Donald Trump jr
Donald Trump Jr. auf einer Pressekonferenz im Hauptquartier der Republikanischen Partei von Georgia. Er forderte auf Twitter den "totalen Krieg".Foto: John Bazemore/AP/dpa

Langsam, aber sicher zeichnet sich in den USA ein Wahlsieg Joe Bidens ab. Der demokratische Kandidat hat Amtsinhaber Donald Trump bei der Auszählung der Stimmen der Präsidentenwahl auch in Pennsylvania überholt.

Sollte Biden den Vorsprung halten können, wäre die Wahl für Trump gelaufen – der Republikaner hätte dann keine Möglichkeit mehr, die Stimmen von 270 Wahlleuten zu bekommen und in eine zweite Amtszeit zu gehen. Akzeptieren wollen der 74-Jährige und seine Gefolgsleute das jedoch nicht – und lassen ihrer Wut freien Lauf.

Twitter blockiert Bannon nach Enthauptungs-Fantasien

Nachdem Trump am Donnerstag via Twitter einen Stopp der Stimmenauszählung gefordert und im Nachgang mehrere Klagen angedroht und einige bereits eingereicht hatte, unterbrachen mehrere US-Sender eine Rede des amtierenden Präsidenten am Freitag, weil dieser von einem Wahlbetrug sprach.

Seine Gefolgsleute stehen dem in nichts nach. Am Freitag sperrte Twitter Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon, nachdem dieser über die Enthauptung des FBI-Chefs Christopher Wray und des Corona-Experten Anthony Fauci fantasiert hatte.

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Bannon sagte in seinem am Donnerstag veröffentlichten Podcast zunächst, US-Präsident Donald Trump würde gleich zu Beginn einer zweiten Amtszeit Wray und Fauci feuern. Trump sei ein barmherziger Mann. Er selbst hingegen würde gern in die Zeit der Tudor-Dynastie im alten England zurückkehren. „Ich würde die Köpfe aufspießen. Ich würde sie an zwei Ecken des Weißen Hauses positionieren, als Warnung an die Bürokraten der Bundesregierung.“ Auf Twitter ist der entsprechende Ausschnitt noch zu sehen:

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Twitter erklärte, Bannons Äußerungen verstießen gegen das Verbot von Gewaltverherrlichung auf der Plattform und blockierte seinen Account. Der Streamingdienst Spotify entfernte die Podcast-Folge. Auch YouTube ging gegen den Clip vor. Fauci ist ein hochangesehener Experte, der stets zu mehr Vorsicht gegenüber dem Coronavirus und zum Tragen von Masken aufruft. Dafür bekam er bereits Morddrohungen. Er wird von Personenschützern begleitet.

Bannon gehört zu den einflussreichsten Stimmen im ultra-konservativen Lager der US-Politik. Der Mitgründer der Internetplattform „Breitbart“ war 2016 zu Trumps Team gestoßen und übernahm die Leitung des Wahlkampfs. Dem 66-Jährigen wird ein maßgeblicher Anteil am damals eher überraschenden Erfolg zugeschrieben. Nach dem Wahlsieg wurde Bannon Trumps Chefstratege, musste aber 2017 seinen Hut nehmen.

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Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft Bannon und drei weiteren Beschuldigten vor, Geld aus einer Online-Spendenaktion für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko abgezweigt zu haben. Er ist gegen Kaution auf freiem Fuß. Bannon bestreitet die Vorwürfe. Er stellt sich als Opfer politischer Verfolgung dar.

Trump-Sohn fordert von seinem Vater „totalen Krieg“ um die Wahl

Auch Präsidentensohn Donald Trump Jr. misceinen Vater dazu auf, einen „totalen Krieg“ rund um die Wahl zu eröffnen. Donald Trump müsse „all den Betrug und Schummeleien offenlegen“, schrieb sein Trump Jr. Sohn am Donnerstag bei Twitter. Dazu gehörten die Stimmen von Wählern, die tot seien oder nicht mehr im jeweiligen Bundesstaat lebten, behauptete der Trump-Sohn. „Es ist an der Zeit, dieses Schlamassel zu bereinigen und nicht mehr wie eine Bananenrepublik auszusehen.“

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Bisher wurden keine nennenswerten Fälle von Wahlbetrug in den USA bekannt. Trump hatte schon seit Monaten ohne Beleg behauptet, bei Briefwahl sei die Betrugsgefahr höher und weigerte sich, eine friedliche Machtübergabe zu garantieren.

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Anhänger der Demokratischen Partei hatten angesichts der Corona-Gefahr stärker zur Briefwahl gegriffen als die Republikaner. In Pennsylvania sollen noch die Stimmzettel gezählt werden, die bis zu drei Tage nach dem Wahltermin am 3. November eintreffen. Die US-Post hatte in den vergangenen Monaten mit Verzögerungen gearbeitet.

Quelle: mit Agenturmaterial (dpa)