Captain Tom nach Corona-Infektion gestorben
Foto: Joe Giddens/PA Wire/dpa

Der britische Weltkriegsveteran und Rekordspendensammler Tom Moore (Captain Tom) ist tot. Er starb im Alter von 100 Jahren an einer Corona-Infektion.

Das teilte die Familie des 100-Jährigen am Dienstag mit. Am Wochenende war Moore ins Krankenhaus gekommen, weil er Unterstützung beim Atmen brauchte. Wegen Medikamenten, die er zur Behandlung einer Lungenentzündung erhalten hatte, war Moore nicht gegen Covid-19 geimpft worden.

Der 100 Jahre alte Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg hatte im vergangenen Jahr mit einem Spendenlauf  knapp 32,8 Millionen britische Pfund (etwa 37 Millionen Euro) für den von Nationalen Gesundheitsdienst NHS in der Corona-Pandemie gesammelt. Er war dafür 100 Runden mit seinem Rollator durch den heimischen Garten marschiert. Als Ziel hatte er zuvor gerade einmal 1000 Pfund ausgegeben.

Moore schaffte damit einen neuen Guinness-Weltrekord für die höchste Summe, die je bei einem Spendenlauf zusammenkam. Medienberichte machten den rüstigen Captain anschließend zu einem Symbol britischen Lebenswillens. Im Juli 2020 schlug ihn Königin Elizabeth II. zum Ritter.

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In einem Krankenhaus in Bedford rund 90 Kilometer nördlich von London wurde Moore seit Sonntag bis zu seinem Tod behandelt. Kinder und Enkel hätten die letzten Stunden an seiner Seite verbracht, persönlich oder über einen Videochat, berichteten die Töchter: „Wir haben stundenlang mit ihm geplaudert und uns an unsere Kindheit und unsere wundervolle Mutter erinnert. Wir teilten Lachen und Tränen miteinander.“ Gerade sein letztes Lebensjahr sei „bemerkenswert“ gewesen: „Er war verjüngt und erlebte Dinge, von denen er nur geträumt hatte.“

Tom Moore und sein ereignisreiches Jahr 2020

In der Tat war die Begeisterung für Sir Tom, wie er sich seit dem Ritterschlag nennen durfte, enorm. Ehrenhalber zum Colonel befördert, stürmte er sogar mit seiner eigenen Version der Fußball-Hymne „You’ll Never Walk Alone“ an die Spitze der Charts in Großbritannien. Den Song nahm er gemeinsam mit dem britischen Sänger und Schauspieler Michael Ball und einem NHS-Chor auf.

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Zu seinem 100. Geburtstag im April 2020 erhielt er etwa 125.000 Glückwunschkarten aus aller Welt. Über sein Haus in dem beschaulichen Örtchen Marston Moretaine in der Grafschaft Bedfordshire donnerten damals zu seinen Ehren Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Höhepunkt war der Ritterschlag der Queen. Die Königin möge sich hoffentlich mit dem Schwert nicht ungeschickt anstellen, witzelte er bei der Zeremonie in Schloss Windsor.

Umso größer war das Entsetzen, als Moores Krankenhausaufenthalt am Sonntagabend bekannt geworden war. „Er steht auf bemerkenswerte Weise für uns alle. Er ist so ein Geschenk, und deshalb beten wir weiter für ihn“, sagte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, noch am Dienstagmorgen dem Sender ITV. Wegen Medikamenten, die er zur Behandlung einer Lungenentzündung erhalten hatte, war Moore nicht gegen Covid-19 geimpft worden.

Die Nachricht sorgte landesweit, über politische Grenzen hinweg und sogar im Königshaus für Bestürzung. Die Queen brauchte nur wenige Minuten, bis sie ihre Trauer ausdrückte. Sie habe eine private Nachricht an Moores Familie geschrieben und es sehr genossen, Moore im vergangenen Jahr in Windsor kennenzulernen, hieß es auf Twitter vom Königshaus.

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Am Regierungssitz in der Downing Street wehte der Union Jack in Gedenken an Moore auf Halbmast. In der Hauptstadt wurden Wahrzeichen wie das Riesenrad London Eye oder das Wembley-Stadion in den Nationalfarben beleuchtet, vor Moores Haus legten Menschen Blumen nieder und brachten Dankesbilder an.

„Captain Sir Tom Moore war im wahrsten Sinne des Wortes ein Held“, twitterte Premierminister Boris Johnson. Schon im Zweiten Weltkrieg habe Moore für die Freiheit gekämpft und in der dunkelsten Krise der Nachkriegszeit alle vereint und aufgemuntert.

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Außenminister Dominic Raab schrieb, der 100-Jährige habe „die Moral der ganzen Nation“ gestärkt. Auch Oppositionsführer Keir Starmer sowie Schottlands und Nordirlands Regierungschefinnen Nicola Sturgeon und Arlene Foster gedachten Moores und seiner Verdienste.

Selbst das Weiße Haus kondolierte. „Wir schließen uns dem Vereinigten Königreich und der Welt an, das Andenken an Captain Sir Tom Moore zu ehren, der Millionen mit seinem Leben und seinen Handlungen inspiriert hat“, hieß es in einem Tweet aus dem Amtssitz von US-Präsident Joe Biden.

Quelle: dpa