Karneval 2021: Was uns dieses Jahr garantiert nicht fehlen wird

Wegen der Corona-Pandemie findet Karneval 2021 nicht wie gewohnt statt. Ein Verlust. Einiges wird man aber auch nicht so vermissen.
ARCHIV – 20.02.2012, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Leere Flaschen liegen nach dem Ende des Rosenmontagszuges in Düsseldorf am Strassenrand. Ein Jahr fast ohne Karneval ist traurig – aber Einiges wird man in den nächsten Tagen auch nicht so vermissen. Foto: picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Jahr fast ohne Karneval – das ist traurig, denn gerade in Corona-Zeiten könnte man einen Stimmungsaufheller gut gebrauchen. Doch Hand aufs Herz: Einiges wird man in den nächsten Tagen auch nicht so vermissen. Der K-A-R-N-E-V-A-L im Jahr 2021 im Überblick – vorgetragen mit der Ernsthaftigkeit einer Büttenrede.

K wie Kamelle-Krieg: Bei Karnevalsumzügen gibt es Zeitgenossen, die den Regenschirm aufspannen, um das Wurfmaterial schon im Flug abzufangen, und andere, die ihre Pole-Position am Straßenrand mit großem Nachdruck gegen nachdrängende Kindergartenkinder verteidigen. Nur um die Beute – genannt Kamelle – dann vier Wochen später im Restabfall zu entsorgen. Wirklich schmecken tut ja das Wenigste.

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A wie Abfall und Ausscheidungen: Wer nach einer zünftigen Weiberfastnacht mal nüchtern durch Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf gelaufen ist, weiß, dass man sich bisweilen wundert, was Menschen alles hinterlassen können – in jeglicher Form. Mehr gibt es aus Pietät zu diesem Thema nicht zu sagen.

R wie Ross-und-Reiter-Diskussionen: Dass der organisierte Frohsinn eine verdammt ernste Sache sein kann, ist mittlerweile weithin bekannt. Bei kaum einem Thema trat das in den vergangenen Jahren greller zutage als bei der Diskussion um Pferde, die bei Umzügen mittrotten – vor allem in Köln war man unversöhnlich. Tierschützer sagen: Das geht auf keinen Fall. Für Karnevalsvereine gehören Reiter zur Tradition. Im vergangenen Jahr wurde versucht, die Diskussion mit mobilen Waagen zu versachlichen. Regel: Keine zu dicken Reiter auf zu schwachen Pferden. In diesem Jahr gibt es keinen Umzug und damit keine Pferde. Und damit ein Jahr Ruhe.

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N wie nachträgliche Reue: In kaum einer Jahreszeit wacht man so oft mit einem derart schlechten Gefühl im Magen auf wie im Karneval – nicht nur im wortwörtlichen Sinn, weil ein Getränk am Vorabend wohl doch schlecht war. Oft quälen auch Fragen: Habe ich Monika im Matrosen-Kostüm zu viel über meine Begeisterung für Segelboote erzählt? Wo ist überhaupt mein Schlüssel? Und warum besitze ich plötzlich einen Hut? All diese Fragen werden 2021 weit weg sein, wenn man am Karnevalssamstag erschreckend ausgeruht beim Bäcker im Nieselregen ansteht.

E wie endloses Vorstellen von Lokalpolitikern. Ein paar tapfere Karnevalsvereine senden zwar trotz Pandemie auch in diesem Jahr ihre Fernsehen-Fastnacht – allerdings in heruntergedimmter Form. Das arienartige Vorstellen lokaler Polit-Prominenz, die anschließend stolz im rappelvollen Saal aufspringt, fällt auf jeden Fall aus. Im sogenannten Superwahljahr wäre Einiges zu befürchten gewesen.

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V wie viele, viele Frauen-Witze. Dafür gab es früher sogar das beliebte Spezialformat der „Herrensitzung“, die definiert war als eine Karnevalssitzung für Männer mit Witzen über Frauen. Ja, eineinhalb Stunden ausschließlich sexistische Witze von besonderer Härteklasse – das gab es mal, und es ist noch gar nicht so lange her, wie alle rheinischen Lokaljournalisten jenseits der 50 bezeugen können. Wer sich darüber beschwerte, bekam von den schunkelnden Untoten zur Antwort: „Mein Gott, hast du denn gar keinen Humor?“

A wie Alaaf und andere Besonderheiten der Karnevalshochburgen: In Köln darf man nicht „Helau“ rufen, in Düsseldorf nicht „Alaaf“. Und das sind nicht die einzigen Besonderheiten. In einem „Tatort“ stöhnte Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) über das allgemeine „Faschingsfieber“. Daraufhin ermahnte ihn Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch) mit den Worten: „Sag noch einmal ‚Fasching‘ zu jemandem, der dich nicht so lieb hat wie ich, und du bist in Köln ein toter Mann!“

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L wie lallende Menschenmassen: Schon im Jahre 1800 schrieb ein durchreisender Bayer über den Kölner Karneval: „Alle Wirtshäuser ertönten von Musik und Gläserklang und dem Brüllen und Jauchzen des besoffenen Pöbels.“ Torkelnde und grölende Narren, Schnapsleichen am Straßenrand und Radwege voller Glasscherben gehören zum Karneval wie Kostüme und Kamelle. Der Kölner Hauptbahnhof bietet am Morgen nach Weiberfastnacht ein Bild des Grauens – Reisende aus dem Ausland fragen sich mitunter, ob sie in ein Kriegsgebiet geraten sind. Was ist die Alternative? Es gibt sie wohl nicht, denn sehr richtig bemerkt Manuel Andrack: „Der Satz ‚Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern‘ gehört definitiv ins Reich der Legenden.“

dpa