Coronavirus Schnelltests
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die britische Aufsicht hat einer Studie zugestimmt, bei der sich Freiwillige absichtlich dem Coronavirus aussetzen. Mit der ersten Untersuchung dieser Art weltweit soll herausgefunden werden, wie sich eine Infektion ausbreitet.

Die britische Regierung teilte am Mittwoch mit, die Ethikaufsicht für klinische Studien in Großbritannien habe dem Verfahren zugestimmt. Die Studie werde innerhalb eines Monats beginnen. Mit ihr sollen effektivere Impfstoffe und Behandlungen gegen Covid-19 entwickelt werden.

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Für die Studie suchen die Forscher bis zu 90 Freiwillige im Alter von 18 bis 30 Jahren, die dem Coronavirus „in einem sicheren und kontrollierten Umfeld“ ausgesetzt würden. Dabei soll untersucht werden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert, wie Infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben und was die geringste Virusmenge ist, mit der eine Infektion ausgelöst werden kann.

Die Teilnehmer sollen rund um die Uhr beobachtet werden. „Die Sicherheit der Freiwilligen hat Vorrang“, betonte das Ministerium. Genutzt werde der Corona-Erreger, der seit März 2020 in Großbritannien auftritt und nicht die weitaus ansteckendere Variante B.1.1.7, die im Herbst in Südostengland erstmals aufgetreten war.

Human Challenge Trials auch bei Erprobung von Impfstoffen hilfreich

Die Studie werde auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen spielen. In einer Folgestudie sollen Probanden mit einem neuen Wirkstoff geimpft und dann dem Virus ausgesetzt werden. Dieses Vorgehen bei der Erprobung von Impfstoffen hat den Vorteil, dass die Wirksamkeit vergleichsweise effizient getestet werden kann. Das übliche Verfahren sieht hingegen vor, Zehntausende zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

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Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Entwicklung von Grippe- oder Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probanden dabei – anders als bei der nun zunächst geplanten britischen Studie – zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

Großbritannien ist eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas. Bisher sind offiziellen Angaben zufolge mehr als 115.000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Seit gut zwei Monaten läuft eine Massenimpfung. Bisher ist landesweit mehr als 15,5 Millionen Menschen eine Dosis gespritzt worden. Für den vollen Schutz ist aber eine zweite Impfung nötig. Diese haben bisher etwa 550.000 Menschen erhalten.

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In Deutschland gelten „Human Challenge“-Studien als unwahrscheinlich. Der Verband der forschen Pharma-Unternehmen (vfa) hatte solche Tests im Herbst als unethisch abgelehnt. Zudem gebe es medizinische Vorbehalte: „Challenge-Studien zeigen vielleicht ein verfälschtes Bild, da Erkenntnisse, die nur mit jungen, gesunden Menschen gewonnen wurden, möglicherweise nicht auf Ältere und chronisch Kranke übertragbar sind. Aber diese Personengruppen sind durch Covid-19 am stärksten bedroht“, betont der Verband auf seiner Internetseite. Künstlich herbeigeführte Ansteckungen entsprächen nicht den echten Infektionen im Alltag.

Quelle: dpa