Foto: 8th.creator/shutterstock
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Lange Schlangen im Supermarkt mag niemand. Wenn der Vordermann wieder mal sein letztes Bargeld zusammenkratzt, kann das schonmal nerven. Ein neues Bezahlsystem schafft Abhilfe. Mit Google Pay müssen Kunden zukünftig nur noch ihr Handy an das Bezahlterminal halten – schon wird abgebucht.

Das Android-Smartphone wird zum Portemonnaie

Der US-Konzern Google geht mit seinem Bezahldienst Google Pay nun auch in Deutschland an den Start – und könnte dem mobilen Bezahlen hierzulande den entscheidenden Schub geben. „Das Android-Smartphone wird zum Portemonnaie“, erklärte Google am Dienstag. Nutzer mit einer Kredit- oder Girokarte von einer Partnerbank können über die Google-Pay-App online und in Geschäften einkaufen.

Partner von Google Pay sind die Commerzbank und ihre Tochter Comdirect, die Direktbank N26 sowie die Bezahl-App Boon, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Bald sollen auch die Landesbank Baden-Württemberg sowie die Digitalbank Revolut dazukommen.

Für den Bezahlvorgang in normalen Läden nutzt die App die Nahfeldkommunikation (NFC). Damit kann auch heute schon mit Kreditkarten mit dem entsprechenden Logo kontaktlos bezahlt werden. Nutzer von Google Pay müssen also ein NFC-fähiges Smartphone haben, das zudem über ein Android-Betriebssystem der Version 5.0 oder höher verfügt.

Diese Konzerne machen mit

Zum Bezahlen hält der Nutzer sein Smartphone an das NFC-Terminal und der Betrag wird abgebucht. Bei Beträgen unter 25 Euro muss nicht einmal der Bildschirm des Handys entsperrt werden. Geschäfte, in denen kontaktloses Bezahlen möglich ist, sind laut Google Adidas, Aldi-Süd, Hornbach, Kaufland, Lidl, McDonald’s, MediaMarkt und Saturn.

Auch online soll die App das Bezahlen einfacher machen. Nutzer müssen bei teilnehmenden Shops nicht mehr ihre Zahlungs- und Adressdaten eingeben. Stattdessen haben die Apps von Adidas, Asos, Deliveroo, Flixbus, Ryanair sowie die Google-eigenen Apps einen Google-Pay-Knopf. Demnächst sollen auch die Apps der Berliner Verkehrsbetriebe, Hellofresh, MediaMarkt und Saturn sowie Mytaxi darüber verfügen.

iPhone-Nutzer schauen noch in die Röhre

In Deutschland ist das Bargeld nach wie vor viel populärer als in anderen Ländern, befindet sich aber allmählich auf dem Rückzug. Im vergangenen Jahr ging der Anteil der Barzahlungen am Umsatz nach Zahlen der Unternehmensberatung Oliver Wyman von über 53 Prozent auf unter 48 Prozent zurück. „Solange wie der Kunde mit dem Bezahlen mit Bargeld zufrieden ist, wird er nicht so schnell auf mobile Payment umsteigen“, betont Oliver-Wyman-Experte Gökhan Öztürk.

Das Bezahlen per Smartphone gilt schon seit Jahren als Zukunftsvision, blieb jedoch bisher ein Nischengeschäft und ist im Volumen der deutschen Handelsumsätze kaum messbar. Frühe Modelle mit Strichcodes auf dem Bildschirm erwiesen sich als unpraktisch. Seit sich NFC-fähige Terminals im Handel ausbreiteten, gibt es inzwischen mehr Apps einzelner Banken, die kontaktloses Bezahlen anboten. Die iPhone-Besitzer sind davon vorerst ausgeschlossen: Die NFC-Schnittstelle der Telefone ist bisher nur für den hauseigenen Dienst Apple Pay zugänglich. Auch aus der deutschen Bankenbranche gab es bereits Forderungen nach einer breiteren Öffnung.

Banken machen gemeinsame Sache mit Google & Co.

„Europäische Banken befürchten, obsolet zu werden, wenn morgen große Player wie Apple und Google – oder auch Amazon und Facebook – in den Markt für Finanzdienstleistungen reingehen sollen“, sagte Öztürk. „Daher nutzen die Banken jetzt auch aus taktischen Gründen die Chance, mit diesen großen Plattform-Anbietern etwas gemeinsam zu machen.“ Commerzbank-Manager Daenert betonte am Dienstag, im Smartphone-Markt müsse man auf Ebene der Betriebssysteme einen Fußabdruck hinterlassen, um Reichweite zu bekommen. Außerdem sei der Vorteil, dass die Lösung international funktioniere. „Also es ist einen Versuch wert“, resümierte er.

Google überholt mit dem Start den Konkurrenten Apple auf dem deutschen Markt. Der iPhone-Konzern hat seit Herbst 2014 ein ähnlich funktionierendes Bezahlsystem für seine Telefone und Computer-Uhren, das schrittweise auch in europäischen Ländern eingeführt wird. Über einen anstehenden Start von Apple Pay in Deutschland wurde bereits mehrfach spekuliert, er blieb jedoch bisher aus. Apple verlangt einen Anteil von 0,15 Prozent von den Transaktionen. (AFP/dpa)