Coronavirus - Schweden
Foto: Henrik Montgomery/TT News Agency/AP/dpa

Seit Beginn der Pandemie steht immer wieder Schweden im Fokus, da das skandinavische Land im Umgang mit Corona einen Sonderweg beschreitet. Angesichts steigender Infektionszahlen sieht sich die Regierung nun zur Kursänderung gezwungen. Ganz auf die Bremse treten will sie aber nicht.

Schweden weicht angesichts der rapide steigenden Corona-Infektionszahlen immer weiter von seinem Sonderweg im Umgang mit der Pandemie ab. Die zugelassene Besucherzahl in Restaurants, Geschäften und Fitnessstudios werde ab kommender Woche eingeschränkt, teilte die Regierung am Freitag mit.

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Im öffentlichen Nahverkehr werde zudem Maskenpflicht gelten. Das bisher ab 22.00 Uhr geltende Verbot von Alkoholverkauf in Bars und Restaurants werde landesweit schon ab 20.00 Uhr verhängt. Ministerpräsident Stefan Löfven ergänzte, dass Beschäftigte mit nicht systemrelevanten Jobs zur Arbeit im Homeoffice angehalten würden. Die Schulen sollen laut Bildungsministerin Anna Ekström weiter mit Distanzunterricht planen. In Kraft treten die neuen Maßnahmen ab dem 24. Dezember.

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Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hatte Schweden bisher einen relativ lockeren Corona-Kurs mit wenig Beschränkungen verfolgt. Die Regierung hat weder Lockdowns verhängt noch Geschäfte schließen lassen, sondern bei der Virus-Eindämmung auf das Verantwortungsgefühl und die Vernunft der Bürger gesetzt. Seit dem Aufkommen der ersten Corona-Infektionen in Schweden gab es Appelle, Abstandsregeln einzuhalten, Schulen, Kneipen und Restaurants blieben aber offen.

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Doch zuletzt verzeichnete das skandinavische Land eine starke Zunahme bestätigter Fälle, die dessen Gesundheitssystem belasten. Vor allem unter medizinischem Fachpersonal breitet sich das Virus schnell aus. Die Situation sei weiterhin sehr ernst, räumte Löfven ein. Daher reagiere seine Regierung nun mit neuen Beschränkungen öffentlicher Aktivitäten. Gleichwohl habe sie sich gegen einen umfassenden Lockdown entschieden, da dies nach ihrer Ansicht „eine Last für die Bevölkerung“ sei. „Wir folgen unserer Strategie“, sagte Löfven auf der Pressekonferenz weiter.

Vize-Ministerpräsidentin Isabella Lövin ergänzte, dass eine Rückkehr zu einem normalen Alltagsleben nicht möglich sei. „Bei der Pandemie geht es um Leben und Tod.“

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Schweden hat mit seinen mehr als zehn Millionen Einwohnern bisher 367.120 bestätigte Corona-Infektionen und fast 8000 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus gemeldet. Damit hat das Land gemessen an der Einwohnerzahl eine der höchsten Covid-19-Sterberaten der Welt.

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Dennoch hat der Chefepidemiologe der Regierung, Anders Tegnell, den schwedischen Sonderweg wiederholt verteidigt. Zu Wochenbeginn räumte er jedoch ein, dass die Totenzahl in den kommenden Wochen steigen dürfte.

Quelle: dpa