Foto: YanLev/Shutterstock.com (Symbolbild)
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Nicht jugendfrei: Ein Pornodreh in einem Linienbus sorgt derzeit für Aufregung in Südwestfalen. Nun sind die Filmchen ausgerechnet dort gelandet, wo sie nichts zu suchen haben: Auf Schülerhandys.

„Wer sowas macht, fährt für mich keinen Meter mehr.“ Klaus-Dieter Wern ist hörbar aufgebracht. „Sowas“ – damit meint der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd den Dreh für einen Primitiv-Porno, der nach seinen Angaben bereits vor über einem Jahr in einem durch Bad Laasphe fahrenden Omnibus des Unternehmens gedreht worden sein muss. Die Aufnahmen, offenbar produziert für einschlägige Porno-Portale im Internet, sind nun dort gelandet, wo sie nichts zu suchen haben: Auf Handys von Schülern in Bad Laasphe. Zuvor hatte die „Siegener Zeitung“ berichtet.

Was zu sehen ist, ist alles andere als jugendfrei: In den Clips der Marke Self-Made-Porno gibt es viel nackte Haut, schmutzige Gespräche, Nahaufnahmen intimer Details. In dem Bus, der nur mit den beiden Darstellern und dem Fahrer besetzt ist, lässt eine Frau die Hüllen fallen. Sie zeigt sich und hat Sex mit einem Mann, der die wacklige Kamera führt. Später beteiligt sich dann auch der Busfahrer an dem Geschehen auf den Sitzbänken.

Das Städtische Gymnasium von Bad Laasphe im Wittgensteiner Land reagierte am Dienstag mit einem Elternbrief, wie Schulleiterin Corie Hahn berichtet. Sie hatte am Freitag zunächst von einem Vater, dann von mehreren Schülern von dem „Video mit pornografischen Inhalt“ erfahren, das in der Schülerschaft von Handy zu Handy wandere. „Das war eine ziemliche Überraschung. Wer denkt denn an sowas?“, sagt Hahn zu den plötzlich aufgetauchten Clips.

Auch Verkehrsbetriebe-Chef Wern ist nach eigenen Angaben schockiert gewesen, als er von dem Treiben erfahren habe. Ein anonymer Anrufer hatte ihm den Hinweis auf den Film gegeben. „Das ist ja ein Unding“, schimpft er. Nach aufwendiger Recherche durch einen seinen Mitarbeiter („Ich habe da selbst nur ganz kurz reingeguckt und schnell genug gehabt“, sagt Wern) sei schließlich klar geworden, um welchen Bus und welchen Fahrer es sich gehandelt habe. Zu den genauen Entstehungsbedingungen könne er nichts sagen.

Der Fahrer sei ihm Auftrag eines Subunternehmens tätig gewesen, das den Bus monatelang im Auftrag der Verkehrsbetriebe fuhr. Er sei umgehend vom Linienbetrieb entbunden worden, betonte Wern. „Wer sowas betreibt, der fährt bei mir keinen Omnibus mehr“, sagt er. Derzeit prüfe sein Anwalt, ob weitere rechtliche Schritte sinnvoll seien. Wern ärgert sich, dass sein Unternehmen derart in Verruf gerät.

Schaden abwenden will auch Schulleiterin Hahn. In einer schnell anberaumten Dienstbesprechung mit dem Kollegium habe große Betroffenheit geherrscht. „Wir haben vor allem Sorge, dass auch jüngere Klassen das zu sehen bekommen – und können nicht abschätzen wie sie reagieren“, sagt Hahn. Doch ein wenig stolz ist sie auch auf die Reaktion ihrer Schützlinge: „Ich fand es bemerkenswert, dass die Schüler das Gespräch mit Eltern und Lehrern gesucht haben. Das zeugt von Vertrauen und es ist wichtig, dass sie offen darüber sprechen können“, sagt sie.

Die Eltern seien nun mit einem Rundbrief informiert worden. Sie sollen prüfen, ob auch ihre Kinder Zugriff auf den Film hatten, um ihn löschen zu können. „Und sie sollen ihren Kindern Gesprächsangebote machen. Wir wissen ja nicht, was es mit ihnen macht, wenn sie unvorbereitet so etwas sehen“, sagt Hahn.

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(dpa)