Gastronomie in Gmund bleibt doch geschlossen
Foto: Matthias Balk/dpa

Eigentlich wollte der Gastronom Hans Becker sein Bistro in Gmund am Tegernsee aus Protest gegen den Corona-Lockdown am Montag öffnen – nun verzichtet er darauf. Und das hat einen ganz besonderen Grund.

Die rechte Szene habe die Aktion als Plattform nutzen wollen, davon wolle er sich klar distanzieren, sagte Becker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in München: „Um Gotteswillen keine Reichsfahne vor unserem Café!“ Mit der rechten Szene und anderen unterirdischen Protestakteuren wolle er sich nie solidarisieren.

Ein erklärendes Facebook-Posting von Becker findet ihr hier:

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Zuletzt hatte ein Sportartikelhändler angekündigt, seine Läden ab Montag zu öffnen. Nach Zuspruch aus der rechten Szene machte er dann aber einen Rückzieher.

„Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker“, hatte Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl zuvor der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15.000 Euro Hilfe bekommen. Weil sein Umsatzeinbruch unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe.

Der Handelsverband Bayern sprach von einem „Hilfeschrei“, der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel „am ausgestreckten Arm verhungern“, sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: „Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe im September versichert, man werde „keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ Im Vertrauen darauf hätten Textil-, Schuh- und Sporthändler Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, sagte Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: „Viele schimpfen über die Politik.“

Siebzehnrübl, ein Betreiber von „Intersport“-Läden, sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU-Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen.

Er wollte ursprünglich am Montag zumindest seine Läden in Rosenheim und Altötting öffnen. Aus der Bevölkerung habe er viel Zuspruch bekommen. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.

Wegen des Corona-Lockdowns haben Restaurants und ein Großteil der Geschäfte derzeit geschlossen.