Coronavirus - USA - Trump
Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Dass Twitter ein (gutes) Instrument zum Regieren ist, war vielen lange gar nicht klar. Bis Donald Trump kam und bewies, dass es so ist. Pressekonferenzen und Gespräche unter vier Augen im Hintergrund überzeugen den US-Präsidenten nicht wirklich, er wendet sich über Twitter lieber direkt an sein Volk. Und wenn dann jemand antwortet, kann es schon mal ganz schön skurril werden. Dabei geht es um Leben und Tod!

Aber der Reihe nach: Am 27. März veröffentlichte Trump folgenden Tweet und forderte darin, „General Motors muss dringend mit der Herstellung von Beatmungsgeräten beginnen, und zwar jetzt!!!“, weil dem amerikanischen Gesundheitssystem in der Corona-Pandemie tausende solcher Maschinen fehlen.

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Auf diesen Beitrag erhielt er relativ schnell viele Antworten, darunter auch die eines gewissen Yaron Oren-Pines. Der schrieb: „Wir können invasive und nicht-invasive Beatmungsgeräte liefern. Ruft mich dringend an.“

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Foto: Twitter/Staboogie0311

Klingt soweit ganz gut. Wenn es da nicht einige Probleme gäbe. Zum einen ist Oren-Pines ein Elektrotechniker aus dem Silicon Valley und hat demnach mit der Produktion hochwertiger medizinischer Geräte vermutlich noch nicht so viel Erfahrung gemacht. Und zum anderen das ist eigentlich noch fataler zahlte Trumps Corona-Taskforce dem Ingenieur drei Tage nach dessen Twitter-Antwort 69 Millionen US-Dollar im Voraus, wie „Buzzfeed“ berichtet.

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Demnach habe der Staat New York damit 1450 Beatmungsgeräte bestellt. Umgerechnet sind das 47.656 Dollar pro Maschine. Zum Vergleich: Das amerikanische Gesundheitsministerium hat beim anerkannten Hersteller Philips Spitzengeräte für 15.000 Dollar pro Stück erworben.

Doch das größte und eigentliche Problem kommt ja erst noch. Die Überweisung ist schon lange getätigt, und bis heute hat Oren-Pines kein einzige Gerät geliefert, vermutlich sogar nicht einmal produziert. Wundert das jemanden? Eher nicht.

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Nach „Buzzfeed“-Informationen kam der Vertrag zwischen dem Staat New York und Oren-Pines auf Anordnung des Weißen Hauses zustande. Als einen Monat nach der Bestellung langsam klar wurde, dass die Maschinen wohl nie ankommen würden, kündigte der Staat den Kontrakt und versuchte, wieder an sein bereits gezahltes Geld zu kommen.

Wie erfolgreich diese Mission bislang verlaufen ist, wollen die Behörden nicht verraten. „Wir führen derzeit Diskussionen über einige verbleibende Probleme“, sagte eine Sprecherin New Yorks. Oren-Pines antwortete auf eine „Buzzfeed“-Anfrage mit folgenden Worten: „Weder ich noch meine Firma geben dazu einen Kommentar ab.“

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Ein Beamter aus New York sagte: „Der Typ wurde uns von der Corona-Taskforce vorgeschlagen, weil sie anscheinend schon Geschäfte mit ihm gemacht haben. Ich denke, jeder war wirklich bemüht, einander zu helfen und die Ressourcen zu beschaffen.“

Katie Miller, Sprecherin des Vize-Präsidenten Mike Pence, der Vorsitzende der Taskforce, betonte, dass „die Corona-Taskforce nie über den Vertrag informiert wurde und nicht in die Sache involviert sei“.

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Irgendwas scheint da nicht zu stimmen, und generell läuft die Beschaffung neuer Beatmungsgeräte in den Vereinigten Staaten nicht rund. Das ist sicherlich auch der großen Not und der dramatischen Lage geschuldet.

Doch auch andere Bundesstaaten haben 735 Millionen US-Dollar investiert, um medizinische Ausrüstung zu beschaffen ebenfalls zum großen Teil bei Unternehmen, die wie Oren-Pines wenig oder keine Erfahrung in der Medizin haben: gehobene Modefirmen, chinesische Eisenerz- und Werkzeugimporteure, ein Unternehmen, das Produkte zur Haar- und Faltenentfernung verkauft oder eine Reihe von Private-Equity- und Investmentfirmen.