Hendrik Streeck
Foto: Federico Gambarini/dpa

Der Virologe Hendrik Streeck hat Kritik an der Veröffentlichung eines Zwischenergebnisses zu einer Studie in der vom Coronavirus besonders betroffenen Gemeinde Gangelt in Nordrhein-Westfalen zurückgewiesen.

Dem „Tagesspiegel“ aus Berlin sagte der Wissenschaftler der Uni Bonn am Sonntag, dass die Feldstudie alle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO einhalte. „Wir übererfüllen sogar diese Empfehlungen“, sagte Streeck zu der Studie, die 1000 Menschen aus 400 Haushalten untersucht, und auf Facebook „Heinsberg-Protokoll“ heißt.

Auch wies Streeck Kritik zurück, das Zwischenergebnis sei zu früh veröffentlicht worden. „Die Veröffentlichung ist keinesfalls leichtfertig erfolgt. Wir haben bis in die Nacht auf Donnerstag darüber diskutiert, ob wir jetzt erste Daten präsentieren sollen. Wir entschieden uns dazu aus ethischen Gründen, und weil wir uns verpflichtet fühlten, einen nach wissenschaftlichen Kriterien erhobenen validen Zwischenstand vor Publikation mitzuteilen.“ Das sei absolut üblich.

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„Zwischenergebnisse werden auf Kongressen ständig und auf der ganzen Welt mitgeteilt. Nur dies ermöglicht eine jeweils aktuelle wissenschaftliche Diskussion.“ Zu behaupten, dies sei unwissenschaftlich, stimme schlichtweg nicht, beklagte der Forscher.

Wie mehrere Medien am Donnerstag und Freitag berichtet hatten, stößt die Studie auf Kritik anderer Wissenschaftler. Die „Süddeutsche Zeitung“ unterstellte Streeck mit Bezug auf Christian Drosten und einen weiteren Experten mutmaßliche methodische Fehler. Der Virologe Drosten soll bei einem Gespräch, organisiert vom Kölner Science Media Center, gesagt haben, man könne aus Streecks Pressekonferenz „gar nichts ableiten“. Vor allem ging es ihm aber wohl darum, dass noch kein wissenschaftliches Papier für andere Wissenschaftler vorliege.

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Laut dem am vergangenen Donnerstag vorgestellten Zwischenergebnis der Studie haben 15 Prozent der Bürger in der Gemeinde Gangelt nun eine Immunität gegen das Virus ausgebildet. Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben liegt demnach, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten, bei 0,37 Prozent. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate liegt mit 1,98 Prozent um das Fünffache höher.

Die NRW-Landesregierung unterstützt das sogenannte Heinsberg-Protokoll des Bonner Virologen Streeck mit 65.315 Euro. Das geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der SPD im Landtag hervor. Demnach werden mit dem Geld Corona-Tests und medizinische studentische Hilfskräfte finanziert.

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Die SPD-Abgeordnete Sarah Philipp hatte die Landesregierung auch nach der Bezahlung der Berliner Agentur „Storymachine“ gefragt, die die Dokumentation der Studie unter anderem in Sozialen Medien leistet. Dazu habe man keine Erkenntnisse, so Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Namen der Landesregierung.

Agentur-Mitinhaber Philipp Jessen hatte dem Internetdienst „Meedia“ am Donnerstag gesagt: „Natürlich fließen weder Steuergelder noch finanzielle Mittel der Universität Bonn in unsere Arbeit.“ Die Agentur sei von sich aus auf Streeck zugegangen.

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Die SPD-Abgeordnete Philipp nannte die Beteiligung von Storymachine am Freitag einen „unlauteren Wettbewerbsvorteil“, selbst wenn kein Geld geflossen sei. Die Agentur könne so schließlich auf ein Referenzprojekt verweisen, das „bestimmt auch andere Agenturen gerne gehabt hätten.“

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Die Politikerin sagte weiter, dass die Agentur den Auftrag offensichtlich bekam, weil Streeck mit dem Mitinhaber Michael Mronz persönlich bekannt sei. Mronz bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass er den Forscher „schon lange privat“ kenne und schätze. Als Streeck ihm erzählt habe, wie viel Zeit ihn das öffentliche Kommunizieren seiner Arbeit koste, habe er ihm Hilfe angeboten. Mronz wiederholte, dass seine Agentur weder Steuergeld noch Mittel der Uniklinik Bonn bekomme. Man wolle der Forschung nur die «angemessene Aufmerksamkeit» schenken.

Virologe Streeck hatte am Donnerstag im Beisein von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erste Ergebnisse seiner Studie im vom Coronavirus besonders betroffenen Landkreis Heinsberg vorgestellt und sich für erste Lockerungen der aktuellen Maßnahmen ausgesprochen.

Quelle: dpa