Muss YouTuber „Drachenlord“ in den Knast?

Heute startet der Berufungsprozess von YouTuber "Drachenlord" im Strafjustizzentrum Nürnberg. Im vergangenen Oktober war der Videoblogger wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.
Berufungsverhandlung gegen den Youtuber "Drachenlord"
Youtuber "Drachenlord" steht im Verhandlungssaal. Foto: Stringer/dpa
Berufungsverhandlung gegen den Youtuber "Drachenlord"
Youtuber "Drachenlord" steht im Verhandlungssaal. Foto: Stringer/dpa

Für YouTuber „Drachenlord“ steht einiges auf dem Spiel: Zwei Jahre Haft ohne Bewährung, so lautete das Urteil des Amtsgerichts Neustadt an der Aisch im Oktober 2021. Jetzt ist der Berufungsprozess gestartet. Verantworten muss sich der YouTuber weiterhin wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten. Elf Zeugen und ein psychiatrischer Gutachter sollten aussagen. Eine Urteilsverkündung soll noch heute erfolgen.

Update 23. März, 22 Uhr: Das Urteil ist mittlerweile bekannt. Alle Infos findet ihr hier:

>> YouTuber „Drachenlord“ vor Gericht erfolgreich: Strafminderung <<

Seit Jahren streitet sich „Drachenlord“ nun bereits mit seinen Gegnern – im Internet und der realen Welt. Diese tauchten in der Vergangenheit regelmäßig vor seinem Haus in Mittelfranken auf, um ihn gezielt zu provozieren. In mehreren Fälle wurde der YouTuber nach gegenseitigen Beschimpfungen handgreiflich. Vor Gericht hatte er unter anderem zugegeben, einen Mann vor seinem Haus mit einer Taschenlampe attackiert und einen anderen in den Schwitzkasten genommen und geschlagen zu haben.

Attacken aufgrund von gezielter Provokation

Er habe immer aus Wut so reagiert, sagte der 32-Jährige. „Ich persönlich versuche niemanden zu schlagen, wenn ich es vermeiden kann.“ An alle Details konnte er sich nicht mehr erinnern. „Es sind so viele Fälle über die Zeit, dass sie verschwimmen. Manche Personen kommen auch öfter“, sagte er mit Blick auf die Schaulustigen, die über Jahre vor seinem Haus auftauchten.

In der Berufungsverhandlung muss sich der 32-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten in den Jahren 2019 bis 2021 verantworten. Das Amtsgericht Neustadt an der Aisch hatte den Videoblogger im vergangenen Oktober zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten dagegen Berufung eingelegt.

Schon im Prozess vor dem Amtsgericht hatte sich gezeigt, dass den Angriffen immer gegenseitige Beleidigungen vorausgegangen waren. Die späteren Opfer waren gezielt zum Haus des Youtubers gefahren, hatten an seinem Zaun gerüttelt, waren zum Teil auf sein Grundstück eingedrungen und hatten ihn mit lauten Rufen aus dem Haus gelockt, um ihn zu fotografieren und ihn zu beleidigen.

>> Berufung gegen Haftstrafe für „Drachenlord“ eingelegt <<

Streitigkeiten laufen seit Jahren

Der Streit zwischen dem YouTuber und seinen Gegnern geht schon seit Jahren und wird von beiden Seiten im Internet befeuert. 2014 verlagerte sich der Konflikt auch in die reale Welt, nachdem der „Drachenlord“ seine Adresse in einem Video genannt und die sogenannten Hater aufgefordert hatte, zu ihm zu kommen.

Bis zum Abriss seines Hauses in der vergangenen Woche suchten diese ihn regelmäßig in seinem Wohnort in Mittelfranken auf. Immer wieder musste die Polizei wegen Ruhestörung, Hausfriedensbruchs und anderer Anzeigen ausrücken. Auch einige der Hater mussten sich deshalb schon in anderen Verfahren wegen Straftaten verantworten, in anderen Fällen wurde diese eingestellt.

Auch der junge Mann, den der YouTuber mit der Taschenlampe angegriffen hatte, gab vor Gericht zu, an dem späten Abend im September 2019 betrunken zum Haus des YouTubers gegangen zu sein und ihn provoziert zu haben. „Ich bin ehrlich, ich habe es ein bisschen herausgefordert. Man ist selber Schuld, wenn man da hingeht“, sagte er.

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„Wir sind auf deinem Grundstück“

Der damals 18-Jährige erlitt eine Platzwunde am Kopf. In einem Video ist dem Gericht zufolge zu sehen, wie er ganz nah an den Zaun tritt und den „Drachenlord“ auffordert, ihn zu schlagen. Davor habe er den Finger durch den Zaun gesteckt und triumphierend gerufen: „Wir sind auf deinem Grundstück“, gab der Richter wieder.

Ein Freund des Opfers, der damals dabei war und ein Video davon ins Internet gestellt hatte, sagte, er verstehe aus heutiger Sicht, wieso der YouTuber so aggressiv geworden sei. Wenn sich Leute bei ihm Zuhause so verhalten würden, würde er auch austicken, sagte er. Er sei aus Neugier zu dem Haus gegangen, um Fotos zu machen. „Wir hatten noch nie einen YouTuber gesehen.“ Dann habe sich das Ganze hochgeschaukelt. „Ich schäme mich wirklich dafür.“

Es war bereits das zweite Mal, dass sich der YouTuber wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten musste. Im September 2019 wurde er wegen einer Pfefferspray-Attacke zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Einige der nun angeklagten Taten beging er noch während der Bewährungszeit.

Hater im Gericht

Ein Schauplatz für die Hater ist an diesem Tag auch das Gerichtsgebäude. Zum Teil sind diese schon in der Nacht angereist, um einen der wenigen Plätze im Saal zu ergattern. „Ich liebe und hasse den ‚Drachenlord'“, sagt ein Zuschauer, der extra aus Nordrhein-Westfalen gekommen ist. „Ich liebe es zu beobachten, wie er immer wieder neue Dummheiten macht.“ Aber man bekomme auch irgendwann diese Wut auf ihn.

Aus Altschauerberg ist der YouTuber inzwischen weggezogen, sein Haus ist abgerissen. Seitdem reist er mit seinem Auto umher und postet Videos von unterwegs – und auch jetzt kommentieren die Hater jeden seiner Schritte und teilen Fotos von seinem möglichen Aufenthaltsort im Internet.

Als der psychiatrische Gutachter später die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilt, schließt das Gericht deshalb die Öffentlichkeit aus. Es bestehe die Gefahr, dass private Details aus dem Leben des Angeklagten für Cyber-Mobbing genutzt werden, betont der Richter. Insgesamt sollten an dem Tag sieben Zeugen aussagen. Anschließend wollte der Richter ein Urteil verkünden.

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dpa