55 tote und 53 verletzte Migranten bei tragischem Lkw-Unfall

Während eines Lkw-Transports in Richtung US-Grenze sind 55 Migranten bei einem Unfall gestorben. Einige Verletzte flüchteten vom Unglücksort, anderen droht jetzt die Abschiebung.
Lkw-Unfall Seite
Foto: Shutterstock/Timofeev Vladimir

Ein Lkw-Unfall hat in Mexiko 55 Migranten das Legen gekostet. Weitere 53 Menschen wurden verletzt. Der Leiter der Zivilschutzbehörde des Staates, Luis Manuel Moreno, sagte, mindestens 52 Menschen seien mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden, drei seien in einem kritischen Zustand. In dem Lastwagen sollen sich bis zu 200 Migranten befunden haben, als er sich am Donnerstag auf einer Fernstraße im Staat Chiapas im Süden des Landes überschlug und gegen eine stählerne Fußgängerbrücke krachte.

Den Rettern bot sich an der Unfallstelle ein furchtbares Bild. Verletzte versuchten, sich aus den verbogenen Stahlteilen des Lkw-Aufliegers zu befreien, während Freiwillige Tote an Armen und Beinen aus dem Wrack zogen. Manche Unfallopfer konnten sich unter dem Gewicht der Toten nicht bewegen und mussten von Rettern befreit werden. Die Schwerverletzten, viele blutüberströmt, wurden zu Plastikplanen getragen, die auf der Straße ausgelegt waren. Krankenwagen, Kleintransporter und Autos waren im Einsatz, um die Verletzten in die Krankenhäuser zu bringen. Die Toten wurden Seite an Seite auf den Asphalt gelegt.

Weitere Unfallopfer flüchten

Rettungskräfte, die als erste am Unfallort eintrafen, berichteten, dass sich noch mehr Migranten in dem Lastwagen befunden hätten. Sie seien aus Angst vor der Festnahme durch Einwanderungsbeamte geflohen. Ein Rettungssanitäter sagte, einige Menschen hätten sich in ihrer Verzweiflung mit blutiger Kleidung und sichtbaren Verletzungen in die umliegenden Straßen geschleppt. Über das Schicksal des Fahrers war nichts bekannt.

In dem Lastwagen waren laut Jordán Rodas, dem obersten Menschenrechtsbeauftragten Guatemalas, bis zu 200 Migranten unterwegs. Eine solch hohe Zahl ist für Schlepperoperationen in Mexiko nicht ungewöhnlich. Das Gewicht der Ladung könnte nach Einschätzung der Behörden in Kombination mit der Geschwindigkeit und der engen Kurve zu dem Unglück geführt haben.

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Aktivisten, die mit Überlebenden sprachen, berichteten, die Migranten seien nahe der Grenze zu Guatemala in den Lkw gestiegen. Sie hätten zwischen 2500 und 3000 Dollar dafür gezahlt, in den mexikanischen Staat Puebla gebracht zu werden. Dort hätten sie vermutlich bei anderen Schleppern eine Fahrt an die US-Grenze buchen müssen.

Einer der Überlebenden, Celso Pacheco aus Guatemala, sagte am Straßenrad, der Lkw sei sehr schnell gefahren. In dem Auflieger hätten sich Menschen vor allem aus Guatemala und Honduras befunden, darunter etwa acht bis zehn kleine Kinder. Sein Ziel seien die USA gewesen, aber nun rechne er damit, nach Guatemala abgeschoben zu werden.

Mexikos Präsident verspricht Aufarbeitung

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte, solche Unfälle seien schrecklich. „Wir haben darauf gedrängt, dass die Ursachen angegangen werden müssen, die zu solchen bedauerlichen Ereignissen führen“, sagte er.

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Der guatemaltekische Präsident Alejandro Giammattei versicherte den Familien der Opfer auf Twitter seine Solidarität und versprach ihnen konsularische Unterstützung. Papst Franziskus sprach am Freitag dem Erzbischof von Tuxtla Gutiérrez in einem Telegramm sein Beileid aus. Er bete für die Opfer und ihre Angehörigen sowie für die Verletzten, hieß es darin.

In den vergangenen Monaten haben die mexikanischen Behörden versucht, Migranten davon abzuhalten, in großen Gruppen zur US-Grenze zu gehen. Aber der Menschenschmuggel dauert an. Im Oktober stoppten die Behörden im Staat Tamaulipas in Nordmexiko sechs Lastwagen, in denen 652 Migranten unterwegs waren.

dpa