Mallorca Nacht
Foto: Shutterstock

Der Zweitwohnsitz unter spanischer Sonne bleibt vorerst in weiter Ferne: Ausländer ohne ständigen Wohnsitz dürfen ab sofort nur noch in Ausnahmefällen ins Land und wenn, dann müssen sie für zwei Wochen in Corona-Quarantäne.

Zahlreiche deutsche Eigentümer von Wohnungen und Häusern auf Mallorca hatten sich bereits in den vergangenen Wochen bei den Behörden der Baleareninsel beschwert. Doch die Regierung in Madrid hat dieser Tage ein klares Wort gesprochen: Zweitwohnungsbesitzer können erst nach dem Ende der Ausgangssperre auf die Insel zurückkehren.

Seit Ende April verfassten mehrere hundert Deutsche teils flammende Briefe, in denen sie trotz der Coronavirus-Pandemie eine Einreiseerlaubnis für die beliebte Urlaubsinsel forderten. Sie bezeichneten die spanischen Corona-Maßnahmen als „völlig überzogen“ und verlangten angesichts des Rückgangs der Infektionsfälle ein Ende des Ausnahmezustands. Einige drohten sogar damit, ihre Investitionen auf der Insel zu stoppen.

Brandbriefe und Drohungen: Deutsche Hausbesitzer wollen mit aller Macht nach Mallorca

„Es müssen Touristen nach Mallorca kommen, sonst verarmt die Insel“, schrieb Ralf Becker, Verfasser eines Briefes, der die Protestwelle ins Rollen brachte. Praktisch alles auf der Insel sei abhängig vom Fremdenverkehr.

„Wann können wir wieder auf die Insel zurück?“ Diese sehnsuchtsvolle Frage stellten in den vergangenen Wochen nicht nur deutsche Medien. 4,5 Millionen Deutsche verbrachten im vergangenen Jahr ihren Urlaub auf der Mittelmeerinsel, angelockt von den schönen Stränden, aber auch dem Partyleben.

Doch Spanien ist mit mehr als 27.000 Todesfällen eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas, und die Regierung in Madrid will keine eingeschleppten Fälle riskieren. Zwar leitete sie in einigen Landesteilen und auf den Balearen in dieser Woche die schrittweise Lockerung der strikten Ausgangssperre ein. Gleichzeitig ist aber seit Freitag die Einreise aus dem Schengenraum beschränkt. Nur noch spanische Staatsangehörige, Pendler, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und der Altenpflege dürfen ins Land. Ausnahmegenehmigungen soll es zudem in „Notsituationen“ und für reine Geschäftsreisen geben.

Mallorca-Lockdown: Makler weisen deutsche Proteste zurück

Zudem werden alle Ankommenden aus dem Ausland bis auf wenige Ausnahmen in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt. Die Regelung soll bis zum Ende des Ausnahmezustands gelten, den die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez gerne bis Ende Juni verlängern würde.

Wer eine Zweitwohnung in Spanien hat, darf somit vorerst weiter nicht einreisen. Bis zur vollständigen Aufhebung der Ausgangssperre dürften nicht einmal Spanier ihre Provinz verlassen, um zu ihrem Zweitwohnsitz zu fahren. Da wäre es ungerecht, wenn Ausländer einreisen dürften, um von ihrem Zweitwohnsitz zu profitieren, argumentiert die Regierung.

Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff versteht den Ärger der Zweitwohnungsbesitzer. Zwar hätten sich einige Briefeschreiber im Ton vergriffen, „aber die zahlreichen EU-Bürger, die seit vielen Jahren ihre Grundsteuer auf den Balearen zahlen, sollten schon anders behandelt werden als diejenigen, die nur mal als Touristen vorbeischauen“, erklärte er auf Twitter.

Die Frage, wann die Ausländer zurückkehren dürfen, „stellen wir uns jeden Tag“, räumte die Regionalpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, am Donnerstag ein. Sie hoffe, dass „im Juli Touristengruppen in kontrollierter Form“ empfangen werden könnten. Vielleicht könne „mit den Besitzern von Zweitwohnsitzen“ begonnen werden. „Aber ich kann leider keinerlei Garantie geben“, fügte sie hinzu.

Alarmstimmung auf Mallorca: Pflicht-Quarantäne laut Medien ein „Schuss in die Schläfe“

Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat im Mai ihre Flugverbindung zwischen Düsseldorf und Palma de Mallorca wieder aufgenommen. Nach Angaben eines Sprechers macht das Flugangebot derzeit aber „weniger als zehn Prozent unseres normalen Programms nach Mallorca“ aus. Die Passagiere an Bord seien auch „keine klassischen Touristen“, sondern vor allem Geschäftsleute oder Fluggäste, die eine Notsituation nachweisen könnten.

Die deutsche Politikerin Alice Weber, Mitglied des linken Parteienbündnisses Més auf Mallorca und dort zuständig für internationale Angelegenheiten, empörte sich in einem Video: „Die Balearen sind etwas mehr als ein Vergnügungspark für immune Investoren“, kritisierte sie und richtete sich direkt an die Verfasser der Protestbriefe. „Was für Sie ein Luxus-Fantasialand ist, ist Heimat vieler Kinder, die heute zu Hause bleiben müssen, die aber, im Gegensatz zu Ihnen, verstehen, dass sie heute nicht auf ihren Spielplatz dürfen.“

Quelle: AFP