Foto: C_KAWI / Shutterstock.com (Symbolbild)
Foto: C_KAWI / Shutterstock.com (Symbolbild)

Ein Vater soll seinen
Sohn unter Drogen gesetzt und auf einem Autobahnparkplatz zum sexuellen
Missbrauch angeboten haben. Zu Prozessbeginn schildert ein Zeuge den
unglaublichen Vorfall.

Schwere Vorwürfe gegen einen 38-jährigen Mann aus Essen: Am 27. März soll er seinem elf Jahre alten Sohn Kokain gegeben haben und anschließend mit dem Kind zum Autobahnparkplatz „Holthauser Bruch“ an der A42 bei Castrop-Rauxel gefahren sein, um es dort fremden Männern zum sexuellen Missbrauch anzubieten.

Seit Dienstag beschäftigt der Fall das Dortmunder Landgericht. Während der Angeklagte zu Prozessbeginn schwieg, schilderte ein Zeuge, was sich an diesem Abend zwischen abgestellten Autos und einem Toilettenhäuschen zugetragen haben soll.

Beim Verlassen der
Toilette habe der Angeklagte ihn angesprochen und gefragt, ob er Lust auf „Sex
mit dem Kind“ habe, erinnerte sich der 53-jährige Zeuge vor Gericht. Er habe
entrüstet abgelehnt und sei zurück zu seinem Auto gelaufen. „Dabei habe ich
dann den Jungen im Auto des Angeklagten gesehen“, so der Zeuge. Außerdem habe
er mitbekommen, wie sich der Vater am Toilettenhäuschen offenbar mit einem
anderen Mann einig wurde. „Ich konnte das gar nicht glauben“, sagte der
53-Jährige den Richtern. „Deshalb habe ich sofort die Polizei gerufen und die
Sache gemeldet.“

Dass die Beamten nicht
mehr rechtzeitig eintrafen, um den mutmaßlichen Missbrauch des Kindes durch den
anderen Mann zu verhindern, bedrücke ihn bis heute sehr. „Ich habe schwer mit
der Sache zu schaffen“, sagte der 53-Jährige den Richtern. Nach dem Eintreffen
der Polizei habe er die Beamten sofort auf den mutmaßlichen Täter aufmerksam
gemacht. Auch der angeklagte Vater des Jungen wurde kurz darauf gestellt und
von den Polizisten angesprochen.

Dabei soll der Mann
einen ruhigen, fast gelassenen Eindruck gemacht haben. Hinweise darauf, dass er
Drogen genommen haben könnte, fanden die Polizisten nicht. Sie veranlassten
jedoch, dass dem Elfjährigen am nächsten Tag eine Urinprobe abgenommen wurde.
Das Ergebnis: Der Junge hatte Kokain genommen.

Der Angeklagte will sich
frühestens am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft
äußern. Vor Gericht muss er sich wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an
Minderjährige und sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Geht es nach
dem Willen von Verteidiger Marcus Herberholz, soll die Aussage unter Ausschluss
der Öffentlichkeit erfolgen. „Wir werden einen entsprechenden Antrag
vorbereiten“, sagte der Rechtsanwalt am Dienstag.

Quelle: dpa