Angela Merkel 30. März
Foto: Markus Schreiber/AP POOL/dpa

Am vergangenen Dienstag sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut für Wirbel um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca, als sie die Entscheidung mitteilte, das Präparat nur noch Menschen über 60 Jahren zu spritzen.

Nun kam heraus, dass Merkel bereits am Freitag vergangener Woche vom erneuten Anpassungsbedarf beim Impfstoff von Astrazeneca erfahren hatte – vier Tage vor der bundesweiten Entscheidung.

>> Astrazeneca: Neuer Name für Corona-Impfstoff – was steckt dahinter? <<

Einem Bericht des ZDF zufolge informierte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, vergangene Woche sowohl Merkel als auch Kanzleramtsminister Helge Braun (ebenfalls CDU), dass der Impfstoff für bestimmte Altersgruppen aller Wahrscheinlichkeit nach erneut gestoppt werden müsse.

Eine Stiko-Sprecherin sagte dem ZDF: „Am Freitag fand ein Gespräch zur Information zwischen Prof. Mertens und dem Bundeskanzleramt statt.“ Am Dienstag beschlossen Bund und Länder dann, dass das Präparat in der Regel nur noch Menschen über 60 gespritzt werden soll. Hintergrund ist, dass bei 2,7 Millionen verabreichten Astrazeneca-Dosen 31 Verdachtsfälle einer sogenannten Hirnvenenthrombose gemeldet wurden. In neun Fällen verlief die Erkrankung tödlich.

Merkel wollte Ethikrat und Leopoldina bei Astrazeneca-Problem hinzuziehen

„Angesichts der nationalen Tragweite der Entscheidung bat die Bundeskanzlerin darum, auch die Expertise des Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hinzuzuziehen“, erklärte eine Regierungssprecherin dem Online-Portal ZDFheute die vier Tage Bedenkzeit.

>> Mit Astrazeneca: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gegen Corona geimpft <<

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte die Vorgehensweise des Kanzleramts. „Die Bundesregierung hat offenbar trotz Wissens um die neuerliche Notwendigkeit von Anpassungen der Impfempfehlung nicht die Abstimmung mit den Leitungen der Kliniken und Impfzentren vor Ort gesucht.“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem Portal hingegen: „Es war richtig, dass der Entscheidung der Stiko nicht vorgegriffen wurde, weil die Daten das gesamte Wochenende über noch geprüft wurden.“

Quelle: dpa