Tattoo Anders Tegnell
Foto: www.instagram.com/zashay.tastas/

Die ganze Welt kennt seit Wochen, seit Monaten eigentlich nur noch ein Thema: das Coronovirus. Und so eine Krise produziert plötzlich auch neue Stars: die Virologen. Sie sind die neuen Superhelden, jeder hängt an den Lippen der Wissenschaftler. Und jetzt lassen sich die ersten Bilder von Virologen tätowieren. Kein Witz!

Okay, wir haben in Deutschland noch keinen Menschen mit einem Tattoo von Prof. Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité gesehen, aber vorstellbar wäre das längst. Vor der Corona-Pandemie war Drosten in Deutschland nur in der Virologen-Szene längst ein bekannter Überflieger, doch seitdem der 48-Jährige das ganze Land in seinem Podcast über das Coronavirus und COVID-19 aufklärt, kennt ganz Deutschland den Wissenschaftler mit der unprätentiösen Wuschelfrisur.

Virologe Christian Drosten – Deutschlands Instanz in Coronavirus-Zeiten

Drosten ist in der Krise allgegenwärtig – auch wenn er sich schon wieder längst etwas zurücknimmt. Man kennt ihn aus dem TV, von Pressekonferenzen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, aus Talkshows, aus dem NDR-Podcast. Drosten sendet auf allen Kanälen. Doch das tut er nicht, um selbst im Mittelpunkt zu stehen. Sein Anliegen ist es, die Öffentlichkeit gut und transparent aufzuklären.

Natürlich gibt es auch hier eine Schattenseite, Drosten erzählte in einem Interview mit der britischen Tagszeitung „The Guardian“ unlängst, dass er sogar Morddrohungen erhalte. Auch verängstigte Bürger wenden sich mit Nachrichten an Drosten. Diese Nachrichten, so Drosten, beschäftigen ihn sehr und halten ihn sogar nachts wach. Aufgrund der vermehrten Kritik an seiner Person wolle sich Drosten mehr aus der Öffentlichkeit zurücknehmen, kündigte er bereits an.

Anders Tegnell
Anders Tegnell ist Schwedens Gesicht in der Corona-Krise. Foto: —/Folkhälsomyndigheten/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der schwedische „Drosten“ ist sozusagen Anders Tegnell. Der oberste Epidemiologe in Stockholm ist derzeit der gefragteste Mann im Land, ebenfalls omnipräsent auf allen Kanälen. Anders als sein deutsches Pendant hat Tegnell seinem Land einen ganz anderen Kampf gegen das Coronavirus verschrieben.

Schweden macht in der Corona-Bekämpfung alles anders – geht das gut?

Schweden geht in der Corona-Krise einen Sonderweg: Kindergärten und Grundschulen bis zur neunten Klasse blieben anders als Gymnasien und Unis weiter offen. Das Gleiche galt für Restaurants, Kneipen und Cafés, die ihre Gäste aber nur noch am Tisch bedienen durften. Ganz Europa schaute mit einer gesunden Portion Skepsis nach Schweden und zu Tegnells Strategie, die sich sehr von der Taktik anderer Länder unterschied. Bislang blieb die Katastrophe in Schweden aber aus. Offensichtlich lag Tegnell mit seiner Prognose nicht daneben.

Grund genug für einen 32 Jahre alten Schweden, sich das Gesicht des Virologen in der eigenen Haut verewigen zu lassen. Glaubt ihr nicht? Das solltet ihr aber, hier ist der Beweis:

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„Ich denke, dass Tegnell das Gesicht der Krise ist. Ich finde, dass er einen guten Job macht“, sagt Gustav Lloyd Agerblad, der sich das Gesicht des Virologen auf seinem linken Oberarm stechen ließ.

Die Idee zu dem außergewöhnlichen Tattoo hatte ein Tätowierer. Zashay Rissanen Tastas sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich hatte die Idee, weil ich an unsere Strategie gegen Corona glaube und weil ich davon überzeugt bin, dass uns die Behörden nicht dazu zwingen können, zu Hause zu bleiben. Wenn wir die Distanz zu den anderen wahren, sollte alles gut gehen.“

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Aktuell verzeichnet Schweden knapp 20.000 Corona-Infektionen und knapp 2300 Corona-Tote. Im Vergleich zu England, Frankreich oder Spanien geht die schwedische Strategie bislang auf, doch Nachbarländer wie Dänemark und Norwegen verzeichnen deutlich weniger Infektionen und Todesfälle.

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Das ruft natürlich auch in Schweden die Kritiker auf den Plan. Doch viele Schweden sind dennoch mit Tegnells Arbeit zufrieden. Denn seine Maßnahmen hielten die Wirtschaft am laufen, das wissen die Leute zu schätzen. Und deshalb ist Tegnell auch sehr beliebt. So beliebt, dass sich wahrscheinlich noch der ein oder andere im skandinavischen Land künftig das Brillenträger-Porträt auf den Körper malen lassen wird.

Doch Tegnell weiß wahrscheinlich, dass es ein schmaler Grat zwischen Gesicht und Symbolbild der Krise ist. Und er wird auf die plötzliche Popularität persönlich auch wenig Wert legen, schließlich ist er Wissenschaftler. Und kein Popstar. Doch das sehen die Schweden derzeit etwas anders. Zumindest so lange Tegnell mit seiner Strategie richtig liegt.