Gefängniscuisine JVA Heidering Berlin
Foto: Screenshot Twitter/Gefngniscuisin1

Dieser Twitter-Account sorgt für mächtig Wirbel: „Gefängniscuisine“ postet Bilder von den minimalistischen Menüs aus der JVA Heidering in Berlin. Doch nun gibt es Gegenwind vom Verwaltungssprecher der Justiz.

Ein Brötchen, zwei Würstchen, dazu ein bisschen Nudelsalat und fertig ist das Knast-Menü der JVA Heidering – zumindest, wenn man dem Twitter-Account „Gefängniscuisine“ glaubt. Der schreibt dazu: „Bei jeder guten Diät, heißt es ‚abends nicht so viel essen“.

Seit rund drei Wochen zeigt der wohl ungewöhnlichste Foodblog aller Zeiten, wie mickrig die Portionen sind, die dort serviert werden. Stets auf blauem Hintergrund setzen – laut eigenen Angaben – drei Häftlinge die Menüs für Frühstück, Mittag- und Abendessen gekonnt in Szene und versehen die Bilder mit ironischen Kommentaren und Hashtags wie #foodporn.

Man braucht kein Ernährungswissenschaftler sein, um zu sehen, dass diese Portionen keinesfalls ausreichen, um einen Erwachsenen satt zu bekommen. Und genau das hat sich „Gefängniscuisine“ zum Ziel gesetzt: auf die Missstände in der JVA Heidering aufmerksam machen.

Das Brisante: Smartphones sind im Gefängnis strengstens untersagt. Aber: Die Echtheit der Aufnahmen zweifelte die Berliner Justizverwaltung laut „Stuttgarter Zeitung“ nicht an.

Dennoch wehrt man sich von Seiten der Justiz natürlich gegen die Vorwürfe. Ein Sprecher betonte, dass die Speisepläne nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zusammengestellt würden. Die Gefangenen bekämen demnach täglich eine Verpflegung von rund 2800 Kilokalorien, was dem Bedarf eines Mannes zwischen 25 und 51 Jahren entspreche.

Einer der „Blogger“ schätzt jedoch, dass es sich um maximal 1800 Kalorien handelt. Zudem sei die Ernährung nicht ausgewogen: Es fehle an Vitaminen, Eisen und Calcium. Er selbst verbessere seine Situation, indem er Lebensmittel einkaufe – das sei jedoch nicht allen Inhaftierten möglich.

Via Twitter hat nun Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung, zu Wort gemeldet. „Wir freuen uns über das öffentliche Interesse an einem ausreichenden und ausgewogenen Gefängnisessen in der JVA Heidering. Die öffentlich gewordenen Fotos scheinen rein ästhetische Ziele zu verfolgen und bilden nicht die Realität ab. Mit Gruß aus der Küche Portionen + Speiseplan“, schrieb er auf Twitter.

Der Speiseplan, den er dazu hochlud, sieht ausgewogen und durchdacht aus, die fotografierten Portionen des Diensleisters „Aramark“ sind deutlich größer als die der Häftlinge. Allerdings bleibt die Frage, ob elf Scheiben Brot und zwei Brötchen nicht etwas viel für eine einzelne Person ist. Ob nun die Justiz die Wahrheit sagt, sich die Häftlinge zurecht beschweren oder die Schuld gar beim Dienstleister liegt, ist nicht bekannt. Das letzte Wort scheint hier aber noch lange nicht gesprochen.