Kampf gegen Corona-Regeln: Mann geht für todkranken Vater in Hungerstreik

Ein Mann aus Neuseeland wollte seinen im Sterben liegenden Vater ein letztes Mal sehen, sollte aber zuvor in zweiwöchige Quarantäne. Daraufhin ging er in einen Hungerstreik.
Coronavirus Maske
Foto: Frank Molter/dpa
Coronavirus Maske
Foto: Frank Molter/dpa

In Neuseeland gelten strikte Corona-Regeln. Wer aus dem Ausland einreist, muss eine 14-tägige Quarantäne in eigens dafür vorgesehenen Hotels, die in Quarantäneeinrichtungen umfunktioniert wurden, über sich ergehen lassen. Das galt auch für Kurt Lehndorf, der am 2. Februar aus Australien nach Neuseeland flog, um dort seinen todkranken Vater noch einmal vor dessen Ableben zu sehen.

Der Vater, Des Lehndorf, war an Krebs erkrankt und es sah nicht mehr gut aus. Der Sohn stellte einen Antrag, dass er sich bei seinem Vater in die Isolation begeben könne. Dieser wurde aber nicht wirklich bearbeitet, stattdessen ließen die Behörden Kurt Lehndorf warten. Daraufhin beschloss er, nichts mehr zu essen und nichts mehr zu trinken.

Am Ende waren es 60 Stunden, die er ohne Nahrung und Flüssigkeit aushalten musste, ehe die Behörden reagierten. Nun hat er gewonnen „gewonnen“, wie auch die englische „Dailymail“ auf ihrer Internetseite aufführt. Und so unterzeichnete eine Vereinbarung mit den Behörden, die ihm eine Ausnahmegenehmigung zusicherte, sich bei seinem Vater in die Selbstisolation begeben zu dürfen.

„So behandeln wir uns jetzt gegenseitig in Neuseeland“

Tatsächlich ist der Vorgang so ungewöhnlich nicht. Zwar werden Ausnahmegenehmigungen nur sehr selten erteilt, wenn die Umstände als „außergewöhnlich“ angesehen werden, doch es gibt extra einen Passus in der Covid-19 Public Health Response (Isolation and Quarantine) Order 2020, die solche Anträge gestattet.

Gegenüber dem neuseeländischen Portal „1news“ bestätigte ein Sprecher der Behörden am Montag, dass Lehndorf zu seinem Vater darf. „Heute Morgen wurde Herrn Lehndorfs Antrag auf Befreiung von der kontrollierten Isolation bewilligt, und er ist nun in der Lage, sich selbst in der Gemeinschaft zu isolieren – wir freuen uns, dass er in dieser schwierigen Zeit jetzt Zeit mit seinem Vater verbringen kann.“

Lehndorf selbst aber glaubt, dass er ohne die mediale Aufmerksamkeit wohl keine Bewilligung für den Antrag bekommen hätte. Auf Facebook schrieb er: „Das ist Isolation in Neuseeland. So behandelt Jacinda Ardern die Bürger Neuseelands. Ich darf 45 Minuten pro Tag im Uhrzeigersinn gehen, nicht laufen. Ich bin nach Neuseeland zurückgekehrt, um meinen unheilbar kranken Vater zu besuchen. So behandeln wir uns jetzt gegenseitig in Neuseeland. Obwohl sich der Zustand meines Vaters verschlechtert, darf ich ihn nicht sehen. Ich wurde innerhalb von 3 Tagen zweimal negativ getestet, bin doppelt geimpft und habe mich kürzlich von Covid erholt. Nachdem ich daran gehindert wurde, meinen Vater zu Weihnachten und anderen potenziell letzten Ereignissen zu besuchen, hindert mich jetzt mein eigenes Land daran, an seiner Seite zu sein. Das eigene Land meines Vaters verhindert, dass sein Sohn an seiner Seite ist. Zum ersten Mal in meinem Leben ist es mir peinlich, ein Kiwi zu sein. Und jetzt zurück zum Gehen, nicht zum Laufen im Uhrzeigersinn.“

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