Gibt es eine Corona-Resistenz? Wissenschaftler suchen nach Antworten

In England suchen Wissenschaftler nach Antworten, warum manche Menschen einfach nicht an Corona erkranken. Sind sie der Schlüssel, um die Pandemie zu besiegen?
Corona Test Stäbchen
Foto: Tom Weller/dpa

Auch nach zwei Jahren sind noch längst nicht alle Rätsel rund um Corona und das Virus gelöst. Dabei stellt vor allem die neue Omikron-Variante die Wissenschaftler vor Herausforderungen. Einer Frage aber gehen alle Wissenschaftler nach: Wie kann es sein, dass manche Menschen trotz doppelter oder gar dreifacher Impfung immer noch erkranken, andere Menschen, die täglich mit dem Virus zu tun haben, aber anscheinend immun sind? Gibt es eine Art natürlicher Corona-Resistenz?

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Diese Frage scheint sogar immer mehr Priorität zu genießen, denn wie die Onlineausgabe der englischen „Daily Mail“ schreibt, scheint man in London schon einen Schritt weiter zu sein. Dort sind Wissenschaftler davon überzeugt, das manche Menschen immun gegen das Virus sind. Daher versuchen die Wissenschaftler in der englischen Hauptstadt nun, dass Blut jener Menschen zu untersuchen, um eine Langzeitstrategie gegen Corona entwickeln und das Virus weiter eindämmen zu können. Zeitgleich sucht man auch in den USA sowie Brasilien nach Antworten.

Zwei Frauen, die sich einfach nicht anstecken wollen

In London am University College wurden dafür hunderte von Blutproben von Leuten aus dem Gesundheitswesen untersucht, die alle mit Covid-Patienten zu tun haben, sich aber zur Überraschung aller trotz der vielen Kontakte mit infizierten Personen nicht angesteckt haben. Wie zum Beispiel die 34-jährige Lisa Stockwell, die im Gegensatz zu ihren Kollegen bislang nicht einmal an Corona erkrankte. Obwohl sie in einer Erstaufnahmestelle für Covid-Patienten arbeitet.

„Mein Antikörpertest, den ich Ende 2020 noch gemacht habe, bevor ich geimpft wurde, war negativ“, erinnert sie sich. „Ich habe erwartet, dass auch ich mich früher oder später anstecke. Aber es passierte nie. Ich weiß nicht, ob es an meinem robusten Immunsystem liegt, aber ich bin sehr dankbar, bis jetzt noch nicht krank geworden zu sein.“

Auch als sich ihr Mann für zwei Wochen böse mit dem Virus quälte und sie mit ihm das Bett teilte, infizierte sie sich nicht. Ebenso als sich ihre Mutter infizierte, blieb die Frau verschont. Selbst von einem Kollegen, der sich angesteckt hatte und mit dem sie das Auto teilte, bekam sie das Virus nicht. Sie selbst ist zweimal geimpft und wartet aktuell noch auf ihre Booster-Impfung.

Eine ähnliche Geschichte erzählt auch die Krankenschwester Nasim Forooghi. Die 46-Jährige arbeitet ebenso an der „Front“, wie Lisa Stockwell und trifft jeden Tag auf etliche Corona-Patienten. Doch auch bei ihr blieb bislang jeder Test negativ. „Wir haben alle Glück, weder mein Mann noch meine Kinder haben sich bislang infiziert“, erklärt die 46-Jährige.

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Sind T-Zellen der große Durchbruch?

Bei den Untersuchungen, woran es möglicherweise liegen kann, dass sich gewisse Personen nicht mit Corona infizieren, sind die Wissenschaftler nun auf sogenannte T-Zellen gestoßen. Ähnliche Zellen wurden auch bei Menschen gefunden, die nach einer Infizierung mit dem Virus geheilt waren.

Wie Antikörper werden auch die T-Zellen vom Immunsystem ausgeschüttet, um Eindringlinge abzuwehren. Während aber Antikörper die Viren lediglich davor stoppen, in den Körper einzudringen, greifen T-Zellen die Viren sogar direkt an und zerstören sie. Und inzwischen ist auch bekannt, dass die Covid-Antikörper sowohl nach der Infektion als auch nach der Impfung innerhalb weniger Monate nachlassen können.

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Daher gehen Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass die T-Zellen vor allem dafür verantwortlich sind, dass sich manche Menschen gar nicht anstecken und das Virus auch keinerlei Chance hat. Eine große Frage bleibt aber: Woher kommt diese Immunität?

Ein Grund könnte der „exponierte“ Arbeitsplatz sein, denn schließlich haben beide Frauen tagtäglich mit kranken Menschen zu tun. So könnten sie sich bereits in der Vergangenheit mit weniger kritischen Varianten des Virus infiziert und anschließend eine Immunität entwickelt haben, so eine Theorie.

Hunderte weiterer Bluttests offenbarten zudem, dass die meisten T-Zellen bei Kindern vorhanden waren. Dies belegten die Wissenschaftler damit, dass die Kinder generell durch ihre Altersgruppe vielen Krankheiten und Erkältungen ausgesetzt seien und daher ein entsprechend ausgeprägtes Immunsystem hätten.

Die Proteine sind der Schlüssel

Für die Wissenschaftler in London ist der Erkenntnisgewinn aber riesig, wie „Daily Mail“ weiter berichtet. Denn war man zuvor bei einer Impfung darauf angewiesen, dass der Körper auch das entsprechende Virus erkennt, was bei zunehmender Mutation immer schwieriger wird, so soll es dem Körper entsprechend leichter fallen, auf sämtliche Mutationen und Veränderungen reagieren zu können, wenn das Immunsystem immer wieder mit dem Virus konfrontiert wird.

Im Detail bedeutet dies, dass der Körper dann sogar in der Lage ist, die Proteine innerhalb des Virus zu erkennen, als nur die, welche sich auf der Oberfläche befinden. Und die Proteine innerhalb des Virus unterscheiden sich nur marginal. „Interne Proteine mutieren nicht wie Externe“, wird auch Professor Andrew Easton von der Warwick University zitiert.

Nun will man auch Impfstoffe mit diesen internen Proteinen herstellen. Erste Tests werden bereits von der Firma Emergex aus Oxfordshire durchgeführt. Dabei kommt es nicht zu einem Stich mit einer Nadel, sondern die Behandlung gleicht vielmehr einem Nikotinpflaster. Dort angebracht sind auf der Innenseite kleine Nadeln, die über eine Art Akupunktur dem Blutkreislauf schmerzfrei Proteine zuführen, um so die Herstellung von T-Zellen anzukurbeln.

Im Juni soll es dann erste Ergebnisse aus einem Testlauf mit 26 Probanden geben. Damit verbunden ist die große Hoffnung, ein Mittel gegen die gesamte Familie der Coronaviren zu finden, und nicht nur COVID-19. „Andere Proteine als das Spike-Protein sind viel weniger flexibel und ändern sich seltener – sie sind viel weniger ein bewegliches Ziel“, führt auch Easton aus.

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