Thomas Berthold
Foto: Screenshot Twitter

Bei der Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart hält Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Berthold eine Rede. Der frühere Weltmeister möchte, dass dieser Auftritt nicht sein letzter in diesem Kontext war.

Der frühere Fußball-Weltmeister Thomas Berthold hat einen Auftritt als Redner bei einer Demonstration in Stuttgart mit seiner kritischen Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen begründet. Die Maßnahmen seien „völlig überzogen“, sagte der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

„Es war eine Herzensangelegenheit, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen. Ich wollte dort den Menschen Dinge, die ich wahrnehme und auf dem Herzen habe, mitteilen.“ Er wolle „selbstbestimmt und ohne Angst“ leben.

>> Porträt: Thomas Berthold – gestern Weltmeister, heute „Querdenker“ <<

In seiner Rede bei der Veranstaltung „Querdenken 711“ erklärte Berthold unter anderem, dass sein Vertrauen in die politische Führung bei „unter Null“ angekommen sei. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden soll.

Mehrere kurze Videos auf Twitter zeigen einen Ausschnitt des Auftritts des früheren Fußballers. Da könnt ihr euch selbst ein Bild von Thomas Berthold und seinen Thesen zum Thema Coronavirus und Regierung machen:

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

Und hier Bertholds Meinung zur Maskenpflicht in Deutschland:

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

Doch es geht noch weiter. Berthold will „unser altes Leben zurück“ und vertraut den handelnden Personen wie Politikern und Wissenschaftlern nicht mehr:

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

Die „Querdenken“-Proteste stehen unter anderem wegen der Teilnahme von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten in der Kritik. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden sollen. Die Veranstalter von „Queerdenken 711“ sprachen von 5000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert.

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

In den sozialen Netzwerken erntete Berthold für seinen Auftritt Reaktionen von Häme bis Zuspruch: „Thomas Berthold stand ja früher schon selten richtig im Raum“, schrieb ein Twitternutzer mit Anspielung auf dessen Fußballkarriere. Andere Nutzer attestierten ihm etwa Zivilcourage.

Er wolle „definitiv“ auch bei der „Querdenken“-Demonstration am 29. August in Berlin auftreten, sagte Berthold der dpa. „Die Initiative braucht eine mediale Plattform. Es geht darum, dass wir Dinge hinterfragen und nicht alles staatstreu eins zu eins glauben.“

Er sprach sich für die Gründung einer neuen Partei aus. Er habe aber selbst keine Intention, politisch aktiv zu werden. „Ich habe nur angeregt, dass wir Menschen brauchen, die dem Volk dienen. Wir brauchen Menschen in unserer Regierung, die ausgebildet sind für Ihr Ressort und Expertise mitbringen.“

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart. Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Fußball-Weltmeister in Italien.

Dieses etwas längere Video fasst Bertholds Auftritt abschließend ganz gut zusammen:

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem für mehrere Fernsehsender und Zeitschriften als Experte tätig. In unregelmäßigen Abständen tritt er beim TV-Sender „Sport 1“ im Rahmen des Fußball-Talks „Doppelpass“ sonntags noch als Experte auf.

Sollte seine öffentliche Positionierung berufliche Konsequenzen für ihn haben, sei ihm dies egal, sagte Berthold: „Wenn es so sein sollte, wäre das schade, dann bin ich aber bereit, die Konsequenzen zu tragen“, betonte er. „Wenn der ein oder andere Programmdirektor oder Redakteur sagt, das können wir nicht vertreten, akzeptiere ich das natürlich. Auch dann geht das Leben weiter.“

Über 1000 Neuinfektionen in Deutschland

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1122 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 215 336 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Samstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 8.8., 0.00 Uhr).

Im Vergleich zum Freitag, an dem 1147 neue Fälle binnen 24 Stunden gemeldet wurden, ging die Zahl am Samstag etwas zurück. Am Donnerstag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 1045 Corona-Fällen erstmals wieder über der Schwelle von 1000 gelegen. Sie war zuletzt am 9. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9195. Bis Samstagmorgen hatten 196 400 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Auch der R-Wert steigt

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 8.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,32 (Vortag: 1,16). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 8.8., 0.00 Uhr, bei 1,23 (Vortag: 1,16). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

>> Faktencheck: Mehr als eine Million auf der Demo gegen die Corona-Maßnahmen? <<

>> Hintergrund: Anti-Corona-Demo in Berlin: 20.000 oder 1,3 Millionen Menschen? <<

Quelle: mit Agenturmaterial von dpa