Karl Lauterbach
Foto: Kay Nietfeld/dpa

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat eine Lösung für die Corona-Impfstoffknappheit in Deutschland gefunden und zwar eine ganz simple. Er forderte am Montaggabend in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“, die zweite Impfung einfach um mehr als zwei Monate nach hinten zu verschieben.

„Wir haben jetzt die wichtigsten drei Monate vor uns“, sagte Lauterbach. „Wenn wir in dieser Zeit die uns verfügbaren Impfstoffe nur ein Mal impfen statt zweimal, hätten wir doppelt so viele Impfstoffe zu Verfügung.“ Eine leicht nachvollziehbare Rechnung, zumal bereits die erste Impfung einen 90-prozentigen Schutz bieten soll. Die zweite Impfung, die bislang nach aktueller Planung drei Wochen später Erfolg, würde diesen Schutz wohl auf 95 Prozent erhöhen.

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Paradox: In Großbritannien, wo bereits seit dem 8. Dezember mit dem Biontech-Präparat geimpft wird, fährt man seit Wochenbeginn bereits diese Taktik. Und Lauterbach bezeichnete sie auf Twitter noch vor wenigen Tagen als „riskant“.

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In der Tat ist die neue Strategie ein Wagnis, denn gerade Wirksamkeit und Sicherheit des Biontech-Impfstoffes sind bei einer Verimpfung im Abstand von mehr als 21 Tagen ungewiss. Auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA ist skeptisch.

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Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) unterdessen 11.897 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 944 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Dienstagmorgen bekanntgab. Eine Interpretation der Daten bleibt weiter schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

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Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Dienstagmorgen bei 134,7. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Montag bei 0,85 (Sonntag: 0,91). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 85 weitere Menschen anstecken.

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Quelle: mit dpa-Material