Christian Drosten Virologe
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

An ihm kommt man in der Coronavirus-Krise nicht vorbei: Charité-Mediziner Christian Drosten ist seit Wochen omnipräsent. Als Berater für die Regierung – und Jedermann.

Es sind volle Tage für Christian Drosten: Ein „Gehetze“ habe er hinter sich, mit dem Fahrrad von Termin zu Termin bei Ministerien und Senatsverwaltungen in Berlin, sagte der Virologe vergangene Woche dem Sender NDR.

Da bleibe selbst die Lektüre neuester Studien etwas auf der Strecke. Die Expertise des großen, hageren Mannes mit dem Lockenkopf ist dennoch gefragt wie nie angesichts der Covid-19-Pandemie: Als Spezialist für neu auftretende Infektionskrankheiten ist der 47-Jährige zu einem der präsentesten Köpfe in der Coronavirus-Krise geworden.

Bei Pressekonferenzen sitzt er auf dem Podium mit Jens Spahn, dem Bundesgesundheitsminister. Er ist Gast in Talkshows. Spricht mit Zeitungen, twittert und äußert sich seit Ende Februar ausführlich jeden Werktag im Podcast „Coronavirus-Update“ im NDR.

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Dabei geht der Virologe geduldig auf neueste Entwicklungen und Fragen aus dem Alltag ein. Der Vater eines zweieinhalb Jahre alten Sohnes erklärt laienverständlich und unaufgeregt, aber er beschönigt auch nichts. Vieles ist zu komplex für zwei Sätze, das Format gibt ihm die Zeit auszuholen. Und an die Vernunft zu appellieren.

Ausbreitung des Coronavirus Grafik
Grafik: A. Zafirlis/dpa

Das Magazin „Der Spiegel“ nannte Drosten kürzlich „Spitzenmann unter den Seuchendetektiven“, der „Tagesspiegel“ sprach vom „einflussreichsten Arzt“ im Land. Es gibt Nutzer in sozialen Medien, die ihn gerade als ihren „Helden“ bezeichnen.

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Tatsächlich weiß Drosten im Moment wohl so gut wie kaum ein anderer Wissenschaftler in Deutschland, wovon er spricht. Er war 2003, damals am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, einer der Mit-Entdecker des Sars-Coronavirus – eines engen Verwandten des aktuell pandemischen Erregers Sars-CoV-2. Auch ein schnelles diagnostisches Testsystem dafür entwickelte Drosten mit. Für diese Leistungen gab es 2005 – im Alter von 32 Jahren – das Bundesverdienstkreuz. Unter Drostens Leitung entstanden später laut Charité auch Tests für Zika und Mers. Diesen Januar legte seine Arbeitsgruppe den ersten Test für das neuartige Coronavirus vor.

Für Drosten scheint aus seinem Wissen und aus seiner unabhängigen Position an der Charité heraus eine Verantwortung zu erwachsen, das Feld in der nun ernsten Lage nicht selbst ernannten Experten zu überlassen. Auch wenn das bedeutet, viel in den Schlagzeilen zu sein, Hasskommentare zu bekommen und persönliche Details preiszugeben.

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Es prägt sich eben ein, wenn Drosten erzählt, dass er zum Beispiel in Kneipen wegen womöglich schlecht gespülter Gläser – Viren! – seit Jahren nur zu Flaschenbier greife. Oder dass sein Vater und dessen Kollegen im ländlichen Raum das Risiko für sich noch nicht erkannt hätten – sie sollten aber besser nicht zum Schützenfest gehen.

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Drosten wuchs auf einem Bauernhof im Emsland auf. Medizin studierte er in Frankfurt am Main. Nach seiner Zeit am BNITM wurde er 2007 Leiter des Instituts für Virologie der Universität Bonn, seit 2017 ist er an der Charité. Die renommierte Berliner Uniklinik sei „sicher kein sanftes Ruhekissen, sondern ein Ort, wo man etwas bewegen muss – aber auch kann und darf“, sagte er einmal in einem Interview. Da ahnte der Virologe wohl noch nicht, in welchem Ausmaß.

Quelle: dpa