltschaft anstelle einer Anklage eine Antragsschrift im sogenannten Sicherungsverfahren gestellt.

Statt einer Gefängnisstrafe droht dem Beschuldigten jetzt die Psychiatrie, und zwar auf unbestimmte Zeit. Dort sei er bereits jetzt – vor dem Verfahren – untergebracht, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Verteidigung des Beschuldigten war nicht erreichbar.

Der 28-Jährige ist nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft Vater von neun Kindern. Wegen Diebstahls, Körperverletzung und kleinerer Vergehen war er zuvor zu Geldstrafen verurteilt worden.

Die Tochter des Opfers war bei der Tat nicht dabei. Aber der Vertreter der Nebenklage, Reinhard Peters, machte deutlich, wie schwierig die Situation für die Jugendliche ist. Peters vertritt nach eigenen Angaben die Schwester des Opfers und den relativ frisch verheirateten Ehemann. Das Paar sei gerade dabei gewesen, mit der Tochter ins neue Familienleben zu starten.

Die Tat in einer ganz alltäglichen Situation, wie sie unzählige Menschen erleben, machte bundesweit fassungslos. In Voerde gab es über Wochen Zeichen der Trauer und der Betroffenheit. Menschen legten Kerzen und Blumen auf dem Bahnsteig nieder.

Ausdruck dieser Fassungslosigkeit war aber auch der Satz einer Polizeisprecherin, als klar wurde, wie der Mann die Frau gestoßen haben soll: „Einfach so. Er hat nicht vorher mit ihr gesprochen, geredet. Er soll zu ihr hingegangen sein und sie gestoßen haben.“

Quelle: dpa