Die Nachbarn bekamen nichts mit – und nach außen hin deutete nichts auf das Horrorhaus in einem kalifornischen Vorort hin, in dem zwölf von 13 Kindern jahrelang gefoltert und ausgehungert wurden. Nun wurde das Strafmaß für deren Eltern verkündet.

Ein Ehepaar aus dem US-Staat Kalifornien ist wegen Folter und Misshandlung von zwölf seiner 13 Kinder zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Richter Bernard Schwartz ließ einige der Kinder zu Wort kommen, bevor er am Freitag das Strafmaß verkündete. Eine der Töchter sagte unter Tränen: „Meine Eltern haben mir mein ganzes Leben weggenommen, aber jetzt hole ich mir mein Leben zurück.“

Der aufsehenerregende Fall wurde erst im Januar 2018 bekannt, als die 17-jährige Tochter des Paares aus einem Fenster des Familienhauses im dem südöstlich von Los Angeles gelegenen Ort Perris sprang und die Polizei rief.

Beamten bot sich vor Ort ein Bild des Schreckens. Ein 22 Jahre alter Sohn des Ehepaares war an ein Bett gekettet, zwei Mädchen waren eben von ihren Fesseln befreit worden. Die betroffenen Kinder von zwei bis 29 Jahren bekamen Behörden zufolge nur einmal am Tag etwas zu essen, duschen durften sie einmal im Jahr.

Über Jahre hinweg wurden sie so sehr misshandelt und vernachlässigt, dass sie teils stark untergewichtig waren und nicht mehr wuchsen. Zwei Mädchen wurden unfruchtbar. Das Haus war völlig verdreckt, es stank nach menschlichen Exkrementen, wie Beamte schilderten. Die Kinder hätten berichtet, verprügelt, eingesperrt und angekettet worden zu sein, wenn sie nicht gespurt hätten. Spielzeug gab es nicht, tagsüber schliefen sie und waren nur nachts wenige Stunden aktiv.

Von dem Martyrium blieb das jüngste der 13 Sprösslinge verschont – ein Kleinkind. Die Nachbarn bekamen von alldem nichts mit. Bei den Schulbehörden hatten die Eltern einen Antrag gestellt, die Kinder zu Hause zu unterrichten.

Das Paar hatte sich im Februar unter anderem Kindesmisshandlung, Folter, Grausamkeit und Freiheitsberaubung in 14 Fällen schuldig bekannt.

„Ich kann nicht in Worte fassen, was wir durchmachen mussten, während wir aufwuchsen“, sagte ihr ältester Sohn, inzwischen 27 Jahre alt, im Gerichtssaal. Er habe manchmal noch Alpträume von den Übergriffen. Aber dies sei die Vergangenheit. „Ich liebe meine Eltern und habe ihnen viele der Dinge verziehen, die sie uns angetan haben.“ Die nun 30-jährige älteste Tochter sagte: „Das Leben mag schlecht gewesen sein, aber es hat mich stark gemacht.“

Die zwei nun erwachsenen Kinder berichteten zudem, wie sie die Kontrolle über ihr Leben zurückgewonnen hätten. Obwohl sie kaum Bildung genossen hätten, gingen sie nun aufs College und lernten einfache Dinge, etwa Fahrradfahren, Schwimmen und Kochen.

Die Mutter sagte am Freitag vor Gericht: „Alles, was ich getan habe, was meinen Kindern geschadet hat, tut mir leid. Ich liebe meine Kinder so sehr … Ich will nur das Beste für sie.“ Ihr Mann ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, in der es hieß: „Hinter meinem Heimunterricht und der Disziplin standen gute Absichten. Es tut mir leid, wenn ich irgendetwas getan habe, das ihnen Schaden zugefügt hat.“

Das Ehepaar muss mindestens 25 Jahre absitzen, erst dann hat es eine Chance auf eine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung. Der Mann ist 57, die Frau 50.

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