Foto: Axel Heimken/dpa
Foto: Axel Heimken/dpa

Wer kennt das nicht: Als Kind die Eltern zum Einkaufen zu begleiten, ist grundsätzlich öde. Aber da gibt es ja die Mitarbeiter hinter der Fleischtheke, die auch schonmal eine Scheibe Wurst springen lassen. Dadurch wird alles viel erträglicher. Die Kinder sind glücklich, die Eltern auch.

Doch offenbar ist die Wertschätzung für die Fleischfachverkäufer nicht überall gleich groß. In einer Edeka-Filiale im bayerischen Lichtenfels soll eine junge Mutter zu ihrem Nachwuchs gesagt haben: „Wenn du weiter nichts für die Schule lernst, dann stehst du auch mal dort hinten!“ Dabei zeigte sie auf eine Verkäuferin hinter der Wursttheke.

Diesen Vorfall hat die Supermarkt-Kette auf Facebook aufgegriffen mit Humor, aber auch mit dem nötigen Nachdruck. Der Wortlaut:

„Dieser Post geht an die junge Mutter, welche heute vor unserer Fleischtheke mit dem Finger auf die Verkäuferin gezeigt hat und zu ihrem Kind sagte: ‚Wenn Du weiterhin nichts für die Schule lernst, dann stehst Du auch mal dort hinten!‘ Dem können wir nicht zustimmen! Wenn Ihr Kind weiterhin nichts lernt, dann steht es in der Schlange am Arbeitsamt!

In unseren Filialen arbeiten nämlich nur gut ausgebildete Fachkräfte, mit Schulabschluss, und abgeschlossener Berufsausbildung. Viele mit mittlerer Reife, einige sogar mit Abitur. Und solange Menschen wie Sie, mit dem Finger auf Menschen wie uns zeigen, macht es auch keinen Sinn Ihnen zu erklären, das ein Meistertitel soviel Wert ist wie ein Studium, und eine duale Ausbildung weltweit mehr zählt als ein Abitur.

Und jetzt für Sie nochmal ganz persönlich: Einen Abschluss in Empathie und Menschlichkeit, Respekt und Wertschätzung erhält Ihr Kind nicht in der Schule aber das erledigen wir später gerne für Sie. Falls Ihr Kind doch den Abschluss schafft. Und mit etwas Glück vielleicht dann doch hinter unserer Fleischtheke steht und eine Ausbildung macht. Und Menschen wie Sie dann trotzdem mit einem lächeln bedient. Da es gelernt hat, dass jeder Mensch Respekt verdient hat. Auch wenn es manchmal etwas schwerer fällt!“

Die Reaktionen unter dem Post sind durchweg positiv. Von „Ein Hoch auf den Chef, der so hinter und für seine Mitarbeiter steht! Da könnten sich andere Chefs eine riesengroße Scheibe abschneiden.“ über „Sehr gut. Meinen Respekt an den Schreiber. Jeder Beruf ist wichtig!!!!! Und wenn es Metzger und Bäcker (und all die anderen Verkäufer, oder Handwerker) nicht gäbe, könnte kein ‚Dr.‘ irgend etwas kaufen!!!!“ bis hin zu „Respekt Edeka! Klasse dass Ihr eurer MA den Rücken stärkt und öffentlich Stellung bezieht“ sind viele Beifallsbekundungen zu lesen.

Und die junge Mutter? Die bekommt ihr Fett so richtig weg. „Die Kinder solcher Eltern können einem nur leid tun. Egal ob mein Kind hinter einer Fleischtheke steht oder in einem Büro sitzt, Hauptsache mein Kind ist glücklich mit dem was es macht. Ein Kind so unter Druck zu setzen geht gar nicht, von der Respektlosigkeit will ich erst gar nicht reden…“, schreibt eine Userin. Eine andere fragt neckisch: „Was tut eine junge Mutter vormittags mit Schulkind beim Einkaufen hätte sie es mal lieber in die Schule geschickt.“

So schnell wird die Frau wohl nichts mehr gegen Fleischfachverkäufer sagen. Wir empfehlen: Demnächst auch nach einer Scheibe Wurst fragen und den Blutdruck herunterfahren.

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