Spahn: Dritte Welle der Corona-Pandemie durch Impfungen nicht zu stoppen

Das klingt alles sehr bedrohlich: Jens Spahn hat die Bevölkerung darauf eingestimmt, dass die dritte Corona-Welle in Deutschland nicht durch Impfungen gestoppt werden kann. Der Grund: zu wenig Impfstoff in Europa. Der Bundesgesundheitsminister appelliert an das Durchhaltevermögen der Bürger.
Jens Spahn Maske
Foto: Michael Kappeler/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bevölkerung darauf eingestimmt, dass die dritte Corona-Welle in Deutschland nicht durch Impfungen gestoppt werden kann.

„Wir befinden uns in der dritten Welle der Pandemie, die Zahlen steigen, der Anteil der Mutationen ist groß“, sagte Spahn am Freitag in Berlin. „Zur ehrlichen Lageanalyse gehört: Es gibt in Europa noch nicht genügend Impfstoff, um die dritte Welle allein durch Impfen zu stoppen“, sagte Spahn.

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„Selbst wenn die Lieferungen aus EU-Bestellungen nun zuverlässig kommen, wird es noch einige Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind“, so der CDU-Politiker. „Erst dann können wir auch über breitere Öffnungen der Gesellschaft reden. Wir werden also noch einen langen Atem brauchen.“

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Die steigenden Infektionszahlen könnten bedeuten, dass es vielleicht keine weiteren Öffnungsschritte geben könne – sondern „sogar Schritte rückwärts“ nötig würden. An diesem Montag wollen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die weiteren Schritte bei den Beschränkungen beraten.

RKI warnt vor Fehleinschätzung der Lage – Jüngere gefährdet

Angesichts der fortschreitenden Impfungen bei den besonders gefährdeten Senioren hat das Robert Koch-Institut (RKI) derweil vor einer möglichen Fehleinschätzung bei der Corona-Lage gewarnt.

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Wenn man nun denke, dass man das Infektionsgeschehen wegen dieser bisherigen Impfungen laufen lassen könne, komme es zu einem Schwenk hin zu den jüngeren Jahrgängen bei den Todesfällen und Intensivpatienten, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag in Berlin. Er appelliere dringend, dies zu berücksichtigen.

„Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger“, betonte Schaade. Noch sei der Anstieg der Fallzahlen auf den Intensivstationen zwar nicht so stark wie manche vielleicht erwarteten, aber das werde sich mit zunehmender Zahl an Infizierten ändern. „Dann werden wir nämlich immer mehr auch junge Patienten auf den Intensivstationen haben. […] Die sind jetzt noch am allerwenigsten geschützt.“

Auch Virologen haben wiederholt vor einem solchen Szenario gewarnt.

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dpa