„Ich bin geimpft, also werde ich krank!“: Auch Placebo-Impfung sorgt für Nebenwirkungen

Wie weit es Placebo-Impfungen gegen Covid-19 bringen können, zeigt eine neue Studie der amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA): Stolze 35 Prozent der nur vermeintlich geimpften Personen klagten über diverse Impfreaktionen.
Impfung Spritze Corona
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Impfung Spritze Corona
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Dass der sogenannte Placebo-Effekt einige kuriose Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben kann, ist allgemein bekannt. Eine neue Studie der amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA) hat nun ergeben, wie weit es eine Placebo-Impfung gegen Covid-19 bringen kann. So traten bei über einem Drittel der zum Schein geimpften Leute Impfreaktionen auf – ein erstaunliches Ergebnis.

Dabei sprechen die Forscher über den sogenannten „Nocebo“-Effekt, also praktisch das genaue Gegenteil zum „Placebo“-Effekt. Während letzterer für eine positive Wirkung auf den Körper verantwortlich ist, kommen beim „Nocebo“-Effekt negative Auswirkungen zum Tragen. Abgeleitet ist das Wort vom lateinischen „nocere“ (schaden), auf der anderen Seite bedeutet „Placebo“ wörtlich „ich werde gefallen“.

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Der Datensatz der Studie ist als äußerst umfangreich einzuordnen: Stolze 12 Placebo-kontrollierte Impfstoffstudien liegen dem zusammenfassenden Ergebnis zugrunde, welches die Forscher über das JAMA-Network veröffentlichten. In Zahlen sind das 45.380 Teilnehmer mit einem Alter über 16 Jahren, von denen rund die Hälfte (22.578 Personen) anstelle der Covid-19-Vakzine einen Placebo erhielten. Über negative Auswirkungen beschwerten sich von diesen 22.578 Personen über 35 Prozent über unerwünschte Nebenwirkungen – darunter am häufigsten Kopfschmerzen und Müdigkeit (19,3 und 16,7 Prozent). Selbst die zweite Placebo-Impfung verringerte diesen Wert nur minimal auf 31,8 Prozent.

Nicht jeder Kopfschmerz wird durch die Impfung verursacht

Nicht aus den Augen verlieren sollte man bei der Studie die Gruppe derer, die tatsächlich eine Impfung mit dem richtigen Wirkstoff bekommen haben. Auch diese neige laut der Wissenschaftler zum Nocebo-Effekt. Oder um es anders auszudrücken: Nicht jeder Kopfschmerz und nicht jede Müdigkeit hängt zwingend auch mit dem Impfstoff zusammen, sondern kann auch ganz andere Auslöser haben.

Autorin Julia W. Haas schreibt dazu, dass „Nocebo-Wirkungen für 76 Prozent der systemischen unerwünschten Arzneimittelwirkungen nach der ersten Teilimpfung in der Gruppe der Covid-19-Vakzine-Empfänger verantwortlich war, ebenso für 51,8 Prozent dieser unerwünschten Wirkungen nach der zweiten Teilimpfung“. Da die Sorge für Nebenwirkungen der Corona-Impfungen noch immer tief in der Gesellschaft verankert sind, seien solche Studien laut Haas extrem wichtig.

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